Carlsfeld
Bildrechte: MDR/Kathrin Welzel

Famose Fakten Was Carlsfeld so besonders macht

Carlsfeld, hoch oben im westlichen Erzgebirge gilt als einer der schneesichersten Wintersportorte in deutschen Mittelgebirgen. Abseits von Loipe und Piste gibt's Kirchengeschichten, die direkt zur Dresdner Frauenkirche führen, Filzpantoffeln, die die ganze Region zum "Sapperland" machen. Und: Es gibt das Bandonion. Hier wurde es produziert und verfeinert, von hier zog es in die Welt, eroberte Südamerika.

Carlsfeld
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1. Carlsfeld gilt als Geburtsstätte des Bandonions. 1847 baute Carl Friedrich Zimmermann im Dorf die erste Harmonikafabrik. Und er tüftelte an den damals gängigen Instrumenten, zum Beispiel der Concertina. Er entwickelte sie weiter, gab ihr mehr Töne. Bekannt wurde dieses neue Instrument dann als "Bandonion".

2. Zwei Carlsfelder Firmen trugen das Bandonion vom Erzgebirge in die Welt: die "ELA", die Firma Ernst Louis Arnold, und "AA", die Firma Alfred Arnold. Besonders die Südamerikaner hatten das Instrument ins Herz geschlossen. Tango ohne Bandonion - undenkbar. So exportierten die Carlsfelder in den 1930er-Jahren 85 Prozent ihrer Bandonions nach Südamerika. 

3. Und die Südamerikaner schätzen das kleine Erzgebirgsdorf und "sein" Bandonion. Es gibt sogar einen Tango, der nach Carlsfeld benannt wurde. Der Tango Milonga "Carlsfeld" wurde vom argentinischen Maestro Juan Carlos Caviello komponiert.

4. Die Trinitatis-Kirche in Carlsfeld sieht vermutlich heute ganz anders aus als früher. 1684 bis 1688 wurde die Kirche gebaut, der hiesige Hammerwerksbesitzer Veit Hans Schnorr von Carolsfeld hatte sie gestiftet. Heute wirkt der Innenraum mit seiner weiß-goldenen Ausmalung schlicht, sehr elegant. Aber diese Farbausstattung erhielt die Kirche erst bei Restaurierungsarbeiten in den 1950er-Jahren. Ursprünglich war sie - eben typisch Barockkirche - viel farbenfroher, rot, grün und blau ausgemalt.

In Bildern So schön ist Carlsfeld

Schneesicher, aber Tango in den Dorfadern - Carlsfeld im westlichen Erzgebirge. Hier auf 850 Metern liegt Schnee, viel Schnee. Deshalb trifft man Carlsfelder meist auf der Kammloipe oder auf dem Skihang mitten im Dorf.

Die wohl schönste Aussicht auf Carlsfeld haben in dem Fall die Abfahrtsläufer, denn am Starthaus auf 940 Metern hat man den besten Blick aufs Dorf.
Die wohl schönste Aussicht auf Carlsfeld haben in dem Fall die Abfahrtsläufer, denn am Starthaus auf 940 Metern hat man den besten Blick aufs Dorf. Bildrechte: MDR / Jana Pfeiffer
Die wohl schönste Aussicht auf Carlsfeld haben in dem Fall die Abfahrtsläufer, denn am Starthaus auf 940 Metern hat man den besten Blick aufs Dorf.
Die wohl schönste Aussicht auf Carlsfeld haben in dem Fall die Abfahrtsläufer, denn am Starthaus auf 940 Metern hat man den besten Blick aufs Dorf. Bildrechte: MDR / Jana Pfeiffer
…ob die Läufer vom Ski-Club Carlsfeld beim Training an die Aussicht denken? Wohl kaum.
Ob die Läufer vom Ski-Club Carlsfeld beim Training an die Aussicht denken? Wohl kaum. Bildrechte: MDR / Jana Pfeiffer
Auch den Männern vom Sapperlandverein geht es auf der Piste in erster Linie um den fahrbaren Untersatz. Zugegeben, der sieht noch recht rustikal aus, aber als Faschingsschlitten muss er erst zum Skifasching Ende Februar fertig sein.
Auch den Männern vom Sapperlandverein geht es auf der Piste in erster Linie um den fahrbaren Untersatz. Zugegeben, der sieht noch recht rustikal aus, aber als Faschingsschlitten muss er erst zum Skifasching Ende Februar fertig sein. Bildrechte: MDR / Kathrin Welzel
Für die Pistenraupe ist gut zu tun. Denn 40 KilometerLoipe werden vom Ski-Club täglich gewalzt und gespurt – oben auf dem Erzgebirgskamm, im und ums Dorf.
Für die Pistenraupe ist gut zu tun. Denn 40 KilometerLoipe werden vom Ski-Club täglich gewalzt und gespurt – oben auf dem Erzgebirgskamm, im und ums Dorf. Bildrechte: MDR / Kathrin Welzel
Von Nachtarbeit waren die Carlsfelder auch auf der Piste nicht verschont. Der letzte Abfahrtsläufer war kaum weg, da wurde Sonnabendnacht die Riesenslalomstrecke fürs Sachsen-Masters präpariert...
Von Nachtarbeit waren die Carlsfelder auch auf der Piste nicht verschont. Der letzte Abfahrtsläufer war kaum weg, da wurde Sonnabendnacht die Riesenslalomstrecke fürs Sachsen-Masters präpariert... Bildrechte: MDR / Jana Pfeiffer
…wobei der nächtliche Schneefall, auch am Sonntagmorgen für ausreichend Arbeit sorgte. Da geht der Rennleiter schon mal auf die Knie. Aber keine Angst: Er musste nur Zeitmessung installieren.
… wobei der nächtliche Schneefall, auch am Sonntagmorgen für ausreichend Arbeit sorgte. Da geht der Rennleiter schon mal auf die Knie. Aber keine Angst: Er musste nur Zeitmessung installieren. Bildrechte: MDR / Jana Pfeiffer
Na und dann klappte beim Wettkampf auch alles bestens. Carlsfeld war 2017 die zweite Station der Sachsen-Masters.
Na und dann klappte beim Wettkampf auch alles bestens. Carlsfeld war 2017 die zweite Station der Sachsen-Masters. Bildrechte: MDR / Jana Pfeiffer
Wer nicht Ski fährt, hat im Dorf aber auch allerhand zu gucken. Die kleine barocke Trinitatiskirche zum Beispiel. Sie ist übrigens alles andere als eine simple Dorfkirche…
Wer nicht Ski fährt, hat im Dorf aber auch allerhand zu gucken. Die kleine barocke Trinitatiskirche zum Beispiel. Sie ist übrigens alles andere als eine simple Dorfkirche… Bildrechte: MDR / Kathrin Welzel
...denn der Stifter, der Hammerwerksbesitzer Veit Hans Schnorr, ließ ein kleines, fast städtisch anmutendes Kirchlein bauen. Die Carlsfelder sprechen liebevoll von ihr als "Mutter der Frauenkirche". Man erzählt, der Frauenkirchen-Erbauer George Bähr habe an ihr mitgebaut.
... denn der Stifter, der Hammerwerksbesitzer Veit Hans Schnorr, ließ ein kleines, fast städtisch anmutendes Kirchlein bauen. Die Carlsfelder sprechen liebevoll von ihr als "Mutter der Frauenkirche". Man erzählt, der Frauenkirchen-Erbauer George Bähr habe an ihr mitgebaut. Bildrechte: MDR / Kathrin Welzel
Jenem Hans Veit Schnorr von Carolsfeld gehörte auch das Hammerherrenhaus. 1680 wurde es gebaut. In den letzten Jahren verfiel es. Jetzt engagiert sich ein Verein, damit das Haus und mit ihm ein Stück Dorfgeschichte und Dorfgesicht erhalten bleibt.
Jenem Hans Veit Schnorr von Carolsfeld gehörte auch das Hammerherrenhaus. 1680 wurde es gebaut. In den letzten Jahren verfiel es. Jetzt engagiert sich ein Verein, damit das Haus und mit ihm ein Stück Dorfgeschichte und Dorfgesicht erhalten bleibt. Bildrechte: MDR / Jana Pfeiffer
Bei der Sanierung entdeckten die Carlsfelder unvermutete Schätze: zum Beispiel 300 Jahre alte Deckenbalken - kobaltblau und mit Blattgold verziert. Beides damals unglaublich wertvoll.
Bei der Sanierung entdeckten die Carlsfelder unvermutete Schätze: zum Beispiel 300 Jahre alte Deckenbalken - kobaltblau und mit Blattgold verziert. Beides damals unglaublich wertvoll. Bildrechte: MDR / Jana Pfeiffer
Carlsfeld gilt auch als Geburtsstätte des Bandonions. Und ja, es wird hier mit "i" geschrieben, wie früher. Denn die Schreibweise "Bandoneon" setze sich erst durch, als der Export boomte, und manche ferne Länder eben kein "i" kannten.
Carlsfeld gilt auch als Geburtsstätte des Bandonions. Und ja, es wird hier mit "i" geschrieben, wie früher. Denn die Schreibweise "Bandoneon" setze sich erst durch, als der Export boomte, und manche ferne Länder eben kein "i" kannten. Bildrechte: MDR / Kathrin Welzel
Und damit die Bandonion-Tradition im Dorf verwurzelt bleibt, gründete sich der  Bandonionverein Carlsfeld. Der hat ein Kinderorchester, das einzige in Deutschland. Und sogar weltweit gibt’s - so hat der Verein recherchiert - nichts Vergleichbares.
Und damit die Bandonion-Tradition im Dorf verwurzelt bleibt, gründete sich der Bandonionverein Carlsfeld. Der hat ein Kinderorchester, das einzige in Deutschland. Und sogar weltweit gibt's - so hat der Verein recherchiert - nichts Vergleichbares. Bildrechte: MDR / Kathrin Welzel
Südlich des Dorfes liegt auf 905 Metern die Trinkwassertalsperre Carlsfeld. 1929 wurde sie in Betrieb genommen. Der Grund sie zu bauen war eher ein unschöner: Jahre zuvor hatten Regenfälle den kleinen Bach Wilzsch so anschwellen lassen, dass er Carlsfeld verwüstete. Hochwasserschutz also die zweite Aufgabe der höchstgelegenen Talsperre Sachsens.
Südlich des Dorfes liegt auf 905 Metern die Trinkwassertalsperre Carlsfeld. 1929 wurde sie in Betrieb genommen. Der Grund sie zu bauen war eher ein unschöner: Jahre zuvor hatten Regenfälle den kleinen Bach Wilzsch so anschwellen lassen, dass er Carlsfeld verwüstete. Hochwasserschutz also die zweite Aufgabe der höchstgelegenen Talsperre Sachsens. Bildrechte: MDR / Kathrin Welzel
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Dieses Thema im Programm: 14. Januar 2018 | 09:00 Uhr

5. Hammerwerksbesitzer Veit Hans Schnorr war damals übrigens der reichste und bedeutendste Unternehmer im Erzgebirge. Und: Er gab dem Dorf letztlich auch den Namen. 1676 erwarb er von Carl von Carlowitz ein Grundstück oben im Gebirge. Er gründete eine Eisenhütte und eine Siedlung für die dort Beschäftigten. Carolsfeld hieß die. Mit ein bisschen nuscheln und Dialekt wurde daraus Carlsfeld.

6. Die Talsperre Carlsfeld liegt südlich des Dorfes, hoch oben am Erzgebirgskamm auf 905 Metern. 1926 begannen die Bauarbeiten. Drei Jahre später bremste die 32 Meter hohe Staumauer den Bach Wilzsch aus. Das so angestaute Wasser wird bis heute zu Trinkwasser aufbereitet, und kann - wegen der Höhenlage - ohne Pumpen weitergeleitet werden.

7. Bekannt ist übrigens auch der Skifasching in Carlsfeld. 2017 gibt's immerhin schon die 44. Ausgabe. Sie steht unter dem Motto "Bergnacht im Sapperland". Am 25.Februar 2017 starten am Skihang dann auch die ganz geheimnisvoll umgebauten, aufgehübschten und dekorierten Faschingsschlitten.

Und hier kommen weitere Fakten:

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | Unser Dorf hat Wochenende | 14. Januar 2018 | 09:00 Uhr

Carlsfeld von oben
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