Ideensuche Sächsisches Handwerk: Was tun ohne Weihnachtsmarkt?

Aufgrund der Corona-Pandemie fallen in diesem Jahr viele Weihnachtsmärkte aus. Traurig ist das für die Besucher, für die jedes Jahr Glühwein, gebrannte Mandeln und der Geschenkekauf an den geschmückten Buden zur Weihnachtszeit dazu gehören. Allerdings sind die Absagen beispielsweise für Kunsthandwerker, Spielwarenhersteller und Bäcker schon fast existenzbedrohend. Denn ihnen bricht ein wichtiger Vertriebsweg weg. Doch aus der Not entstehen auch neue Ideen.

Traditionelle geschnitzte Holzfiguren aus der Werkstatt von Holzspielzeugmachermeister Wolfgang Braun
Bildrechte: IMAGO

"Im letzten Quartal wird bei den Kunsthandwerkern rund 70 Prozent des Umsatzes eingefahren. Ab Oktober geht es ungefähr los, dass sich die Menschen mit Weihnachtsdekoration eindecken", erklärt Frederic Günther. Er ist der Vorsitzende des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller. Dass ein Großteil der Weihnachtsmärkte bereits jetzt abgesagt ist, treffe die Kunsthandwerksbranche – gerade im Erzgebirge – hart. Doch auch der ausbleibende Tourismus sei ein großer Faktor: "Wenn ich aus dem Ausland komme, dann nehme ich mir als Tourist ein Souvenir mit. Das ist auch im Erzgebirge so. Aber das ist jetzt komplett weggebrochen. Somit sind nicht nur die Weihnachtsmärkte das Problem."

Buden vor der Werkstatt

Damit die Buden, die für Weihnachtsmärkte vorgesehen waren, in diesem Jahr nicht nur sinnlos herumstehen, haben einige Betriebe die Holzhütten trotzdem aufgebaut, erzählt Günther: "In Seiffen zum Beispiel haben einige ihre Buden vor die Werkstatt gestellt und bieten einen Außer-Haus-Verkauf an." Weihnachtsmärkte seien zwar verboten, so könnten sich aber zumindest Menschen aus der Region mit Holzkunst eindecken.

Virtueller Weihnachtsmarkt

Wer nicht in der Nähe der Handwerkshochburgen lebt, kann sich natürlich online versorgen. Ein großer Teil des Geschäfts findet inzwischen auch im Internet statt. Beim "ersten virtuellen Weihnachtsmarkt" haben sich nach Angaben der Organisatoren der RE HANDELS GmbH mittlerweile 38 Händler und Erzeuger angemeldet. Sie nutzten die Plattform, um einen Teil ihrer Einbußen auszugleichen. Geschäftsführer Leopold Eißner erklärt: "Wir haben mehr Nachfragen als unsere Logistik erlaubt." Pünktlich zur Vorweihnachtszeit hat auch die Drechslergenossenschaft (Dregeno) einen virtuellen Weihnachtsmarkt aufgebaut. "Es gab schon im Sommer die Idee, so einen Markt umzusetzen. Die Webseite ist eine Art Maske von der aus man zu den Shops weitergeleitet wird." Von Holzkunst über Herrnhuter Sterne bis zu Filzpantoffeln finden Besucher hier, was es auch auf dem Weihnachtsmarkt um die Ecke gegeben hätte. Eißner verrät, auch der Erzgebirgische Tourismusverband und die Initiative "So geht Sächsisch" planen virtuelle Unterstützung für das Kunsthandwerk in Sachsen.

In den sozialen Netzwerken bauen sich nach und nach ebenfalls Kooperationen auf: So ist beispielsweise die Seite HandSchmiede von Lydia aus Wilkau-Haßlau entstanden. Mit der Seite bietet sie auf Instagram die Möglichkeit für Kreative, ihre Seiten und Produkte vorzustellen und so auch ohne Kreativmarkt gesehen zu werden.

Kurzzeitläden als neuer Vertriebsweg

Doch auch abseits des Internets tun sich neue Ideen auf. So hat beispielsweise in Chemnitz kürzlich ein sogenannter Pop-Up-Store geöffnet. Das Besondere: Eigentlich ist der Geschäftsraum ein Café. Doch da das im Moment in der Zwangspause ist, stellt die Wirtin ihren Gastraum nun als Kurzzeitladen zur Verfügung. Laut Leopold Eißner sind solche Pop-Up-Stores auch noch für Dresden und das Erzgebirge geplant: "Aber das wird alles spontan passieren. Wir wissen ja noch nicht, ob im Dezember überhaupt alle Geschäfte geöffnet haben dürfen. Es gibt Ideen, aber die Leute sind noch sehr vorsichtig."

Hochbetrieb auch für Bäcker

Obwohl auch für einige Bäckereien mit abgesagten Weihnachtsmärkten gerade eine schwierige Zeit angebrochen ist, sind Pop-Up-Stores hier eher keine Option, meint die Geschäftsführerin des Landesinnungsverbands des Bäckerhandwerks Sachsen, Manuela Lohse. "Rund acht Wochen vor Weihnachten geht es hier richtig los mit dem Weihnachtsgeschäft: Gerade in Sachsen gibt es sehr traditionell orientierte Kunden. Da gehören in die Vorweihnachtszeit Stollen, Plätzchen und Pfefferkuchen. Dann wird besonders viel Umsatz gemacht."

Stollen-Store im Internet

Lohse zufolge ist die Situation für viele Bäcker-Betriebe aber nicht so düster: "Sehr viele von ihnen haben in den vergangenen Jahren in den Onlinevertrieb investiert. Also hat jetzt die Mehrheit auch einen Online-Stollenshop. Es ist nun mal ein allgemeiner gesellschaftlicher Trend, viel auch online zu bestellen. Das hat auch vor dem Bäckerhandwerk nicht halt gemacht." Somit mache sich die Investition im Moment doppelt bezahlt. Doch die Geschäftsführerin weiß zu berichten, dass es auch für die älteren Menschen ohne Internetzugang süßes Gebäck per Bestellung gibt: "Im Bereich Erzgebirge und Vogtland haben schon einige Betriebe eine Hotline, man kann also auch zum Hörer greifen. Wer Weihnachtsbackwaren haben möchte, der wird sie auch bekommen – das ist sicher!"

Quelle: MDR/kp

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 10.11.2020 | 19:00 Uhr

Mehr aus Sachsen