Heimatliebe: Im Osten geblieben

In der MDR-Dokumentation "Heimatliebe – Warum ich blieb" geht der Schauspieler und Kabarettist Wolfgang Stumph erneut auf Spurensuche. Er fährt zu Menschen, die in den 1990er-Jahren in ihrer ostdeutschen Heimat blieben.

Wolfgang Stumph und Sibylle Klug 90 min
Wolfgang Stumph und Sibylle Klug Bildrechte: MDR/Dokfilm/Thomas Koppehele

Im Herbst ’89 fällt die Mauer, am 3. Oktober 1990 folgt die Wiedervereinigung der beiden deutschen Republiken. In den Wochen, Monaten, Jahren nach diesen Ereignissen verlassen zahlreiche Bürger der ehemaligen DDR ihr Land, ihre Heimat. Die meisten jedoch sind geblieben. Bisher wurde oft über die Menschen berichtet, die ihrer Heimat den Rücken kehrten. Wir kennen die Fluchtgeschichten, die Bilder aus Prag, Sopron und Hof. Doch die Geschichten derer die blieben, werden nicht so häufig erzählt.

Wolfgang Stumph am Litschibaum
Bildrechte: MDR/DOKfilm Fernsehproduktion/Thomas Koppehele

Wolfgang Stumph ergründet in neun persönlichen Begegnungen, warum die Menschen ihrer mitteldeutschen Heimat treu blieben. Mal waren es die engen Bindungen an Zuhause, an die Familie, mal das Bestreben, vor Ort etwas aufzubauen, mal die Umstände, die Überzeugung, nicht einfach alles im Stich lassen zu können, zuhause gebraucht zu werden. Oft waren es schwierige Jahre voller Herausforderungen. Dennoch hat letztendlich die Liebe zur Heimat, zum Zuhause, zu den Angehörigen gesiegt.

Jetzt erst recht: Schneidermeisterin Marlies Golze


Zum Beispiel Marlies Golze aus Reddeber bei Wernigerode: 1989 steht sie kurz vor dem Abschluss ihrer Prüfung als Schneidermeisterin. Sie hat sich gerade mit einer kleinen Schneiderei selbständig gemacht, einige Frauen als Näherinnen eingestellt, Verträge mit Abnehmern geschlossen, zudem eine junge Familie. Ein Weggehen gar nicht möglich. Die Jahre nach der Wiedervereinigung ein ständiges Auf und Ab, ein Kampf! Aufgeben oder Durchhalten? Bei ihr siegt immer wieder ein "Jetzt erst recht!"

In der Heimat gebraucht: Vikar Stefan Schwarzenberg

Der junge Vikar Stefan Schwarzenberg erlebt die Wende zunächst in Zittau und dann in seiner ersten Pfarrstelle im Dresdener Stadtteil Gorbitz. Er ist in diesen Monaten und Jahren seelsorgerisch gefragt. Einerseits sieht der Kirchenmann, wie junge Menschen die Heimat verlassen, Familien auseinanderbrechen, Arbeitsplätze wegfallen und wie andererseits viele zurückbleiben, hilflos, ratlos, orientierungslos. Sein Wunsch nach Veränderungen, Anpacken, Unterstützen sowie seine Ermunterungen sind gefragt, er wird gebraucht.

Für immer im Elternhaus: Gloria Frenzel

Kurz vor der Wende bleibt die damals 20-jährige Gloria Frenzel mit ihrem Säugling alleine in Walbeck bei Hettstedt zurück. Ihre Mutter ist kurz zuvor verstorben, der Vater mit der Stiefmutter und dem Halbbruder in den Westen gegangen. Halt und Geborgenheit gibt ihr in dieser Zeit und den Folgejahren, die geprägt sind von Schicksalsschlägen, wechselnden Mini-Jobs, und dem Elternhaus, dem Haus, in dem sie aufwuchs und bis heute mit ihrem jüngsten Sohn lebt. Hier ist sie nie weggegangen und hier wird sie für immer bleiben.

Wir leben gerne im Osten!

Sibylle und Uwe Klug 6 min
Sibylle und Uwe Klug Bildrechte: MDR/Dokfilm/Thomas Koppehele
Sibylle und Uwe Klug 10 min
Sibylle und Uwe Klug Bildrechte: MDR/Dokfilm/Thomas Koppehele
Sibylle und Uwe Klug 8 min
Sibylle und Uwe Klug Bildrechte: MDR/Dokfilm/Thomas Koppehele
Sibylle und Uwe Klug 6 min
Sibylle und Uwe Klug Bildrechte: MDR/Dokfilm/Thomas Koppehele
HeimatLiebe: Warum ich blieb 8 min
Bildrechte: MDR/Dokfilm

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | HeimatLiebe: Warum ich blieb | 03. Oktober 2020 | 20:15 Uhr