Zahl der Dorfläden bundesweit gestiegen

Wenn die Betreiber des letzten Geschäfts in kleinen Orten aufgeben, finden sich oft keine Nachfolger. Eine Lösung sind von engagierten Bürgern geführte Dorfläden. Und davon gibt es immer mehr, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Als Reaktion auf Supermarkt-Schließungen auf dem Land gibt es in Niedersachsen immer mehr Dorfläden, die von Bürgern gegründet worden sind. Bundesweit sei ihre Zahl seit 2015 von rund 200 auf etwa 300 gestiegen, sagte Günter Lühning, erster Vorsitzender der Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden. Die Geschäfte haben oft ein kleines Café und sind sozialer Treffpunkt, wenn aus dem Ort schon der Bäcker und das Gasthaus verschwunden sind. "Es ist keine Modeerscheinung, sondern ein nachhaltiger Trend geworden, auch wenn es immer schwerer wird, eine schwarze Null zu schreiben", sagte Lühning, der zu den Gründern des vor 20 Jahren eröffneten Dorfladens in Otersen gehört. Der Laden im Landkreis Verden zählte zu den ersten in Deutschland.

Regale in einem Laden
Blick in den Dorfladen in Deersheim (Sachsen-Anhalt) Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Während des Lockdowns im Frühjahr und seit November seien die Umsätze der Dorfläden bei den Lebensmitteln um 10 bis 30 Prozent gestiegen, berichtete Lühning vom Austausch im Netzwerk der Betreiber. Die Kunden zeigten in der Pandemie ihre Wertschätzung. "Gut, dass wir euch vor Ort haben", sei oft zu hören.

In vielen Fällen verkaufen die Initiatoren von Dorfläden Anteilsscheine, die Kunden können Teilhaber werden. Kommunen fördern oft die Gründungen. Aktiv werden Bürger häufig, wenn die Inhaber des letzten Lebensmittelmarktes vor Ort aus Altersgründen aufgeben. Für die großen Ketten seien Märkte in Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern uninteressant, beobachtete Lühning.

Quelle: dpa

Nach Angaben der Bundesvereinigung befinden sich etwa die Hälfte der aktuell rund 300 Dorfläden in Bayern. Jeweils etwa 30 gebe es in Baden-Württemberg und Niedersachsen. Zuletzt gab es laut Lühning mehrere Gründungen in Ostdeutschland. Ein Beispiel sei der Dorfladen Deersheim im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: MDR Thüringenjournal | 08.12.2020 | 19:00 Uhr