"Nu gugge ma da!" als Sprechblase auf Tafel geschrieben
Bildrechte: Colourbox.de/MDR JUMP

Dialekte Stirbt Sächsisch aus?

Immer weniger Menschen sprechen regionale Dialekte. Seit langem bemängeln Sprachwissenschaftler das Aussterben der Dialekte. Auch in Sachsen gehen die aktiv gesprochenen Mundarten zurück.

"Nu gugge ma da!" als Sprechblase auf Tafel geschrieben
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In Sachsen sind die Dialekte auf dem Rückzug. "Die Mundarten sind zurückgegangen, aber noch nicht verschwunden", sagte die Sprachwissenschaftlerin Evelyn Koch von der TU Dresden. Früher habe jedes Dorf seine Mundart gehabt, heute würden sich die Sprechweisen über größere Regionen hinweg angleichen. Den derzeitigen Niedergang der Dialekte ermittelte das Institut für Demoskopie Allensbach in einer Umfrage. 1991 sprachen noch 41 Prozent der Menschen in Mitteldeutschland fast immer Dialekt, 2008 waren es schon nur noch 33 Prozent. In den anderen Bundesländern fiel der Wert von 28 auf 24 Prozent.

Sprache im Wandel

Klaus Petermann, Vorsitzender der Lene-Voigt-Gesellschaft Leipzig, erklärt dass das allerdings nichts mit Beliebtheit zu tun habe:

Wir Sachsen sprechen sächsisch, aber es vermischen sich Dialekte und Sprachen immer mehr, da die Menschen mobiler werden. Sprache ist ein dynamischer Prozess und verändert sich immer.

Dass Sprache sich verändert ist völlig normal. Heutzutage spricht auch niemand mehr wie zu Luthers Zeiten und auch von heute aus gesehen wird die Sprache in den nächsten Jahrzehnten und Jahrhunderten anders klingen. Zu diesem Prozess gehört auch, dass regionale Dialekte irgendwann nicht mehr gesprochen werden, so Petermann:

Man kann nur zurzeit das Sächsisch ein bisschen erhalten und pflegen und als Kulturgut in Sachsen wahren.

Sprachwissenschaftlichen Studien zufolge hat sich im Großraum Dresden-Leipzig-Chemnitz eine Art Einheitssprache entwickelt. "Das ist das, was wir heute unter sächsisch verstehen. Dabei haben sich verschiedene Dialekt-Merkmale vereint", sagte Koch. Der Trend habe mit der Entwicklung von Fernsehen, Rundfunk und der zunehmenden Mobilität begonnen. Das betrifft allerdings nicht nur das Sächsisch, sondern regionale Dialekte insgesamt. Darüber hinaus gebe es laut der Wissenschaftlerin eine Stigmatisierung der sächsischen Dialekte.

Man sollte Dialekt auch nicht damit verwechseln, dass man schlecht spricht, sondern im Dialekt gibt es auch Redewendungen, die einmalig sind.

Während der Dialekt langsam verschwindet, hält sich der sogenannte Regiolekt. Damit ist eine regional gefärbte Umgangssprache gemeint, die jedoch der  Grammatik des Hochdeutschen folgt und auch jene verstehen, die aus einer anderen Region kommen.

Dieses Thema im Programm MDR JUMP am Nachmittag | 08.05.17 | 18.15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2017, 16:18 Uhr