Hintergrund Kurz & knapp: Beizjagd

Sich den Jagdinstinkt der Greifvögel zunutze machen, darauf basiert die Beizjagd. Schon vor 3.500 Jahren verwendete man diese Methode um Hasen, Enten oder Fasane zu "beizen".

Dokusoap - Falknerei am Rennsteig
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Mit der Völkerwanderung und der Ausbreitung des Islam im vierten Jahrhundert nach Christus gelangt eine neue Jagdmethode aus dem Orient nach Europa: die sogenannte "Beizjagd",  abgeleitet vom mittelhochdeutschen bizen - "beißen lassen". Jäger machen sich dabei Greifvögel zunutze, die sie aufwendig großziehen, pflegen und für die Jagd abrichten. Diese Ausbildung der Greife wird als Falknerei bezeichnet.

Doch die Tradition dieser Jagd-Methode reicht viel weiter zurück: Vermutlich setzte man schon vor etwa 3.500 Jahren Greifvögel in der deckungslosen Steppe Zentralasiens zur Jagd ein.

Privileg der Adligen

Statue des Staufer Kaisers Friedrich II.
Verfasste ein Lehrwerk zur Beizjagd: Staufenkaiser Friedrich II. Bildrechte: IMAGO

Im Hochmittelalter entwickelt sich dann die Beizjagd zu einem prestigeträchtigen Privileg des Adels. Mitte des 13. Jahrhunderts verfasst sogar der Stauferkaiser Friedrich II. ein prachtvoll illustriertes wissenschaftliches Lehrwerk über Vogelkunde und die Kunst, mit Greifvögeln zu jagen. Auch Falkner, die ihre Vögel heutzutage für Schaulustige fliegen lassen, gehen mit ihren Bussarden, Habichten, Adlern oder Falken in der Regel noch auf die Jagd.

Dabei werden in Deutschland Wildarten, wie der Fuchs mit dem Steinadler gejagt, Habichte und Bussarde werden als Kurzstreckenjäger vorzugsweise auf Hase, Kaninchen und Fasan angesetzt. Flugwild wie Ente, Rabenkrähe und das Rebhuhn werden von Falken "gebeizt". Größere Beute gibt es in Zentralasien: Mongolische Nomaden jagen mit ihren Adlern sogar Wölfe.

Vielerlei Anwendung

Ein Adler mit einer Drohne
Tier gegen Technik: Ein Adler greift sich eine Drohne Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Falknerei widmet sich heute nicht ausschließlich der Abrichtung zur Jagd. Neben den öffentlichen Flugvorführungen findet heute die Greifvogelausbildung auch auf anderen Gebieten ihre Anwendung: so auf Flughäfen -bei der Vertreibung von Vogelschwärmen, zur Jagd auf Kaninchen in Parks oder Wohngebieten und – neuerdings- bei der Bekämpfung von Drohnen. Größere Greife, wie der Steinadler können diese unliebsamen Flugobjekte aus der Luft holen und wegtragen.

Immaterielles Kulturerbe

Gilt dies Beizjagd bei Tierschützern nach wie vor als umstritten, so wurde die Falknerei im März 2015 sogar in die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen und als solches anerkannt. Damit genießt sie in Deutschland einen privilegierten Schutzstatus.

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2019, 12:12 Uhr