Büchsenmacher Sandro Brislinger
Der Büchsenmacher Sandro Brislinger fertigt Gewehre für Biathleten. Alle Olympia-Teilnehmer schießen mit Waffen aus seiner Werkstatt. Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

Gewehre für Biathleten Oberhofer Büchsenmacher macht aus Holz Gold

Die Zielscheibe, die Biathleten treffen müssen, ist nur 4,5 Zentimeter groß und 50 Meter entfernt. Im koreanischen Pyeongchang wollen zwölf deutsche Biathleten Olympia-Gold erlangen. Alle werden eine Waffe aus dem thüringischen Oberhof benutzen. In der Kleinstadt auf dem Rennsteig hat der einzige Biathlon-Büchsenmacher Deutschlands seine Waffenschmiede. Sandro Brislinger hat die Präzision eines Uhrmachers und über 20 Jahre Olympioniken-Erfahrung. Ein Besuch in seiner Werkstatt.

von Ludwig Bundscherer, MDR AKTUELL-Landeskorrespondent für Thüringen

Büchsenmacher Sandro Brislinger
Der Büchsenmacher Sandro Brislinger fertigt Gewehre für Biathleten. Alle Olympia-Teilnehmer schießen mit Waffen aus seiner Werkstatt. Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

In der Fräse klemmt ein Klotz türkischer Walnussbaum – dieses Holz ist temperaturstabil, relativ leicht und teuer. Sandro Brislinger dirigiert das acht Kilogramm schwere Stück unter dem Fräskopf virtuos mit zwei Kurbeln, vom makellosen Walnussblock wirbeln millimeterweise Spähne davon.

Brislinger bohrt, pustet, prüft und bohrt weiter. Er erklärt, wie aus dem Holzklotz eine Waffe entsteht. "Wenn alles gut läuft, entsteht nach 80 bis 120 Stunden Handarbeit für den Sportler eine individuelle Waffe oder eine individuelle Schäftung, auf seine körperlichen Voraussetzungen abgestimmt", erzählt er.

So ziemlich jeder deutsche Olympia-Sieger hat Sandro Brislinger eine Karte hinter die Werkbank geklebt. "Danke Brisi!" heißt es von Kati Wilhelm, Andrea Henkel oder Frank Luck.

Besessen von seiner Arbeit

Seit 1995 schon ist Brislinger Büchsenmacher bei der Bundeswehr in der Sportfödergruppe Oberhof. Von seiner Arbeit ist er regelrecht besessen. Er erklärt: "Ich fange meistens 7 Uhr an und gehe auch nicht vor 18 Uhr aus der Werkstatt raus. Speziell im Sommer arbeite ich an sehr vielen Wochenenden, auch an den Sonntagen, weil die Sportler meistens in Lehrgängen sind und nur am Wochenende hier sein können."

Wenn dann in der Weltcup-Zeit im Winter ein Sportler stürzt und das Gewehr in Italien oder Skandinavien kaputt geht, bringt schon mal ein Expressdienst die Waffe über Nacht zur Reparatur nach Oberhof. Den Rest des Winters tüftelt Brislinger. Denn das Standard-Biathlongewehr wird es wohl nie geben – die Sportler haben ständig neue Ideen.

Viele Veränderungen für Olympia

Büchsenmacher Sandro Brislinger
Büchsenmacher Sandro Brislinger an einer Fräsmaschine. Bildrechte: MDR/Ludwig Bundscherer

Der Büchsenmacher erklärt, was ihm dann häufig durch den Kopf geht: "Dann denke ich immer: Mein Gott. Das wird nie was. Und dann setze ich es um. Ein halbes Jahr später ist der Benedikt Doll in Hochfilzen Weltmeister damit. Wo ich eigentlich gesagt habe: 'Die belächeln uns, wenn wir das bauen.'"

Aber wenn ein Sportler davon überzeugt sei und damit Erfolg habe, sei das ein ganz schneller Prozess und jeder wolle das dann haben.

Der Gewehrgriff für die linke Hand wurde ummodelliert, er füllt jetzt die Hand aus. Fast alle deutschen Biathleten haben das inzwischen am Gewehr. Auch andere feinste Optimierungen gab es noch bis kurz vor Olympia. "Man muss die aber so versuchen zu bauen, dass es nicht gleich jeder Norweger oder Russe oder Österreicher sieht", sagt Brislinger.

Der genaue Blick auch am Fernseher

Die aktuellen Gewehre der anderen Nationen hat sich der Oberhofer längst angesehen – bei Olympia in Südkorea kann er sich deshalb vor dem Fernseher auf seine Schützlinge konzentrieren. Der Wettkampf ist da erst einmal nicht das Wichtigste, denn, so der Büchsenmacher, "ich schau nicht, wie der typische Zuschauer, zeitlich auf irgendwas. Bei mir geht es darum: Kann der das am Schießstand umsetzen? Wie ist die Bewegung der Mündung?" Man sehe auch beim Fernsehen schon sehr viel, ob der Sportler heute einen guten oder einen schlechten Tag habe. Das ist für ihn das Entscheidende.

Wenn die Sportler zu sehr wackeln, dann kann auch Brislinger nichts machen – ob sich allerdings der Schuss einwandfrei löst und auch die geschossene Patronen-Charge jedes Sportlers eine gute ist, das hat Brislinger natürlich vorher stundenlang getestet.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Februar 2018 | 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2018, 07:00 Uhr