Flößer in Mitteldeutschland haben große Pläne

Zu Pfingsten wird in Sachsen und Thüringen traditionell angeflößt. Das Spektakel lockt Tausende Schaulustige an. Doch dieses Jahr ist der Saisonstart ausgefallen. Corona ist dabei nicht die einzige Sorge, die die Flößer umtreibt. Trotzdem verfolgen sie große Pläne.

Mann steuert Floß auf der Saale bei Uhlstädt-Kirchhasel
Bildrechte: Flößerverein Uhlstädt, Oberkrossen und Rückersdorf e.V.

Die künstlich angelegten Wassergräben gelten inzwischen als technisches Denkmal. Jahrhundertelang wurde hier Brennholz aus Wäldern im Vogtland weiter in Bäche und Flüsse geleitet. Das Ziel waren Städte wie Leipzig und Halle, wie Bernd Kramer vom Vogtländischen Flößerverein Muldenberg sagt. Eigentlich sind die Flößer um Pfingsten in Aufbruchstimmung. Doch Flößerfeste, verschiedene Treffen und das Schauflößen, bei dem das traditionelle Handwerk der Öffentlichkeit präsentiert wird, fallen coronabedingt aus. Das zweite Jahr in Folge ist auch das Flößerfest mit 4.000 Besuchern in Muldenberg als dem 1. Flößerdorf Deutschlands betroffen.

Mit hohem Kraftaufwand der Flößer legt 2008 ein Floß an der Weser bei Reinhardshagen ab.
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Dabei wollen die Flößer bald Immaterielles Kulturerbe der Menschheit werden. "Wir vermitteln ein Handwerk, das lebendig erhalten werden muss. Das Erbe muss in Aktion gezeigt werden", sagt Kramer. Rund 100 Kilometer weiter nordwestlich kämpfen in Thüringen die 40 Mitglieder des Flößervereins Uhlstädt, Oberkrossen und Rückersdorf mit ähnlichen Problemen. Bis zu 7.000 Gäste begrüßen die Saale-Flößer alle zwei Jahre zu Pfingsten zum Flößerfest in dem kleinen Ort Uhlstädt-Kirchhasel, wie Vereinsmitglied Peter Schröter erklärt.

"Viele unserer Vorfahren waren Flößer. Wir haben Angst, dass durch die aktuelle Situation das Interesse an unserem Verein zurückgeht", erklärt Schröter. Die Stimmung bei den Vereinen, die dieses Handwerk bewahren wollen, sei aktuell nicht gut. Alle Treffen in Deutschland und international mussten abgesagt werden. Die Alltagsgegenstände der Vorfahren bilden die Grundlage für ein kleines Flößereimuseum im Ort. Auf der Saale war - im Gegensatz zu Muldenberg im Vogtland - eher die Langholzflößerei üblich. Aus dem Thüringer Schiefergebirge trieb auf diesem Weg Fichtenholz die Saale hinab - wo es in Kirchen und anderen Gebäuden als Bauholz verwendet wurde.

Quelle: dpa

2022 hoffen die Flößer aus Deutschland zusammen mit Tschechien, Österreich, Polen, Lettland und Spanien als Immaterielles Erbe der Menschheit durch die Unesco anerkannt zu werden. Das hat die Bundesrepublik kürzlich der Unesco vorgeschlagen. Die Deutsche Flößerei-Vereinigung ist Dachverband von 35 Mitgliedsorganisationen. Darunter sind fünf Städte, die eine Flößertradition haben, und 30 Flößervereine. Die Flößer aus Muldenberg bilden den einzigen sächsischen Verein; Thüringen kann in Wernshausen und Uhlstädt-Kirchhasel zwei Flößervereine vorweisen.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: Zeigt uns eure Heimat | 03.07.2021 | 19:50 Uhr