Keine Zelte, große Nachfrage Sachsen-Anhalts Campingplätze erwachen wieder zum Leben

Mit Beginn der Pfingstferien haben in Sachsen-Anhalt die Campingplätze wieder geöffnet. Sie bewegen sich zwischen großer Sehnsucht Erholungswilliger und strengen Regeln, die weiterhin gelten. Ein schwieriger Spagat.

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Urlaubs- und Alltagswelt auf dem Campingplatz am Süßen See Bildrechte: MDR/Fernsehkombinat

Campingplätze, Ferienwohnungen und Ferienhäuser in Sachsen-Anhalt sind seit Freitag wieder geöffnet, zumindest für Gäste aus Sachsen-Anhalt. Am bevorstehenden langen Wochenende rechnen einige Campingplätze im Süden des Landes mit einem Anstieg der Gästezahlen. Das berichtet etwa Marion Hagedorn, die Chefin des Campingplatzes am Stausee Kelbra.

"Die Nachfrage für das Himmelfahrtswochenende ist groß", sagt sie. Der Platz im südwestlichen Zipfel Sachsen-Anhalts hat einen großen Vorteil. Die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Thüringen liegt mitten auf der Anlage. Das heißt, dass nicht nur Urlauber aus Sachsen-Anhalt kommen dürfen, sondern auch aus Thüringen. 300 Stellplätze stehen am Fuße des Kyffhäusers zur Verfügung.

Landesregierung plant weitere Lockerungen

Andere Campingplätze dürfen dagegen bislang nur Besucher empfangen, die in Sachsen-Anhalt ihren Hauptwohnsitz haben. Ein Nachteil ist das etwa für den Campingplatz "Am Blütengrund" in Naumburg. Wegen der Nähe zu Sachsen und Thüringen kommen auch viele auswärtige Gäste. Noch voraussichtlich bis 28. Mai muss der Betreiber sie abweisen. Deshalb befürchtet er Auswirkungen auf das normalerweise sehr ertragreiche Himmelfahrt- und Pfingstgeschäft.

Hotels und Pensionen, die ab Freitag wieder für Touristen öffnen dürfen, müssen ebenfalls noch einige Tage auf Gäste aus anderen Bundesländern verzichten. Mit der Beschränkung auf Gäste aus Sachsen-Anhalt soll verhindert werden, dass Gäste aus anderen, stärker betroffenen Regionen das Coronavirus einschleppen.

Zelten noch nicht erlaubt

Voraussetzung für den Campingplatzbesuch ist, dass die Touristen sich selbst versorgen können. Die Wohnwagen und Wohnmobile müssen über eine eigene Küche und eigene WC- und Waschgelegenheiten verfügen. Klassisches Zelten ist zunächst nicht möglich. Damit will die Landesregierung sicherstellen, dass sich die Urlauber autark versorgen können.

Die Nachfrage nach Stellplätzen auf den Camping-Anlagen sei groß, sagte der Präsident des Verbands der Camping- und Freizeitwirtschaft, Peter Ahrens. "Die Telefone glühen." Allerdings herrsche unter den Buchungswilligen auch eine große Verunsicherung, was erlaubt sei und wer anreisen dürfe.

Campingverband erwartet große Nachfrage

Auf dem Campingplatz in Elbingerode (Landkreis Harz) reisten am Eröffnungstag nur wenige Camper an. Viele Dauercamper aus anderen Bundesländern, die noch nicht auf den Campingplatz am Brocken dürfen, würden auf Alternativen in anderen Bundesländern mit lascheren Regeln ausweichen, sagte Campingplatzbetreiber Dennis Spormann. Deshalb rechnet er mit enormen Verlusten.

Dabei sind die Pfingstferien eigentlich Hochsaison für die Betreiber. Branchenvertreter rieten unter anderem deshalb, sich frühzeitig einen Platz zu reservieren. "Normalerweise haben wir nur an Pfingsten 100 Prozent Auslastung, doch das wird dieses Jahr beim ein oder anderen Kollegen öfter der Fall sein", sagte der Präsident des Verbands der Camping- und Freizeitwirtschaft, Peter Ahrens. Wer unterkommen will, sollte schnell anfragen und buchen. Hintergrund für die möglicherweise erhöhte Nachfrage ist die Corona-Pandemie. Da angesichts des weltweiten Infektionsgeschehens unklar sei, ob Auslandsurlaube wirklich stattfinden können, rechnet die Campingbranche im Land mit deutlich mehr Inlands-Urlaubern.

Wie die derzeitige Nachfrage auf den Campingplätzen in Sachsen-Anhalt insgesamt aussieht, dazu konnte Ahrens noch nichts sagen. Seine Kollegen seien noch mit den Vorbereitungen beschäftigt und damit, die Regeln für die Wiederöffnung zu verstehen.

"Alles was Umsatz bringt, hilft"

Die jetzige Öffnungserlaubnis für Campingplätze helfe trotz der Auflagen, sagte Ahrens. "Es hilft alles, was dazu beiträgt, Umsatz zu machen und Geld zu verdienen." Die Vermietung von Stellplätzen für Wohnwagen und Wohnmobile sei für die meisten Anbieter das wichtigere Geschäft als Plätze für Zelte. Zudem gebe es auf vielen Anlagen inzwischen Wohnwagen und Ferienbungalows zur Miete. Obwohl die Branche mit mehr Nachfrage rechnet, ist das verlorene Geschäft der Corona-Schließzeit nach Einschätzung des Verbands nicht reinzuholen.

Campingplatz Kelbra
Ausnahme von der Regel: Am Campingplatz in Kelbra sind auch Besucher aus Thüringen willkommen. Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

"Einen Großteil unserer Einnahmen machen wir an Ostern, an Pfingsten und in den Sommerferien", sagte Ahrens. "Ostern ist weg, dabei hätte es wegen des schönen Wetters richtig die Kasse brummen lassen." Hinzu komme, dass längst nicht sicher sei, ob sachsen-anhaltische Gäste an Pfingsten die Touristen von außerhalb kompensierten. "Aber das Jahr wird für uns nicht so schlimm, wie wir noch vor zwei Wochen gedacht haben", sagte Ahrens.

 Werbeaktion des Landes

Sachsen-Anhalt begleitet den Neustart im Tourismus mit einer neuen Werbeaktion. Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sagte am Dienstag, mit dem Slogan "Echt schön. Sachsen-Anhalt." wolle man möglichst bald wieder viele Gäste für das Land begeistern und so die Betriebe auf ihrem Weg in eine neue Normalität bestmöglich begleiten. Das Reiseland Sachsen-Anhalt könne selbstbewusst mit seiner landschaftlichen und kulturellen Vielfalt sowie mit aufregenden Naturerlebnis-Möglichkeiten punkten.

Quelle: dpa, MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 19. Mai 2020 | 12:30 Uhr