Ein Mann und sein Rad: Täve Schur feiert seinen 90. Geburtstag

Um Gustav-Adolf Schur, den die ganze Radwelt nur als "Täve" kennt, ist es ruhiger geworden. Seit dem Tod seiner Frau Renate im Vorjahr nach fast sechs Ehedekaden hat sich das größte Sportidol der DDR ins Private zurückgezogen. Seine Geschichten und Erlebnisse, die drei Leben füllen könnten, erzählt Schur immer noch gerne,. Auch in seinem neuen Buch "Was mir wichtig ist", das hier auf der Seite verlost wird.

Täve Schur
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"Ich bin für die Menschen am Straßenrand gefahren, nicht für Werbeverträge und Kohle", sagte Schur kürzlich der Märkischen Oderzeitung (MOZ). Zweimal war er Straßenweltmeister der Amateure, zweimal gewann er die Friedensfahrt, war neunmal in Folge DDR-Sportler des Jahres, wurde 1990 zum größten Athleten der DDR-Geschichte gewählt - im modernen Sport wäre Schur ein schwerreicher Superstar geworden. Freilich: Noch heute ist er ein Volksheld, eine Identifikationsfigur. Ein ostdeutscher Volksheld, eine ostdeutsche Identifikationsfigur. Denn das ist das Tragische an der Person Schur: Ins Gesamtdeutsche übertrug sich sein Ruhm nicht. Die Drechslers, Witts und Weißflogs wurden Helden der Einheit, Schur hingegen polarisierte in der Nachwendezeit.

Der ehemalige Radsportler Gustav-Adolf «Täve» Schur.
Sportlich und politisch: Täve Schur konnte immer beides Bildrechte: dpa

Der Osten liebt ihn als Verkörperung alter Werte, als meinungsfreudiges Original. Im Westen hielt man Schur für einen ewig Gestrigen, warf ihm Verklärung des DDR-Unrechts vor, stieß sich an seinen Ansichten zum vermeintlichen Zwangsdoping, zu Mauerbau und Schießbefehl. Zweimal wurde Schur die Aufnahme in die gesamtdeutsche Sport-Ruhmeshalle verwehrt. Schur aber ließ sich nicht verbiegen, blieb seiner Linie treu, blieb ein politischer Mensch, einer, der sowohl Mitglied der DDR-Volkskammer (1958 bis 1990) wie auch des deutschen Bundestags (1998 bis 2002 für die PDS) war.

Legendär: Täves Vizeweltmeistertitel 1960

Täve Schur
So kennen und lieben ihn seine Fans Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Noch heute wenden sich die Menschen an ihn, mit Briefen, Autogrammwünschen. Sie zu beantworten, daheim am Küchentisch, "ist für mich eine moralische Verpflichtung. Ich nehme jede Zuschrift ernst. Zusammenhalt ist eine Eigenart von uns Ex-DDR'lern. Dem trage ich Rechnung." Und deshalb erzählen sie sich immer noch die Geschichten aus Schurs goldenen Jahren, die auch die goldenen Jahre des DDR-Sports waren. Wie jene von "Täves" Vizeweltmeisterschaft 1960: Vor 200.000 Zuschauern auf dem Sachsenring fuhr Schur als Favorit in einer Spitzengruppe mit seinem Freund Bernhard Eckstein. Als Eckstein antrat, hielt sich Schur uneigennützig zurück, überließ seinem Freund den Titel.

Vom Radsport konnte Schur nie lassen, noch heute fährt er kreuz und quer durch seine Lande, wenngleich nicht mehr die ganz langen Kanten, seitdem er 2019 nach einer 120-Kilometer-Tour ohnmächtig geworden sein. "Man soll sein Schicksal nicht herausfordern", sagte er. 100 allerdings, das sagt er, wolle er auf jeden Fall werden. Alleine schon, weil er die Deutungshoheit über die Ost-Sportgeschichte nicht Leuten überlassen wolle, die sie gar nicht miterlebten.

Quelle: SID

GEWINNSPIEL

Täves neues Buch: Täve Schur: "Was mir wichtig ist" 224 Seiten, 12,5 x 21 cm, geb. mit Bildteil, ISBN: 978-3-355-01893-7, Verlag Neues Leben

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Legenden - Ein Abend für Gustav Adolf "Täve" Schur | 21. Februar 2021 | 20:15 Uhr