Der Osten – Entdecke, wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 17.03.2020 | 21:00 Uhr Hopfenland im Elbe-Saale-Winkel

Grünes Gold aus Prosigk

Er ist ein Kind des Kalten Krieges – der Hopfenanbau in Sachsen-Anhalt. Noch vor 75 Jahren wächst hier keine Dolde. Heute zählt die Landschaft zwischen Halle, Köthen und Bernburg zu den größten Hopfen-Anbaugebieten Europas. Die Reportage schaut zurück auf die weitgehend unbekannte Geschichte des Hopfens in Sachsen-Anhalt, begleitet ein Jahr lang den Anbau in einem der größten Hopfenbetriebe Deutschlands und beleuchtet die Wege des Grünen Goldes aus Sachsen-Anhalt in die ganze Welt.

1945 bringen böhmische Umsiedler den Hopfen aus der Tschechoslowakei in den Elbe-Saale Winkel mit und züchten ihn, mehr aus Sentimentalität in ihren Gärten. Das ändert sich mit der Gründung der DDR. Denn ab 1949 sind die ostdeutschen Bierhersteller von ihren traditionellen Hopfen-Lieferanten in Bayern abgeschnitten. Die DDR benötigt dringend eigenen Hopfen, um die Versorgung der Bevölkerung mit Bier sicherzustellen. Und so geht man auf die böhmischen Umsiedler zu. "Doch viele sträubten sich. Denn eigentlich wollte den Hopfen niemand gern machen. Es ist ein riskantes und kompliziertes Geschäft, alles ist pure Handarbeit bei Wind und Wetter", so Hopfenbauer Alfred Regner aus Prosigk.

Hopfenland Sachsen-Anhalt Auf dem Hopfenfeld unterwegs

Der Hopfen ist eine anspruchsvolle Pflanze, den Anbau beherrschen nur wenige Leute, darunter Alfred Regner, der "Hopfenkönig von Deutschland".

Ein Mann steht neben einem Traktor auf einem Hopfenfeld.
Alfred Regner ist "Hopfenkönig von Deutschland": Sein Familienunternehmen aus Prosigk bei Köthen ist einer der größten Produzenten für Hopfen in ganz Deutschland. Bildrechte: MDR/Peter Simank
Ein Mann steht neben einem Traktor auf einem Hopfenfeld.
Alfred Regner ist "Hopfenkönig von Deutschland": Sein Familienunternehmen aus Prosigk bei Köthen ist einer der größten Produzenten für Hopfen in ganz Deutschland. Bildrechte: MDR/Peter Simank
Drei Männer kontrollieren Hopfen auf Schädlinge
Den Anbau der Spezialkultur beherrschen nur wenige Leute. Will man davon leben, muss man ein Fuchs sein. Alfred Regner nennen viele einen der Besten in Sachen Hopfen. Bildrechte: MDR/Peter Simank
Hopfenzapfen.
Eine Hopfenpflanze liefert die Bitterstoffe für etwa 500 Liter Bier. Bildrechte: MDR/Peter Simank
Hopfenreihe auf einem Feld.
Der Hopfen gehört botanisch zur Familie der Hanfgewächse. Es gibt sowohl weibliche als auch männliche Pflanzen, wobei für den gewerbsmäßigen Anbau nur die weiblichen Hopfenpflanzen verwendet werden. Nur sie beinhalten die lupulinhaltigen und aromareichen Hopfendolden. Männlicher Hopfen wird nur zur Züchtung verwendet und muß aufgrund einer gesetzlichen Regelung vernichtet werden. Bildrechte: MDR/Peter Simank
Ein Hof mit angrenzendem Hopfenfeld.
Das ist der Hopfenhof Regner. Bildrechte: MDR/Peter Simank
Ein Hopfenfeld.
In den markanten bis zu 8 m hohen Gerüstanlagen in denen der Hopfen angebaut wird stehen ca. 4000 Hopfenpflanzen je ha. Gerüstanlagen müssen das Gewicht des Hopfens (bis zu 100 Tonnen je Hektar) auch bei Sturm und Regen halten. Bildrechte: MDR/Peter Simank
Ein Traktor erntet Hopfen.
Der Hopfen ist eine mehrjährige Pflanze der vegetativ aus sogenannten Hopfenfechsern vermehrt wird. Seine Lebensdauer kann bis zu 50 Jahren betragen, jedoch liefern neu angepflanzte Pflanzen erst im zweiten bis dritten Jahr einen Vollertrag. Bildrechte: MDR/Peter Simank
Ein Traktor fährt über ein Feld.
Der weibliche Hopfen bildet ab Juli seine Blütenstände aus, die sich bis zur Ernte Ende August zu Hopfendolden ausbilden. Wichtig ist dabei, dass die Blüten nicht befruchtet werden, da dies die Qualität des Hopfens erheblich beeinflussen würde. Je Hopfenrebe werden 5.000-10.000 solcher Dolden gebildet. Bildrechte: MDR/Peter Simank
Ein Mast mit Drähten sichert ein Hopfenfeld.
Deutschland ist hinter den USA der zweitgrößte Hopfenproduzent der Welt und exportiert 70 % seiner Ernte in über 100 Länder der Welt. Von der gesamten Hopfenernte werden 99 % zur Bierherstellung verwendet. Der Rest wird durch die pharmazeutische Industrie abgenommen, zum Beispiel für Beruhigungsmittel.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm:
Der Osten – entdecke, wo Du lebst | MDR FERNSEHEN | 17.03.2020 | 21:00 Uhr
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Letztendlich katapultiert ein Beschluss der DDR-Regierung den Anbau in die Höhe. Viele Landwirtschaftsbetriebe werden verpflichtet, Hopfen anzubauen. Ende der 1960er Jahre gehört die DDR bereits zu den bedeutendsten Hopfenproduzenten der Welt. Mit über 13 Dezitonnen pro Hektar liegt sie sogar über dem internationalen Durchschnitt und nutzt Überkapazitäten als lukratives Devisengeschäft. Zumindest beim Hopfen gibt es in der DDR keinen Mangel, auch wenn sich bis heute andersartige Gerüchte hartnäckig halten.

Hopfen 1 min
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Di 17.03.2020 14:00Uhr 01:21 min

https://www.mdr.de/sachsen-anhalt/video-391996.html

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"Es wurde keine Rindergalle verwendet. Das ist definitiv ein Märchen. Aber es wird noch immer von vielen Menschen so erzählt. Das kommt daher, dass man schon zu DDR-Zeiten keine Dolden, sondern Hopfen-Extrakt verwendet hat. Und der war in Dosen und sah dunkelgrün aus, genauso wie Rindergalle", sagt Petra Haase, Geschäftsführerin der Colbitzer Heide-Brauerei.

Ein Traktor fährt über ein Feld.
Der Hopfenbetrieb von Alfred Regner gehört zu den erfolgreichsten in Deutschland. Bildrechte: MDR/Peter Simank

1990, nach der Einheit Deutschlands, prognostizieren Fachleute, dass es in zwei Jahren keinen Hopfenanbau in den neuen Bundesländern mehr gibt. Zu stark die Konkurrenz vor allem aus Bayern. Doch viele Betriebe schaffen den Sprung in die freie Marktwirtschaft. Auch die Hopfen-Bauern aus Prosigk. Ihr Betrieb zählt heute zu den größten in ganz Deutschland. Das liegt auch daran, dass in den USA der Hopfen knapp wird. "Das Interesse an Hopfen nimmt derzeit stark zu", sagt Peter Hintermeier, Vorsitzender Deutscher Hopfenwirtschaftsverband e.V. "Vor allem durch das Craft-Beer-Segment. Dadurch wird die Nachfrage auf dem Weltmarkt mengen- und sortenmäßig mehr und mehr durch diese Bierbranche bestimmt."

Wenngleich Craft Beer nur acht Prozent des gesamten US-Bierkonsums ausmacht, verbrauchen seine Macher fast zwei Drittel der Hopfenernte. Denn die aromastarken Biere benötigen bis zehnmal mehr Hopfen als die Klassiker. Und so geht auch ein Großteil der Ernte aus Sachsen-Anhalt mittlerweile nach Amerika.

Die Reportage schaut zurück auf die weitgehend unbekannte Geschichte des Hopfens in Sachsen-Anhalt, begleitet ein Jahr lang den Anbau in einem der größten Hopfenbetriebe Deutschlands und beleuchtet die Wege des Grünen Goldes aus Sachsen-Anhalt in die ganze Welt. 

Ein Film von Peter Simank.

Quelle: MDR/jh

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten – Entdecke, wo Du lebst | 17. März 2020 | 21:00 Uhr

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