Blick hinter die Kulissen Die Waldkliniken in Eisenberg

Echte Fälle, echte Gefühle, echte Menschen

Von außen sieht man es nicht gleich, dass das Thüringer Klinikum ein bundesweit angesehenes Orthopädie-Zentrum ist. Um 50.000 Patienten im Jahr kümmern sich Ärzte und Pflegepersonal. Ein Kosmos für sich ...

Ja, es gibt ihn wirklich, den Dr. Brinkmann, nicht nur als Fernseharzt in einer verblichenen TV-Serie.

Dr. Olaf Brinkmann
Einer aus dem 80-köpfigen Ärzteteam: Dr. Olaf Brinkmann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Olaf Brinkmann ist Unfallchirurg und einer von 80 Ärzten, die sich im Eisenberger Waldklinikum um geplagte Patienten kümmern. So wie Erika Eismann, die ausgerutscht ist, mit Mitte 80, beim Kaninchen füttern auf dem nassen Hof und sich den Oberschenkel gebrochen hat oder wie die vierzehnjährige Amalia, die ein angeborenes Hüftleiden hat.

Vision: Hotelanlage unter ärztlicher Aufsicht

Von außen sieht man es nicht gleich, dass das Thüringer Klinikum ein auch bundesweit angesehenes Orthopädie-Zentrum ist. Die alte Bausubstanz aus den Gründerjahren mischt sich mit Plattenbauten aus DDR-Zeiten und neuen Komplexen aus Glas, Stahl und Beton.

Angeführt von Prof. Georg Matziolis, einst Oberarzt an der Berliner Charité und seit sechs Jahren ärztlicher Direktor in Eisenberg, soll sich die Waldklinik demnächst zu d e m Zentrum der Orthopädie in Deutschland entwickeln. Nicht ausgeschlossen, dass das gelingt. Muskel- und Skeletterkrankungen verursachen schon heute die meisten Fehltage in Deutschland. Beim "Einbauen" künstlicher Gelenke stehen die Deutschen schon jetzt weltweit "an der Spitze". Zudem gilt das "Reparieren" von kaputten Knochen und schmerzenden Gelenken angesichts der demografischen Entwicklung quasi als Wachstumsbranche.

Beruf und Berufung

Szene aus: Die Waldklinik - Dokusoap
Prof. Georg Matziolis, ärztlicher Direktor in Eisenberg Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Leider beschleunigen einige den Verschleiß auch noch selbst, ärgert sich Matziolis: Wenn junge Leute mit tollen Schuhen nicht etwa auf dem Rasenstreifen, sondern auf Betonplatten laufen, sei das bedenklich. Dabei könne man sich im Kniegelenk die Knorpel kaputtschlagen. Und bringt man dann noch 5 Kilo zu viel auf die Waage , steige die Wahrscheinlichkeit an einer Kniearthrose zu erkranken um 36 Prozent!

Szene aus: Die Waldklinik - Dokusoap
Wann ist eine OP sinnvoll? Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der 43-Jährige versteht sich zuerst als Mediziner, nicht als Manager. Für ihn gilt es abzuwägen, wann eine OP für den Patienten sinnvoll ist. Matziolis' Expertise ist auch als Inhaber des Lehrstuhls für Orthopädie an der Uni Jena gefragt. Klinikdirektor David-Ruben Thies möchte die besten und erfahrensten Kollegen um Matziolis scharen und außerdem eine Atmosphäre schaffen, die weniger an Krankenhaus, als an einen Aufenthalt im Hotel erinnert. Schließlich sind die Patienten heute sehr viel besser informiert und kritischer in der Auswahl ihrer Klinik. Neben der Erfahrung der Ärzte zählen für sie auch die Unterbringung, die Atmosphäre, das Essen. Das gerade entstehende Bettenhaus, entworfen von einem italienischen Stararchitekten, folgt Thies' Vision.

Szene aus: Die Waldklinik - Dokusoap
Marco Zesing, die heimliche Kontrollinstanz im Haus Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Um Thies herum, der übrigens Krankenpfleger lernte und Krankenhausbetriebslehre studierte, sind genügend Leute, die den Visionär erden. Beispielsweise Marco Zesing, die heimliche Hygiene - Kontrollinstanz im Haus. Er kommt meist unangemeldet und ungelegen, mit Beschwerdebuch im Kittel. Seit gefährliche Krankenhauskeime ganze Betriebe lahm legen, leistet sich die Waldklinik einen "Saubermann" wie ihn. Auch er begann seine Laufbahn als Krankenpfleger. Nicht nur ein Beruf, sondern Berufung, findet er. Die Atmosphäre in Eisenberg sollen die Patienten positiv wahrnehmen, dass sie keine Fall-Nummer sind, sondern Patient und Gast in der Waldklinik. Sätze wie: Der Oberschenkelhalsbruch ist auf Station 55 verlegt worden, sind verboten. Umgekehrt wissen auch die Pflegekräfte und Physiotherapeuten in der Waldklinik um ihren Wert. Angestellte und Patienten, sowie der krankenhauseigene Kindergarten, werden vom Küchenteam der Waldkliniken täglich verköstigt.

Die Anfänge als "Zentrale für Körperversehrte"

In einem Waldstück stehen barackenartige Gebäude, davor spielen zwei Kinder, im Hintergrund steht ein Krankenwagen.
Die Klinikgeschichte beginnt als "Zentrale für Körperversehrte" Bildrechte: Waldkliniken Eisenberg

An solche Bedingungen war zu Anbeginn des Eisenberger Klinikums nicht zu denken. Die Geschichte reicht zurück bis in den Zweiten Weltkrieg, zum Schutz vor Bombenangriffen wurde das erste Haus als Kriegslazarett mitten in den Wald gebaut. Der Mediziner und Klinik-Leiter, Rudolf Elle, richtete den Fokus bald auf Orthopädie und Prothetik. Der Bedarf nach einer "Zentrale für Körperversehrte" war nach dem Krieg enorm. Versorgt wurden vor allem Soldaten und ehemalige Gefangene aus aller Herren Länder, bisweilen unter unvorstellbaren Bedingungen: "Die Not war groß. Es kam vor, dass Patienten nicht entlassen werden konnten, weil keine Bekleidung vorhanden war, schrieb Elle 1947.

Hinter der Dokusoap Heute zählt das Waldkrankenhaus zu den größten Arbeitgebern der Region. Mehr als 650 Angestellte kümmern sich um rund 50.000 Patienten jedes Jahr. Ob stationär oder in ambulanter Behandlung. Ein Kosmos für sich, in den die Dokusoap eintaucht. Über ein halbes Jahr war das MDR-Team vor Ort, um Geschichten einzufangen, hinter die Fassade der "Götter in Weiß" zu blicken und aufzuklären über das große Klinikgetriebe, in dem es dennoch menschlich zugeht.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Die Waldklinik | 03. Mai 2018 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Mai 2018, 09:42 Uhr

Die Folgen nochmal anschauen

Ein Arzt steht in einem grünen OP Raum. 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Oberarzt Dr. Steffen Brodt geht bei einer Hüft-OP beherzt mit dem Hammer zu Werke. 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Arzt in OP-Kleidung mit Mundschutz. 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Dr. Pietzsch untersucht einen Spieler Jenas auf dem Spielfeld. 25 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK