Kleinstadthelden Langenweddingen: Wie ein Förderverein das "schönste Freibad der Welt" gerettet hat

Das Freibad in Langenweddingen stand 2012 vor dem Aus: Die Kosten waren für die Gemeinde einfach zu hoch. Einige engagierte Bürger wollten das nicht hinnehmen – und retteten das Freibad vor seiner dauerhaften Schließung. Seitdem kümmern sie sich Jahr für Jahr liebevoll um das "schönste Freibad der Welt".

Ein Mann hockt in einem flachen Becken eines Freibades und lächelt in die Kamera, im Hintergrund planschen Kinder.
"Das schönste Freibad der Welt": Norbert Dregger ist Chef des Fördervereins Freibad Langenweddingen. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Diese Erfolgsgeschichte beginnt mit einem Dämpfer. Am 19. April 2012 – es ist ein Donnerstag – ist das Freibad in Langenweddingen so gut wie begraben. Nach 84 Jahren. Zu teuer, als dass die Gemeinde Sülzetal es weiter betreiben könnte. Der Gemeinderat macht sich die Entscheidung an diesem Abend nicht leicht – wohlwissend, wie wichtig das Freibad für den 2.000-Einwohner-Ort im Landkreis Börde ist. Entsprechend knapp fällt am Ende die Abstimmung der Gemeinderäte aus. Doch knapp verloren ist auch verloren.

Das war's also mit dem Freibad, denkt sich so mancher. Nicht mit uns, denken sich einige engagierte Bürger der Gemeinde Sülzetal – und beschließen, das Freibad mit Hilfe eines Fördervereins wieder zum Leben zu erwecken.

Wir dachten uns: Das kann's nicht sein. So ein Kleinod muss man erhalten. Seitdem pflegen und finanzieren wir das Freibad mit viel Freude und Engagement.

Norbert Dregger Vorsitzender des Fördervereins Freibad Langenweddingen

Gut acht Jahre später erscheint die Erzählung von der Freibadschließung fast wie eine Geschichte aus einer anderen Zeit. Es läuft gut im Freibad in Langenweddingen – dem "schönsten Freibad der Welt", wie Norbert Dregger es nennt. Dregger ist einer der engagierten Bürger, die die Freibadschließung 2012 nicht hinnehmen wollten. Stattdessen gründeten er und Christian Bütow den Förderverein – und machten das Freibad nach einem Sommer ohne Planschen im Jahr 2013 wieder auf.

Blick auf ein Becken im Freibad in Langenweddingen
Strahlend blau: Im Freibad Langenweddingen kann seit 2013 wieder geplanscht und geschwommen werden. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Von Jung bis Alt: Förderverein hat 200 Mitglieder

200 Mitglieder hat der Förderverein inzwischen – das jüngste Mitglied ist sechs Jahre alt, das älteste 80. Die meisten von ihnen wissen: Ein Freibad zu betreiben, ist teuer. 40.000 Euro fallen pro Saison an, gut die Hälfte davon deckt der Förderverein mit Einnahmen aus Spenden oder von Sponsoren. Ohne Spenden würde all das sowieso nicht funktionieren, weiß Norbert Dregger. Das neue Toilettenhäuschen ist das beste Beispiel. 100.000 Euro hat es gekostet. Finanziert wurde es zu 100 Prozent aus Spenden – und, na klar, mit viel ehrenamtlicher Arbeit.

Der Förderverein hat nie einen Hehl daraus gemacht, mit dem Freibad einen Ort für Jung und Alt schaffen zu wollen. Einen Ort, an dem Kinder schwimmen lernen, Sport machen, sich austoben, Kontakte pflegen. Einen Ort, an dem sich auch ältere Menschen wohlfühlen – einen Ort, an dem das Zusammenleben funktioniert.

Eine junge Frau sitzt angelehnt an ihre Oma im Freibad in Langenweddingen.
Brigitte Seiz hat ihre Enkelin Rica mit ins Freibad Langenweddingen gebracht. Bildrechte: MDR/Olga Patlan

Brigitte Seiz ist in Langenweddingen groß geworden. Im Freibad fühlt sie sich noch immer wohl – und freut sich, wie der Förderverein die Badeanstalt weiterentwickelt hat. Die Strandbar? Super, findet Seiz. Das Ambiente? Lädt ein. Die Erinnerungen? Werden sowieso immer bleiben.

Norbert Dregger freut sich, wenn er so etwas hört. Seine Mitstreiter und er wissen dann, dass es richtig war, das Bad 2012 vor dem Aus zu retten. "Wenn jeder das macht, was er gut kann, funktioniert auch ein freiwilliges Projekt und kann zu einem Erfolgsprojekt werden", sagt er. Und was ist der größte Dank für all die Arbeit in der Freizeit? Norbert Dregger antwortet ohne Zögern: "Das Lachen der Kinder im Wasser."

1928 eröffnet: Die Geschichte des Freibades in Langenweddingen

Historische Aufnahme des Freibades in Langenweddingen
Schon immer beliebt: Das Bild zeigt eine Schulklasse 1939 beim Schwimmen im Freibad in Langenweddingen. Bildrechte: Nowitzki

Die Geschichte des Freibades in Langenweddingen beginnt noch weit vor dem Zweiten Weltkrieg. 1927 fällt bei einem Gespräch des Langenweddinger Amtsvorstehers Plümecke und der Bürgerschaft der Entschluss, ein Schwimmbad zu schaffen. Weit und breit gibt es damals nämlich keine andere Freibadeanstalt, geht aus der Chronik hervor. Die Idee ist geboren, ein Jahr später öffnet auf der "Bullenwiese" das Freibad in Langenweddingen.

Vier Monate wurde seinerzeit gebaut, im April 1928 weien Schwimmer die idyllisch gelegene Badeanstalt ein. Noch heute ist das Bad auch über Langenweddingen hinaus beliebt. Regelmäßig kommen Gäste aus Osterweddingen, Sülldorf, Dodendorf oder gar aus Magdeburg.

Quelle: MDR/ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 12. Juni 2020 | 19:00 Uhr