Ausflügler sitzen im Biergarten Klosterbuch an der Freiberger Mulde.
Kraft tanken und das Mittagessen in der Sonne genießen. Bildrechte: dpa

Gasthöfe im Grünen Die schönsten Ausflugsgaststätten in Mitteldeutschland

Die Ausflugszeit hat begonnen. Warum nicht an einem sonnigen Tag zu einem Restaurant im Grünen radeln oder wandern? Auf einem Freisitz im Preßnitztal "Am Wildbach" regionale Produkte genießen, vom "Weltrad" in Schönebeck auf die Elbe blicken, einen Brunch mit Live-Musik auf der Burg Wanzleben erleben, im "Klausenhof" mittelalterlich speisen oder in der "Genießerwerkstatt" in der Rhön außergewöhnliche Aromen genießen – hier ist für jeden hungrigen Ausflügler etwas dabei.

Ausflügler sitzen im Biergarten Klosterbuch an der Freiberger Mulde.
Kraft tanken und das Mittagessen in der Sonne genießen. Bildrechte: dpa

Sachsen: Raststätte "Am Wildbach" im Erzgebirge

Abseits aber zugehörig zum Ort Steinbach liegt im erzgebirgischen Preßnitztal die Raststätte "Am Wildbach". Ganzjährig geöffnet und mit einem formidablen Angebot an Speisen und Getränken für hungrige Wanderer, Radfahrer und Fans der historischen Schmalspurbahn, die Steinbach und Jöhstadt verbindet.

Ein Verein hat die Ausflugsgaststätte vor 40 Jahren zum Einkehren für Wanderer eingerichtet. Außer der Küche hat Wirt Mario Eberlein dabei kaum modernisiert. Der Innenraum ist rustikal wie einst und ausgestattet mit Dingen, Trophäen, Wandbildern der Menschen, die hier einmal gewirkt haben. Es gibt 30 Plätze drinnen und noch mal so viele im Freisitz.

In einem Getränkeglas steckt ein grünen Zweig.
Auch die Maibowle ist schon aus frisch gepflücktem Waldmeister angerichtet. Bildrechte: Colourbox.de

Das Essen hat hier seinen angemessenen Preis. Bockwurst oder Pommes gibt es nicht, stattdessen Regionales – frisch zubereitet: Ziegenknacker von den hauseigenen Ziegen, Schlehentrunk von der Oma eines Gastes. Den Bärlauch für Pesto oder Bärlauch-Spinat haben Eberlein und seine zwei Köche selbst in Tschechien gepflückt. Und was der 50-Jährige nicht selbst erntet, sammelt oder herstellt, bekommt er von Partnern aus der Region, Fleisch von Jägern, Forellen von der nahegelegenen Zuchtanlage.

Sachsen-Anhalt: "Weltrad" - Genuss mit Elbblick in Schönebeck

In Schönebeck bei Magdeburg, direkt am Elberadweg gelegen, gibt es einen besonderen Elbblick. "Weltrad" heißt der Ort, benannt nach einer alten Fahrradmarke. Hier kann man einkehren, übernachten und auch ein Fahrrad kaufen. Die Gaststätte ist ein Neubau aus leichtem Holzständerwerk, dem Ufer angepasst. Die großen Fensterfronten erinnern an Kreuzfahrtschiff-Architektur. Das Sehen ist hier wichtiger Teil des Konzeptes.

Restaurant Weltrad Manufaktur in Schönebeck.
Im "Weltrad"-Restaurant hat man durch die großen Fensterscheiben einen herrlichen Blick auf die Elbe. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Manufaktur, also Handarbeit, das gilt nicht nur für die Fahrräder, sondern auch für die Küche. Zu diesem Konzept gehören auch Zutaten und Produkte aus der Region. Was vor Jahren noch nicht möglich gewesen wäre. Doch inzwischen gibt es eine nennenswerte Anzahl von regionalen Herstellern: ein Ziegenhof in Glinde, Fassbrause aus Gommern, eine Brauerei in der Stadt. "Wenn man Käse, Ei, Milch und Kuh vor der Tür hat, warum alles durch die Weltgeschichte fliegen" , sagt Geschäftsführer Rene Wölfer.

Regional ja, aber nicht provinziell: Dem "Weltrad" ist eine Weltläufigkeit in der Speisekarte nicht abzusprechen. Passend zu frühlingshaftem Aufbruch gibt es eine Löffelreise: Man bekommt die Kontinente in kleinen Keramiklöffeln auf einer Schieferplatte serviert.

Sachsen-Anhalt: Burg-Restaurant Wanzleben in der Börde

Mitten in der Magdeburger Börde gibt es ein besonderes Ziel: Die Burg Wanzleben. Auf der Niederungsburg gibt es ein Hotel mit Restaurant und großzügigen Tagungsräumen. Einfach zu erreichen, zum Beispiel mit dem Fahrrad auf dem Börderadweg.

Der dreiߟig Meter hohe Burgfried der Burg Wanzleben im Bördekreis.
Nach dem Essen kann man einen Verdauungsspaziergang über das Gelände der Burg Wanzleben machen. Bildrechte: dpa

An die Geschichte der Burg erinnert der Gastraum, der ehemalige Pferdestall mit gemauerten Rundbögen. Die Säulen sind allerdings aus Gusseisen: Es sind alte Kanonenrohre, einst gefertigt in Magdeburg. Doch für militärhistorisch Interessierte ist die Burg Wanzleben der falsche Ort. Die neuen Burgherren setzen auf kulinarische Themen mit  jahreszeitlichem Bezug: Brunch mit Livemusik, zu Ostern oder Muttertag, Jazzmusik oder Krimidinner. Allerdings sollte man sich vorher anmelden, denn die Veranstaltungen sind oft ausgebucht. Vor allem in den Sommermonaten und das hat einen konkreten Grund: die feine regionale Küche und die Sommerterrasse mit Blick auf den 30 Meter hohen Burgfried.

Laut Sarah Bach, der Chefin der Burg, ist Kalbsleber der Renner. Und weil einst auch Napoleon in der Burg lagerte ist das Kartoffelpüree zur Leber natürlich getrüffelt. Und zum Dessert gibt es dann eine Aprikosen-Sauerrahmquiche mit Grand Marnier Himbeersorbet.

Thüringen: "Klausenhof" nahe Burg Hanstein im Eichsfeld

Der "Klausenhof" in Bornhagen ist im Eichsfeld eine bekannte Adresse für Gastlichkeit und gute Küche, die man zudem in einer originellen Umgebung genießen kann. Die Familie von Klaus Röhrich hat das Fachwerkhaus aus dem Mittelalter Stück für Stück und mit viel Liebe zum Detail restauriert – Rittersaal, Fürstensaal, Brunnenstube und Mittelalterschänke inklusive.

Die Gaststätte "Klausenhof" in Bornhagen. Ein weiß braunes Fachwerkhaus mit schwarzem Dach.
Die Gaststätte Klausenhof in einem alten Fachwerkhaus. Bildrechte: MDR/Jörg Sobiella

Der saisonale Wechsel bestimmt die Speisekarte. Das heißt, dass sich jeden Monat auch die Karte ändert. Im Frühjahr wird Bärlauch, Spargel, Rhabarber und Kapuzinerkresse angeboten. Aber es sind auch feste Komponenten dabei. Dabei wird auf Regionalität gesetzt und – wie kann es im Wurst-Eldorado Eichsfeld auch anders sein – auf Fleischgerichte. So stammt der Frischlingsbraten aus den umliegenden Wäldern: Ein intensiver Braten, eine intensive Soße dazu kleine Klöße und ein Brombeer-Rotkohl. Trotzdem müssen Vegetarier den "Klausenhof" nicht meiden. Gemüse und Kräuter stammen teilweise aus dem eigenen Weingarten unterhalb der Burgruine Hanstein, der auch einen guten Federweißer liefert. 

Thüringen: "Genießerwerkstatt" in Roßdorf in der Rhön

In Roßdorf, zwischen Thüringer Wald und Rhön gelegen, hat der junge Koch und Gastwirt Ricardo Martin in einer alten Bäckerei seine "Genießerwerkstatt" eröffnet. Eine perfekte Ausflugsgaststätte nicht nur für Wanderer und Radfahrer.

Ein Mann steht vor der Gaststätte "Genießerwerkstatt" in Roßdorf.
Ricardo Martin vor der "Genießerwerkstatt" in Roßbach. Bildrechte: MDR/Jörg Sobiella

"Wir kochen schon mit 90 Prozent Sachen von hier, ob das Wild oder Gemüse ist", so Martin, der sich weniger als Koch und eher als Essensspieler versteht. So kombiniert er traditionelle Gerichte neu und experimentiert mit außergewöhnlichen Aromen. Zum Beispiel: Wolfsbarsch mit wilden Radieschen und Spargel. Dazu gibt es einen Blutwurstschaum. Er kocht nicht nach Rezept und holt sich seine Anregung aus der Natur. In einem seiner Kochkurse will er mit den Teilnehmenden Fichtenspitzen sammeln und mit Bisonfleisch anrichten. Auch eine Patisserie ist bereits in Planung.

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR auch im Radio : MDR KULTUR Spezial - Von der Lust einzukehren - Gasthäuser im Grünen | 01.05.2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Mai 2019, 11:02 Uhr

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