Happy Birthday, Barkas!

Neben Trabi und Wartburg prägte ein weiteres Auto "Made in GDR" einst das Straßenbild im Osten: Der Barkas 1000. Vor 60 Jahren, im März 1962, wurde er als Schnelltransporter auf der Leipziger Messe international vorgestellt. Produziert wurde der Wagen dann in Sachsen und noch heute sind rund 4.000 Barkas zugelassen.

Der letzte vom Band gelaufene Barkas 1000/1 mit Viertaktmotor steht im Museum «Zeitwerkstadt». Hier wird in einer Schau die Geschichte des Multitalents mit Zweitakter beleuchtet.
Der letzte vom Band gelaufene Barkas 1000/1 mit Viertaktmotor steht im Museum "Zeit-Werk-Stadt" in Frankenberg. Bildrechte: dpa

Ob als Kleinbus, mit Pritsche, als Krankenwagen oder Löschfahrzeug: Der Barkas 1000 war (und ist) ein Multitalent. In einem Prospekt von einst wird der Zweitakter mit Frontantrieb und anfangs 42 PS als "zuverlässig, schnell, wendig" gepriesen. Doch für viele DDR-Bürger bleibt der Barkas unerreichbar: Die Fahrzeuge werden vorrangig für Rettungsdienst, Polizei, Armee und Volkseigene Betriebe gebaut. Mit Glück können immerhin kinderreiche Familien ein ausrangiertes ergattern.

In den 1950er Jahren begannen Ingenieure in der DDR, ein neues Nutzfahrzeug zu entwickeln. Anforderungen waren etwa ein "formschöner Wagenkörper", größtmöglicher Laderaum und hohe Variabilität, wie im Museum "Zeitwerkstadt" in Frankenberg bei Chemnitz zu erfahren ist. Dort wird die Geschichte des Nutzfahrzeugbaus der Region anschaulich präsentiert und sind mehrere Barkas-Modelle ausgestellt - auch solche, die nie in Serie gegangen sind. Am 14. Juni 1961 begann die Serienproduktion des B 1000 im sächsischen Hainichen, im März 1962 wurde der Transporter auf der Leipziger Frühjahrsmesse der Weltöffentlichkeit vorgestellt.

Der Barkas war im internationalen Vergleich auf einem Top-Stand.

Siegfried Bülow, Geschäftsführer der Barkas-Werke zur Wendezeit dpa

Um den Anschluss nicht zu verlieren, tüftelten die Sachsen in den Folgejahren an etlichen Neuerungen. Ein großes Problem war der Zwei-Takt-Motor. Letztlich habe man eine ganz neue Konstruktion erstellt: den Barkas 1100. Prototypen wurden gefertigt, doch die Pläne mussten auf Weisung aus Berlin eingestampft werden. "Die Begründung war: Ein solches Fahrzeug werde volkswirtschaftlich nicht gebraucht", erinnert sich einer der Konstrukteure, Jürgen Rehm.

Letzter Barkas läuft im April 1991 vom Band

Weil notwendige Investitionen ausbleiben, kann der Barkas später mit Kleintransportern westlicher Hersteller nicht mehr mithalten. "Die Werkzeuge waren so verschlissen, dass Teile nicht mehr gepasst haben und nachbearbeitet werden mussten. Da wurde jedes Auto zum Unikat", resümiert Siegfried Bülow, zur Wendezeit der Geschäftsführer der Barkas-Werke. Mit der D-Mark brachen auch die Absatzmärkte in Osteuropa weg. Zwar versuchten die Barkas Werke mit einem neuen Modell mit Vier-Takt-Motor von Volkswagen den Anschluss zu schaffen. Doch der Barkas 1000/1 konnte das Aus nicht mehr abwenden: Am 10. April 1991 wurde die Produktion eingestellt.

In 30 Jahren waren 175.740 Barkas 1000 und 1.900 B 1000/1 gefertigt worden. Heute sind sie zwar weitgehend aus dem Straßenbild verschwunden, doch etliche Fans von DDR-Fahrzeugen pflegen diese Oldtimer weiterhin mit viel Hingabe. In der aktuellen Zulassungsstatistik des Kraftfahrtbundesamtes sind rund 3.800 Barkas verzeichnet, 1992 waren es nach Angaben der Behörde noch gut 17.700.

Ausflugtipp: Museum "Zeit-Werk-Stadt" ( Chemnitzer Str. 64, 09669 Frankenberg/Sa.) Wegen der Corona-Pandemie ist das Frankenberger Museum "ZeitWerkStadt" derzeit geschlossen. Es soll am 1. April wieder für Besucher öffnen.

Quelle: dpa