Wo der Osten Urlaub machte

Den Sommer verbrachten viele zu DDR-Zeiten in den FDGB-Ferienheimen an Ostsee und Co. Für manche ging es bis ans Schwarze Meer. Auch Camping war sehr beliebt. Kinder freuten sich auf Ferienlager und Jugendherbergen.

Urlaub im Osten - nah und fern

Geschichte

Campen in der DDR

Wer als DDR-Bürger keinen der wenigen FDGB-Ferienplätze ergattert hatte, hatte nur eine Alternative: das Campen. Die Obrigkeit beobachtete das mit Argusaugen - passen Zelten, FKK und Sozialismus zusammen!?

Besucher eines Zeltplatz in der DDR, 50er-Jahre.
Anfang der 1950er-Jahre beginnt die Camping-Bewegung in der DDR eher bescheiden. Noch gibt es kaum offizielle Campingplätze. Man zeltet wild. 1954 zählt die DDR-Statistik etwa 10.000 Camper. Bildrechte: IMAGO
Besucher eines Zeltplatz in der DDR, 50er-Jahre.
Anfang der 1950er-Jahre beginnt die Camping-Bewegung in der DDR eher bescheiden. Noch gibt es kaum offizielle Campingplätze. Man zeltet wild. 1954 zählt die DDR-Statistik etwa 10.000 Camper. Bildrechte: IMAGO
Mitglieder der BSG Fortschritt Lichtenberg, Sektion Kanu, verbringen die Pfingsttage im Mai 1961 auf dem Campingplatz am Krossinsee - DDR.
Für viele DDR-Bürger bedeutet Camping ein Stück Freiheit – jenseits der Reglementierungen des gewerkschaftlichen oder betrieblichen Feriendienstes. In den frühen 1960er Jahren gibt es schon knapp 500 Campingplätze in der DDR. Bildrechte: dpa
Camping DDR
Anfang der 1960er tauchen auch die ersten Wohnwagen in der DDR auf. Hier das Modell "Würdig 301", im Volksmund auch: "Dübener Ei". Max Würdig hat es schon 1936 in Bad Düben erfunden. Der Preis lag Mitte der 1960er bei rund 5.000 Mark und stieg bis 1990 auf etwa 6.500 Mark. Das entsprach etwa der Hälfte eines durchschnittlichen Jahreseinkommens in der DDR. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Camping DDR
Zum Campen braucht man in der DDR eine Genehmigung, den so genannten Zeltschein. An den beliebten Ostseestränden sind die Zeltscheine jedoch damals rar. Der Zeltplatz Markgrafenheide ist in seinen besten Zeiten mit fast 5.000 Campern belegt. Eine Übernachtung mit dem Zelt kostet 1 Mark. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Ein Mann baut mit seiner Tochter einen Zeltanhänger Camptourist CT-7 in Leipzig auf.
Für Aufsehen sorgte Ende der 1960er auch der so genannte "Klappfix" – ein Anhänger, aus dem sich kurzerhand ein Zelt errichten lässt. Er wurde sogar ins Ausland exportiert. 1994 gingen beim Produzenten VEB Fahrzeugwerk Olbernhau im Erzgebirge jedoch die Lichter aus. Dennoch existieren vermutlich heute noch 5.000 bis 10.000 Anhänger. Bildrechte: dpa
Camping DDR
Ende der 1970er taucht ein neues, skurriles Campingutensil auf: das Autodachzelt von Gerhard Müller aus Limbach-Oberfrohna. Heute ein echter Kultklassiker. Es wird zuerst nur für den Trabant entwickelt, später auch für andere Fahrzeuge wie Wartburg oder Skoda. Bis 1990 werden knapp 1.800 Dachzelte produziert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Urlauber sitzen vor ihrem in den Dünen aufgebauten Zelt und lassen sich eine Mahlzeit schmecken, aufgenommen im Sommer 1990 im Ostseebad Prerow.
Etwa 30 Prozent der DDR-Bürger machen Jahr für Jahr auf den staatlichen Campingplätzen Urlaub. Auch wenn sich die Ostdeutschen heute die ganze Welt anschauen – die Faszination Camping bleibt. (Über dieses Thema berichtet der MDR auch im TV: 30.04.2018 | 22:05 Uhr) Bildrechte: dpa
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Geschichte

Mitglieder der BSG Fortschritt Lichtenberg, Sektion Kanu, verbringen die Pfingsttage im Mai 1961 auf dem Campingplatz am Krossinsee - DDR.
Für viele DDR-Bürger bedeutet Camping ein Stück Freiheit – jenseits der Reglementierungen des gewerkschaftlichen oder betrieblichen Feriendienstes. In den frühen 1960er Jahren gibt es schon knapp 500 Campingplätze in der DDR. Bildrechte: dpa

Urlaub in der DDR: Mit dem Auto in die Ferien

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Zeitreise Spezial: Urlaub im Osten (1) | 29. Juli 2018 | 22:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. August 2018, 16:35 Uhr