Auf schmaler Spur | MDR Fernsehen | 25.12.2019 | 15:25 Uhr Zügig durch die Lausitz – mit alten Bahnen Landschaft und Geschichte erleben

Durch den Fürst-Pückler-Park schlendern, den sagenhaften Oybin besuchen, das historische Zittau bestaunen – das sind nur einige Ausflugsziele der Lausitz. Dies alles lässt sich mit der guten alten Eisenbahn erkunden, der Zittauer Schmalspurbahn und der Bad Muskauer Waldeisenbahn. "Auf schmaler Spur" stellt die Menschen vor, die dieses historische Eisenbahnerlebnis in der einzigartigen Landschaft der Lausitz ermöglichen.

historische Schmalspurbahn
Bildrechte: imago/Arnulf Hettrich

Diana Güttler und Nicole Altenkirch sind als Heizerin und Lokführerin auf Dampf- und Diesellok unterwegs. Als Frauen mussten sie sich erst in dieser Männerdomäne durchsetzen. Sie kennen die skeptischen Blicke, wenn sie sich auf den Führerstand schwingen oder die Lok unter Dampf setzen.

"Als Frau muss man sich etwas mehr beweisen", weiß Nicole Altenkirch. Mit ihren 27 Jahren ist sie nach einem Fernstudium sogar Betriebsleiterin bei der Schmalspurbahn. "Wir beide lassen uns nicht die Butter vom Brot nehmen", meint Diana Güttler. Beide vereint auch die Liebe zu ihrem Beruf.

Menschen durch diese schöne Landschaft zu fahren und zu begeistern, was will man mehr.

Diana Güttler
Auf schmaler Spur - Zügig durch die Lausitz
Alfred Simm Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Alfred Simm ist der "Bahnhofsvorsteher" am Bahnsteig in Bertsdorf. Bei großen Ereignissen wie der "Historik Mobil" lenkt er die Besucherströme: "Erst Aussteigen, dann Einsteigen, das hat sich seit mehr als 170 Jahren bewährt“, weist er lautstark und mit ironischem Unterton zu stürmische Fahrgäste an. Und nebenbei gibt es vom gelernten Eisenbahner viel zur Geschichte der Schmalspurbahn im Zittauer Gebirge.

Geschichte

Mitteldeutschland Renaissance der Schmalspurbahnen

Bis zum Ende der DDR fuhren auf Schmalspur regelmäßig Güterzüge, heute verkehren dort vor allem Touristenzüge. Noch immer werden die Züge meist von Dampfloks gezogen und laden zu einer besonderen Zeitreise ein.

Preßnitztalbahn vor dem Haltepunkt Wildbach im Winter.
Seit 1892 verkehrten Personen und Güterzüge von Wolkenstein bis Jöhstadt. Bildrechte: MDR/Armin Peter Heinze
Die Preßnitztalbahn  (Museumsbahn zwischen Steinbach und Jöhstadt) kurz vor Schmalzgrube.
1988 wurde die "Interessengemeinschaft Preßnitztalbahn" gegründet, aus der 1990 ein gemeinnütziger Verein entstand. Dieser realisiert den Wiederaufbau und Betrieb der inzwischen acht Kilometer langen Strecke zwischen Steinbach und Jöhstadt. Die Dampfzüge verkehren von Mai bis Oktober, im Advent und in den Winterferien an jedem Wochenende, Ostern und auf Bestellung. Bildrechte: MDR/Armin-Peter Heinze
Preßnitztalbahn vor dem Haltepunkt Wildbach im Winter.
Seit 1892 verkehrten Personen und Güterzüge von Wolkenstein bis Jöhstadt. Bildrechte: MDR/Armin Peter Heinze
Preßnitztalbahn zwischen Schlüssel und Jöhstadt, im Winter.
Von 1984 bis 1986 wurde die Schmalspurbahn schrittweise stillgelegt und gegen den Willen der Bevölkerung abgebaut. Bildrechte: MDR/Armin Peter Heinze
Brockenbahn
Heute betreibt die Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) das 140 km lange Streckennetz. Zum Fuhrpark der HSB gehören u.a. 25 Dampflokomotiven, sechs Diesellokomotiven, zehn Triebwagen und eine Vielzahl historischer Reisezugwagen. Bildrechte: Dirk Bahnsen/HSB
Lößnitzgrundbahn
Vor den Toren Dresdens, zwischen Radebeul Ost und Radeburg, schnauft der dampfbetriebene "Lößnitzdackel", wie die Bahn gern bezeichnet wird, gemütlich vorbei an den Weinbergen der Hoflößnitz. Bereits 1884 wurde sie als vierte Schmalspurbahnstrecke der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen mit einem Festzug eingeweiht. Bildrechte: Michael U. Kratzsch-Leichsenring/SDG
Weißeritztalbahn
Die Weißeritztalbahn führt von Freital bei Dresden durch den reizvollen Rabenauer Grund und entlang der Talsperre Malter in den 350 Meter höher gelegenen Kurort Kipsdorf. Die 1883 eröffnete 26 km lange Strecke ist Deutschlands älteste noch im öffentlichen Betrieb befindliche Schmalspurbahn. Bildrechte: Michael Findeisen/ SDG
Weißeritztalbahn
Beim Jahrhunderthochwasser im August 2002 wurden große Teile der Weißeritztalbahn zerstört. 2008 konnte der Wiederaufbau der ersten Teilstrecke bis Dippoldiswalde gefeiert werden. Vollständig befahrbar ist die Strecke erst wieder seit 2017. Bildrechte: Kati Schmidt/ SDG
WEMBahn
Zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Oberlausitz zählt die Waldeisenbahn Muskau. Das nur 600mm schmale Gleis verbindet verschiedene touristische Attraktionen in der Muskauer Heide. Bildrechte: Olaf Urban
Archivaufnahme einer Dampflock.
Vor über 100 Jahren wurde die Bahn zum Transport von Gütern errichtet. Hier zu sehen ein Dampfgüterzug im Jahr 1976. Bildrechte: Olaf Urban
WEMBahn
In der Regel ziehen Diesellokomotiven aus den 1950er-Jahren die Personenzüge durch eine einzigartige Landschaft. Unbestrittener Höhepunkt bleibt aber die Fahrt mit einer der originalen Dampfloks.

(Über dieses Thema berichtete der MDR auch im TV: Auf schmaler Spur | 28.05.2010 | 15:30 Uhr.)
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Mit der Bahn zum Pückler-Park

Oder Heiko Lichnok: Er und seine Mitstreiter haben die 600-mm-Bahn an der Grenze zwischen Ober- und Niederlausitz in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebaut. Der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau oder der Rhododendrenpark in Kromlau waren schon immer feste Ziele.

Da für sie Tradition nicht Anbetung der Asche, sondern Weitergabe des Feuers ist, haben sie ihr Streckennetz in den letzten Jahren um die sogenannte Tonbahn erweitert, die einst einen Tonschacht ansteuerte. Heute gibt der neue Streckenabschnitt Einblicke in das nahe gelegene Kohlerevier.

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Auf schmaler Spur Die Tonbahn

Die Tonbahn

Einst fuhr die Tonbahn zu einem mittlerweile stillgelegten Tonschacht in der Oberlausitz. Seit 2017 ist die Bahn auf einer neuen Strecke unterwegs.

Mi 11.12.2019 11:08Uhr 01:36 min

https://www.mdr.de/meine-heimat/video-364100.html

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Bahn en miniature

Vergangene Epochen werden auch von Modellbahnern in Szene gesetzt. Ein Club zeigt die Zittauer Bahn in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, als man die Bahngesellschaft "Zittau Oybin Johnsdorfer Eisenbahn" im Volksmund "Zug ohne jede Eile" nannte. Auch frühere Bahnverbindungen ins Nachbarland Tschechien sind in liebevollen Modellen erhalten geblieben.

 

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