DDR-Nachrichtensprecher Klaus Feldmann wird 85

Mann mit Brille
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Mit unbewegtem Gesicht las er in der "Aktuellen Kamera" die Nachrichten vom Blatt. Heute findet der einstige Sprecher in der Haupt-Nachrichtensendung des DDR-Fernsehens Klaus Feldmann bei der Corona-Berichterstattung zu viel Deprimierendes. Seine Generation sei noch durch den Krieg geprägt, habe vieles durchgemacht und sei dadurch "ein bisschen härter", sagt der Ex-Sprecher im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Startbild Aktuelle Kamera
Pünktlich um 19:30 Uhr startete die "Aktuelle Kamera". Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der gelernte Buchdrucker, der in Berlin lebt, war von 1961 bis 1989 eines der Gesichter in der "Aktuellen Kamera". Nachrichten verfolgen und sich informieren - das sei nach wie vor wichtig für ihn, betont Feldmann. Er wolle keine Noten verteilen, aber von heutigen Sprechern gefalle ihm ARD-Nachrichtenmann Thorsten Schröder am besten. Der wirke sachlich, neutral und zeige kein Mienenspiel. Der Zuschauer könne sich so eher eine eigene Meinung bilden.

Jan Hofer (r) mit Klaus Feldmann am Rande der MDR-Talkshow 'Riverboat' am 28.11.2003 in Leipzig.
Klaus Feldmann zu Gast bei "Riverboat" (November 2003) Bildrechte: dpa

Gerade beim DDR-Rundfunk habe es auch "Staatstrompeten" gegeben, die hätten Meldungen über den Sozialismus so gesprochen, als würde eine rote Fahne gleich mit auf den Tisch gestellt, meint Feldmann im Rückblick. Er habe versucht, sich eine "gewisse Neutralität" zu bewahren. Bis zum September 1989 arbeitete Feldmann als Sprecher beim DDR-Fernsehen. Nach dem Mauerfall war er in der Pressestelle einer Gewerkschaft sowie Sprecher bei lokalen Fernsehsendern in Brandenburg. Zu früheren Sprecher-Kollegen habe er nur wenig Kontakt, sagt Feldmann. "Die wollen meist mit der Zeit nichts mehr zu tun haben, wollen nicht erinnert werden."

Klaus Feldmann, deutscher Journalist und einstiger Sprecher im DDR-Fernsehen, steht bei einem Fototermin auf einem Gehweg.
Klaus Feldmann 2021 Bildrechte: dpa

Zuletzt hatte Feldmann 2016 mit "Verhörte Hörer" Anekdoten über Kollegen aus Rundfunk und Fernsehen und sich selbst zusammengetragen, die im Sozialismus eigentlich nie passieren sollten. So sorgten die "demokratische Hodenreform", "bunte Transparente und Bruchbänder" oder das "Pilotbüro der SED" für Lacher. Dass solche Versprecher bei Zuhörern und Zuschauern in der DDR oft als Komik ankamen, sei aber nur eine Seite gewesen. Etliche Kollegen hätten ständig Angst gehabt, dass ihnen der Zungensalat politisch negativ ausgelegt wird, schrieb Feldmann.

Seine Familie, Frau, Kinder und Enkelkinder halten ihn jung, wie Feldmann versichert. Es sei immer etwas los. "Mir geht es ganz gut, ich habe zwar ein paar Zipperlein, die beachte ich aber nicht groß, die sind nicht lebensgefährlich", so der einstige Nachrichten-Profi nach überstandenen Krankheiten. "Ich guck nicht pausenlos in mich hinein."

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Fernsehen: MDR um 4 | 24.03.2021 | 16:00 Uhr

Demonstranten mit Plakat in der Hand 45 min
Montagsdemonstration in Leipzig am 16.10.1989 mit der Forderung nach „Reise- Presse- Meinungsfreiheit“ Bildrechte: MDR/Universitätsarchiv Leipzig/Armin Kühne