Musikdoku Hip-Hop und die DDR

Die DDR-Musikszene war breit aufgestellt: von Schlager bis Heavy Metal. Ab Mitte der 80er-Jahre interessierten sich junge Leute aber auch für Hip-Hop. Sie mussten besonders erfinderisch sein, um das neue Lebensgefühl Hip-Hop auch wirklich leben zu können. Die MDR-Dokumentation "Back in the days" erzählt von ihnen.

Als die ersten Bilder von amerikanischen Breakdancern über das Westfernsehen hinter den Eisernen Vorhang schwappten, fingen in der DDR von der Ostsee bis ins Erzgebirge junge Menschen an zu tanzen - auf öffentlichen Plätzen und Straßen. Sie wurden argwöhnisch beäugt vom Staat, von der Polizei vertrieben und sogar inhaftiert. "Wir haben uns in die Fußgängerzone gestellt und haben da Breakdance gemacht. Und dann kam irgendwann die Volkspolizei und hat uns mit ins Auto genommen", erinnert sich Bürger Lars Dietrich (Jahrgang 1973).

B-Boys aus Magdeburg 2 min
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In der Fernsehsendung "Klik" des DDR-Fernsehens hatten die "B-Boys" aus Magdeburg 1986 ihren großen Auftritt - in einer Schwimmhalle.

Di 12.11.2019 13:27Uhr 01:53 min

https://www.mdr.de/meine-heimat/video-archiv-ddr-fernsehen-hip-hop-sendung-klik100.html

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Breakdancer in der DDR
Die richtigen Klamotten zu bekommen, war schwer in der DDR. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Alles war für Hip-Hop-Fans in der DDR schwierig - angefangen bei den richtigen Klamotten. Erste Anlaufstelle für Hip-Hopper waren die Läden der "Jugendmode". Doch dort das Passende zu finden, war nicht leicht. "Turnschuhe waren natürlich ein Problem. Es gab einfach nie die richtigen", erinnert sich Bürger Lars Dietrich. "Wir haben dann natürlich immer versucht das nachzustellen: Wir haben weiße Turnschuhe genommen und schwarze Puma-Streifen drauf gemalt", ergänzt Jörg Müller aus Dresden.

Bürger Lars D. mooved mit Kassettenrekorder 1 min
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Nächstes Problem: Musik. West-Schallplatten waren auf dem Schwarzmarkt heiß begehrt. "Es gab so einen geheimen Plattenring. Da konnte man praktisch über dubiose Quellen Schallplatten kaufen", erinnert sich Jörg Müller. "Da kannte einer, der kannte einen, der kannte den Cousin von Schwager und dann bist du hin und hast gesagt, ich brauche unbedingt 'Rockit' von Herbie Hancock oder 'Planet Rock' von Africa Bamabataa. Für 100 Ostmark gab es eine Maxi mit zwei, drei Titeln drauf. Für 150 gab es eine LP."

Bürger Lars Dietrich
Bürger Lars Dietrich wurde 1973 in Potsdam geboren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kurz vor der Wende wurde Hip-Hop mit Breakdance, Rap und Grafitti im sozialistischen Staat doch noch salonfähig. Die DDR-Führung schmückte sich stolz mit dieser Jugendkultur, die sie nicht verhindern konnte. Mit dem Mauerfall zerfiel jedoch auch die Hip-Hop-Szene der DDR. "Hip-Hop im Osten war auf jeden Fall mehr als nur der peinliche Versuch, was nachzumachen", erzählt Bürger Lars Dietrich in der MDR-Dokumentation "Back in the days". Breakdancer, Musiker und Sprayer der damaligen Zeit berichten von Grafitti in der NVA, Schmuggelware aus dem Westen, selbstgestalteten Klamotten und von einer bunten Republik im grauen Alltag. Die Dokumentation präsentiert bisher nicht gezeigte Amateuraufnahmen aus den Anfängen bis hin zu den großen Fernsehshows der DDR gegen Ende der 1980er.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Back in the days | 23. November 2019 | 23:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. November 2019, 11:33 Uhr

Frank Salewski aus Stralsund versucht sich an einem Moove in der Turnhalle. 2 min
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