Der Osten – Entdecke wo du lebst | 30.07.2019 Diamant – Räder, Legenden und Siege

Die Gebrüder Nevoigt kennen sich aus mit Strickmaschinen, Ende des 19. Jahrhunderts steigen sie um aufs Rad. "Diamant" sollen die Drahtesel heißen – so wie der Stahl, den sie für ihre Schreibfeder-Produktion verwenden. 1895 verlässt das erste Rad ihr Chemnitzer Werk. Heute gilt "Diamant" als ältester noch in Deutschland produzierender Radhersteller. Überlebt hat die rund 125 Jahre alte Marke gegen Widerstände. Geliebt wurde sie von Profis wie Hobby-Radlern. Wie wurde sie Kult?

Das Logo des Fahrradherstellers Diamant ist auf einem historischen Emailleschild am Standort in Hartmansdorf zu sehen.
"Diamant" auf Emaille Bildrechte: dpa

Der Sieg ist eine Sensation, genau wie das Rad, auf dem sich der 24-Jährige schindet: Auf den letzten Metern gewinnt Gustav-Adolf Schur, von allen nur "Täve" genannt, im Mai 1955 als erster Deutscher die 8. Internationale Friedensfahrt – auf einem Rennrad der Marke "Diamant". Über 100.000 Zuschauer sehen ihm im Warschauer Stadion dabei zu.

Mit "Diamant" zum Sieg

Radsportlegende "Täve" Schur
Radsportlegende "Täve" Schur Bildrechte: dpa

Heute kaum vorstellbar, was Mensch und Material bei den Fahrradrennen damals aushalten müssen. Auf den Pflasterstraßen der Nachkriegszeit kommt es oft zu Unfällen, auch weil die Vordergabeln der Räder brechen. Nicht so bei "Diamant". Die Rennräder aus Karl-Marx-Stadt sind Anfang der 1950er-Jahre technisch voll auf der Höhe der Zeit. Inzwischen geht die gesamte DDR-Nationalmannschaft damit an den Start. Und nach jedem Rennen kommt ein Ingenieur vom Werk, der fragt, was zu verbessern sei. So erzählt es Täve Schur: "Die haben sich so eine Mühe gegeben." Genau wird ermittelt, wie sich die die Schwingungen vom Boden über den Schaft bis zum Gabelende fortpflanzen, hinein bis in das Gabelrohr: "Das war konisch gezogen. Super!", sagt Schur. Tatsächlich hält die Renngabel von "Diamant" – auch im Vergleich zu Modellen aus Frankreich oder Italien – auf dem Rüttelbock am längsten. "Auf einem Rad zu sitzen, auf das man sich zu 100 Prozent verlassen konnte", das vermittelt "ein großes Gefühl von Sicherheit", erinnert sich Schur.

Schon lange in "Sportlerrente" geht der 88-Jährige bei schönem Wetter immer noch auf Tour, oft begleitet von seinem Freund Wolfgang Lichtenberg. Als Täve schon längst ein Star ist, gewinnt Lichtenberg 1957 als 16-Jähriger sein erstes Radrennen, die "Kleine Friedensfahrt" in Heyrotsberge. Staatlich organisiert eifern damals Kinder in der ganzen Republik ihren Radsport-Idolen nach. Lichtenberg wird die besondere Ehre zu Teil, von Täve Schurs Vater den Siegerkranz überreicht zu bekommen. Den besitzt er heute noch, lacht er.

Fahrrad- und Familiengeschichten Echt "Diamant"

Auch die Gebrüder Nevoigt wollen vom Fahrrad-Boom profitieren. 1895 verlässt das erste Modell ihr Werk in Chemnitz. Rund 125 Jahre später gibt es die Marke "Diamant" immer noch.

Diamant - Räder, Legenden und Siege
Ende des 19. Jahrhunderts tritt das Fahrrad den Siegeszug in Deutschland an. Auch die Gebrüder Nevoigts wollen profitieren und machen sich an die Entwicklung eines eigenen Modells. Von den Wanderer-Werken werben sie einen Ingenieur ab. 1895 verlässt das erste Fahrrad unter dem Namen "Diamant" das Werk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
Um die Marke noch populärer zu machen, steigt "Diamant" früh in den Radsport ein. Eine Tradition, die zu DDR-Zeiten wiederaufgenommen wird. Täve Schur fährt mehrmals Gold auf einem "Diamant"-Rad ein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
Bereits in den 1920er-Jahren wird die moderne Frau als neue Zielgruppe entdeckt; leichte, sportlich geschwungene und farbenfroh lackierte Räder gibt es auch zu DDR-Zeiten für die weiblichen Kunden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
Nach der Wende 1989 will im Osten niemand mehr Diamanträder kaufen. Von ehemals 1.500 Mitarbeitern bleiben nur 250. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
Karschs ältestes Rad ist Baujahr 1906. Aber besonders stolz ist der Chemnitzer auf ein grün emailliertes Damenrad, Baujahr 1927. Mit leichtem Rahmen und luxuriöser Ausstattung erobert "Die Schöne aus Sachsen" von "Diamant" in den 1920er-Jahren die Radfahrerherzen der Frauen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant Fahrradwerk in Hartmannsdorf
Heute fertigen 500 Leute im Zwei-Schicht-System bei "Diamant", das Werk steht nun in Hartmannsdorf, rund 30 Kilometer von Chemnitz entfernt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
Ende des 19. Jahrhunderts tritt das Fahrrad den Siegeszug in Deutschland an. Auch die Gebrüder Nevoigts wollen profitieren und machen sich an die Entwicklung eines eigenen Modells. Von den Wanderer-Werken werben sie einen Ingenieur ab. 1895 verlässt das erste Fahrrad unter dem Namen "Diamant" das Werk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Radsportlegende "Täve" Schur
Zwei Mal – 1955 und 1959 – gewinnt Täve Schur die Internationale Friedensfahrt und macht die Marke "Diamant" international bekannt. Bildrechte: dpa
Täve Gustav Schur - noch immer on Tour auf dem Rennrad
Bis heute bricht der 88-Jährige zur Tour auf, an den Wochenenden, immer begleitet von Wolfgang Lichtenberg (r.). Der fuhr einst genau wie sein Idol Täve Rennen auf "Diamant". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
Bis ins sozialistische Ausland schaffen es Abenteuerlustige auf dem "Diamant" – so wie Heinz-Gerd und Ursula Klein. 250 Farbdias sind als Erinnerung an diesen Sommer 1975 geblieben. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mit Diamant durch Freundesland - Gerd und Ursula Klein mit Diamant Rädern in Ungarn
Von Bratislava geht die über 1.300 Kilometer lange Radtour durch die Slowakei nach Ungarn. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
Nach schlaflosen Nächten fasst der letzte Betriebsdirektor der Diamantwerke, Dr. Hartwig Müller, einen Plan um die Fahrradproduktion zu retten: In schicken Volvos, mit "Diamant" Rädern auf dem Dachgepäckträger, schwärmen seine Händler in den Westen aus. Mit Erfolg: Wenige Monate später verkauft "Diamant" mehr Sporträder in den alten als in den neuen Bundesländern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Dr. Hartwig Müller mit dem ersten Diamant E-Bike Cityblitz im Fahrzeugmuseum Chemnitz
Ein Lichtblick für die gebeutelten Fahrradbauer scheint auch der "Cityblitz" zu sein, das erste E-Bike, das "Diamant" 1992 auf der Internationalen Fahrradmesse in Köln vorstellt. Die Entwicklung wird nach Akku-Problemen abgebrochen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
"Die Alten" sind Gold wert, wenn man sie wieder aufzuarbeiten weiß. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant Rad Sammler Ludwig Karsch mit einem Diamantrad Baujahr 1919
Ludwig Karsch sammelt seit 30 Jahren "Diamant"-Fahrräder – und die Familiengeschichten, die oft daran hängen. Hier arbeitet er an einem Modell aus dem Jahr 1919. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
Rund elf Millionen "Diamant"-Räder wurden in 130 Jahrem gefertigt. Entsprechend groß ist die Sammler-Szene, die sich immer am Wochenende nach Pfingsten trifft, diesmal in Paußnitz an der Elbe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Diamant - Räder, Legenden und Siege
Zur Ersatzteiljagd ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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"Mit 'Diamant' durch Freundesland"

Mit der Wirtschaft der DDR geht es Mitte der 1970er-Jahre bergauf. Bald tritt die ganze Republik in die Pedale, um auf Arbeit zu kommen oder auch, um in den Urlaub zu fahren. Bis ins sozialistische Ausland schaffen es Abenteuerlustige auf dem "Diamant" – so wie Heinz-Gerd und Ursula Klein. Die Kinder schicken sie ins Ferienlager. Dann geht es los. Mit einem befreundeten Paar brechen sie im Sommer 1975 von Bratislava aus nach Ungarn auf. Eine Strecke von rund 1.300 Kilometern liegt vor ihnen. Heinz-Gerd Klein schwärmt noch heute, sein "Diamant" aus dem Baujahr 1957/58 sei das Beste gewesen, "was es für einen Normalsterblichen gab": Fünfgang-Schaltung, Schalthebel am Rahmen, wunderbarer Kettenschutz, besonderer Gepäckträger. Auf den kommt eigentlich nur der Schlafsack und eine Folie als Unterlage. Eine Gitarre und reichlich Ersatzteile haben sie mit. Die Abenteurer machen schon mal Quartier unter freiem Himmel oder in Jugendherbergen, nicht selten erfahren sie große Gastfreundschaft und das Wohnzimmer wird für sie freigemacht. Als bei einem der Räder der Freilauf wegen einer gebrochenen Feder blockiert, bastelt der "Chefmechaniker" aus einer Stahl-Saite seiner Gitarre eine neue. Auf über 250 Farbdias können die beiden Thüringer die Reise Revue passieren lassen, Ursula Klein schreibt später sogar ein Buch darüber: "Mit 'Diamant' durch Freundesland".

Mit Diamant durch Freundesland - Gerd und Ursula Klein mit Diamant Rädern in Ungarn 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen haben neugierig auf unsere 'Diamant'-Räder" geschaut. Die waren ja bekannt, durch die 'Friedensfahrt'. Das waren die Räder, die unsere Spitzensportler zu Weltansehen gebracht haben.

Heinz-Gerd Klein

Mit dem "Cityblitz" 1992 ins E-Bike-Geschäft

Dr. Hartwig Müller mit dem ersten Diamant E-Bike Cityblitz im Fahrzeugmuseum Chemnitz
Chefkonstrukteur Hartwig Müller vor seinem "Cityblitz" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch für Hartwig Müller hängen viele Erinnerungen an "Diamant". Viele Jahre seines Berufslebens verbringt er als Chefkonstrukteur in dem Werk im Stadtteil Reichenbrand. Neben Fahrrädern laufen dort auch Maschinen für die Textilindustrie vom Band. Er weiß noch, wie die Fahrräder Ende der 1960er-Jahre fast aus dem Programm genommen worden wären. Denn während sich die im Werk gefertigten Strickmaschinen als gute Devisenbringer erweisen, lassen sich im Westen mit den Fahrrädern kaum Geschäfte machen. So soll MIFA in Sangerhausen die Diamant-Fahrradproduktion mit übernehmen, um in Karl-Marx-Stadt die Kapazität für die Strickmaschinen erweitern zu können. Doch weder Qualität noch die geplanten Mengen sind bei MIFA zu halten. Darüber berichtet selbst das Staatsfernsehen in seinem innenpolitischen Magazin "Prisma". "Diamant" kehrt an den angestammten Ort zurück. Ab Mitte der 1980er-Jahre gerät die Produktion durch die wirtschaftliche Stagnation im Land ins Stocken. Fast zum Erliegen kommt sie nach der Wende, denn nun sind die einst so begehrten Fahrräder Ladenhüter. Von den einst 1.500 Arbeitern behalten am Ende nur 250 ihren Job. In dieser Zeit wird Chefkonstrukteur Müller Betriebsleiter.

Da war diese Katze im Genick, den Mitarbeitern am Monatsende den Lohn zahlen zu können. Das war nicht der Regelfall, damals in der Wendezeit.

Hartwig Müller, Chefkonstrukteur und Betriebsleiter zur Wendezeit
Diamant - Räder, Legenden und Siege
"Diamant" per Volvo zur Werbetour in den Westen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Er schickt Händler auf Werbetour in den Westen, wo sich "Diamant" bald besser als im Osten verkauft – und er schafft es, eine Innovation auf den Markt zu bringen. Mit einem der ersten E-Bikes sorgt er 1992 auf der Internationalen Fahrradmesse in Köln für Aufsehen. Konkurrent Hercules zeigt sich überrascht. Noch vor der Messeeröffnung kommt der Geschäftsführer zu Müller an den Stand: "Da habe ich den mal aufklären müssen, das 'Diamant' nicht nur Räder und Strickmaschinen baut, sondern auch eine Elektronikentwicklung hatte." So scheint "Diamant" mit seinem "Cityblitz" zum Vorreiter zu werden. Immerhin rund 12 Kilometer beträgt die Reichweite mit Hilfe der abnehmbaren Powerbox, die einfach abnehmbar und über Nacht in der Wohnung aufzuladen ist. Karstadts Chefeinkäufer zeigt Interesse. Mit einem Preis über 2.000 DM ist der "Cityblitz" allerdings kein Schnäppchen. Doch dann kommt es zu Problemen mit dem Akkupack. Zwei Räder brennen ab. Der damalige Schweizer Eigentümer Villiger streicht 1994 das E-Bike-Projekt.

Tradition verpflichtet

Diamant Fahrradwerk in Hartmannsdorf
Blick ins heutige Werk in Hartmannsdorf Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

25 Jahre später verkaufen sich die Elektrofahrräder von "Diamant" so gut, dass das heutige Werk in Hartmannsdorf, 5 Kilometer von Chemnitz entfernt, erweitert werden muss. 2003 hat der US-Hersteller "Trek" das Traditionsunternehmen gekauft und modernisiert. Heute fertigen dort 500 Arbeiter im Zwei-Schicht-System rund 1.000 Räder der Marken "Diamant" und "Trek" pro Tag. Fast die Hälfte davon sind E-Bikes. 70 bis 80 Prozent der einzelnen Prozess-Schritte seien immer noch Handarbeit, schätzt Produktmanager Konrad Hilliges, auch wenn moderne Werkzeuge und Hilfsmittel unterstützen. Regelmäßig reist der 30-Jährige Ingenieur aus der Firmenzentrale in Holland an. Er stammt aus Gera, in Thüringen und an der TU Chemnitz hat er einst Sports Engineering studiert. Seit 2010 kümmert er sich, dass alles rund läuft auch mit der neuen Produkt-Palette bei "Diamant".

Lehrling 1.Lehrjahr im Diamant Fahrradwerk Hartmannsdorf
"Selbst ausgebildete Lehrlinge sind das A und O!" Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Etage über den Fließbändern befindet sich die Lehrwerkstatt, wo Zweirad-Mechatroniker ausgebildet werden. Nach drei Jahren Ausbildung müssen sie heute wie gestern in der Lage sein, ein Fahrrad allein zusammenzubauen, das – alle Schrauben und Speichen eingerechnet – wohl aus rund 600 Einzelteilen besteht. Selbst ausgebildete Lehrlinge seien das A und O, erklärt Alexander Feller. Um Übernahme müssten sie sich nicht sorgen. Das erste Lehrjahr hat Moritz bald geschafft. "Diamant"-Räder fahren nicht nur seine Großeltern und Eltern, auch er selbst hat sich wieder eins aufgebaut. Tradition verpflichtet.

Diamant - Räder, Legenden und Siege
Community-Treffen in Paußnitz an der Elbe Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rund elf Millionen "Diamant"-Räder wurden in den vergangenen rund 124 Jahren produziert. Entsprechend groß ist die Sammlerszene, die sich immer am ersten Wochenende nach Pfingsten in Paußnitz an der Elbe zu Austausch und Ersatzteiljagd trifft. Es gibt wohl kaum ein Modell, das der Chemnitzer Ludwig Karsch nicht in seiner Sammlung hat. Besonders stolz ist er auf die Exemplare, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurden, auf Wunsch mit besonders leichten Holzfelgen, weiß er. Seit 30 Jahren streift Karsch auf der Suche nach ganz besonderen "Diamanten" durchs Land. Immer wieder hört er besondere Familiengeschichten, die sich mit den Rädern verbinden. Inzwischen seien die ihm wichtiger, als die Räder selbst, sagt er.

1895 hat das erste "Diamant"-Rad das Werk verlassen, staunt Ludwig Karsch mit Blick auf die lange Tradition. Als Kind der DDR sei er "natürlich mit 'Diamant'- Rädern groß geworden". Jeder wollte damals eins haben, sagt er. Dass es diesen Fahrrad-Hersteller aus der Region immer noch gibt, das sei "einmalig in Deutschland".         

Diamant-Logo an einem Fahrrad
Unverkennbar Bildrechte: imago/PEMAX

Gründerjahre, Erfolge und Rückschläge Ende des 19. Jahrhunderts boomt die Industrie in Chemnitz: Die Fabriken liefern Dampfloks,Textil- oder Rechenmaschinen in die ganze Welt.
Binnen eines Jahrhunderts steigt die Einwohnerzahl von 10.000 auf 100.000.

Der Boom lockt 1884 auch Friedrich Nevoigt nach Chemnitz. In einer kleinen Werkstatt fertigt der damals 25 jährige Teile für Textilmaschinen. Weil die Platinen reißenden Absatz finden, baut er drei Jahre später, zusammen mit seinem Bruder Wilhelm, eine Fabrik.

Ende des 19. Jahrhunderts tritt das Fahrrad den Siegeszug in Deutschland an. Auch die Gebrüder Nevoigt wollen davon profitieren und machen sich an die Entwicklung eines eigenen Modells. Von den Wanderer-Werken werben sie einen Ingenieur ab.

1895 verlässt das erste Fahrrad unter dem Namen "Diamant" das Werk. Drei Jahre hat die Entwicklung gedauert. In Chemnitz liefern sich zahlreiche Fahrradproduzenten einen Konkurrenzkampf: Von insgesamt 20.000 produzierten Drahteseln tragen rund 3.500 den Schriftzug "Diamant". Vermutlich rührt der Name vom so genannten Diamant-Stahl her, den die Nevoigts für ihre Schreibfeder-Produktion verwendet hatten.

Die Firma übersteht den Ersten Weltkrieg und die sich anschließende Inflation.
Schon 1921 verlassen vier Mal mehr Fahrräder das Werke als vor dem Ersten Weltkrieg.

Die Werber entdecken die moderne Frau als neue Zielgruppe; leichte, sportlich geschwungene und farbenfroh lackierte Räder sollen sie ansprechen.

Um die Marke noch populärer zu machen, steigt "Diamant" in den Radsport ein und gründet einen eigenen Rennstall. Allein 1921 werden 20 der 29 großen Rennen in Deutschland auf "Diamant" gewonnen, Adolf Huschke wird Deutscher Meister. Bis in die 1930er-Jahre fährt "Diamant" bei allen großen Rennen vorne mit.

Auch nach 1945 macht "Diamant" im Rennsport auf sich aufmerksam. Leichtmetalle werden für einzelne Komponenten eingesetzt. Außerdem entwickelte "Diamant" das erste Leichtmetallfahrrad für den Bahnradsport. Auch eins der ersten E-Bikes kommt 1992 aus der Firma, die in der Wendezeit zu kämpfen hat.

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Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Mi 10.10.2018 14:44Uhr 00:58 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/video-das-selbstfahrende-fahrrad100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten – Entdecke wo du lebst | 30. Juli 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2019, 12:07 Uhr