Der Osten – Entdecke wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 23.07.2019 | 21:00 Uhr Kohle, Kumpel, Kapitäne – Der Wandel im Geiseltal

Der Bergbau prägte die Landschaft und das Leben der Menschen im Geiseltal. Jetzt schippern Boote über den See. Winzer legen auf einer früheren Abraumhalde einen Weinberg an. Das alles ist Teil des Wandels im Geiseltal.

Der Hafen in Braunsbedra
Der Hafen in Braunsbedra – er ist nach der Marina Mücheln der zweite Hafen, der am Geiseltalsee entstanden ist. Der ehemalige Tagebau ist heute ein attraktives Erholungsgebiet. Bildrechte: MDR/Angela Thieme

Der Bergbau prägte die Landschaft und das Leben der Menschen im Geiseltal – 295 Jahre lang. Sie waren stolz darauf, Bergleute zu sein. Sie schätzten Kollegialität und Zusammenhalt. Dafür nahmen sie Lärm und Schmutz in Kauf, die der Bergbau mit sich brachte. Dafür nahmen sie in Kauf, dass 16 Dörfer der Kohle weichen mussten, dass der Bergbau das Gesicht des Geiseltales für immer veränderte. "Wir haben damit gelebt – und sind gern auf Arbeit gegangen", erinnert sich Ingrid Funka. Sie bediente einst einen der riesigen Kohlebagger im Tagebau und war, mit 19 Jahren, die jüngste Baggerführerin der DDR.

Ein Viertel der 8.000 Beschäftigten im Braunkohlenkombinat Geiseltal waren Frauen. Sie fuhren die Loks der Kohlezüge, arbeiteten als Schlosserinnen auf gigantischen Baggern, bedienten schwere Maschinen. Selbst die Leitung des Kombinats lag in den Händen einer Frau. "Die Frauen haben im wahrsten Sinne des Wortes 'ihren Mann' gestanden. Davor kann man nur den Hut ziehen", erzählt Axel Himmel. Er war Ingenieur im Braunkohlenkombinat Geiseltal und setzte die Bergbautradition seiner Familie fort.

Von Menschen, ihrer Heimat und ihren Geschichten

Zu Beginn der 1990er-Jahre änderte sich die Situation dramatisch: Das mit 100 Metern einst mächtigste Braunkohleflöz der Welt war "ausgekohlt". Am 30. Juni 1993 verlässt der letzte Zug mit Braunkohle den Tagebau Mücheln. Zurück bleibt eine Mondlandschaft. 48 Quadratkilometer voll Brachen und zum Teil gefährlicher Altlasten. Zurück bleiben auch tausende Menschen, die plötzlich keine Arbeit mehr haben und vor einer ungewissen Zukunft stehen. "Es war traurig, eine harte Zeit", sagt Ingrid Funka heute.

Die Menschen im Geiseltal aber gaben nicht auf, sondern nahmen ihre Geschicke in die Hand. Mit vielen Visionen und mit noch mehr Mühe und Arbeit begannen sie, ein kleines Paradies zu schaffen, das sich heute – 25 Jahre später – an den Ufern des größten künstlichen Sees Deutschlands erstreckt. Nach Jahren der Flutung füllt nämlich inzwischen der Geiseltalsee den Tagebau – und verwandelt die einst in der Landschaft klaffende Wunde in die denkbar schönste Narbe.

Von Kohle, Kumpel und Kapitäne

Tagebau und Industrie bestimmten jahrzehntelang die Landschaft im Geiseltal.
Tagebau und Industrie bestimmten jahrzehntelang die Landschaft im Geiseltal. Bildrechte: TV Omega
Tagebau und Industrie bestimmten jahrzehntelang die Landschaft im Geiseltal.
Tagebau und Industrie bestimmten jahrzehntelang die Landschaft im Geiseltal. Bildrechte: TV Omega
Edelgard Schmidt, Annemarie König und Ingrid Funka haben im Braunkohlenkombinat Geiseltal gearbeitet.
Edelgard Schmidt, Annemarie König und Ingrid Funka haben alle im Braunkohlenkombinat Geiseltal gearbeitet (v.l.). Bildrechte: MDR/Angela Thieme
Winzer Lars (links) und Rolf Reifert bauen Wein auf einer ehemaligen Kohlehalde am Geiseltalsee an.
Die Winzer Lars und Rolf Reifert begannen im Jahr 2000 mit dem Anbau von Wein auf einer ehemaligen Kohlehalde am heutigen Geiseltalsee. Bildrechte: MDR/Angela Thieme
Rolf Reifert am Informations- und Besucherzentrum
Rolf Reifert am Informations- und Besucherzentrum, dessen Bau er initiiert hat. Der Geiseltalsee liegt am Jakobsweg. Bildrechte: MDR/Angela Thieme
Geiseltaler Musikanten in Bergmanns-Uniform
Die Geiseltaler Musikanten in Bergmanns-Uniform. Orchester und Chöre halten bis heute im Geiseltal die Bergbau-Tradition aufrecht. Bildrechte: MDR/Angela Thieme
Thomas Tribulowski war einst Hydrologe im Tagebau Geiseltal.
Thomas Tribulowski war einst Hydrologe im Tagebau Geiseltal – und war beteiligt an den Vorbereitungen zur Umwandlung von der Kohlegrube in einen See. Heute schippert er mit seinem Fahrgastschiff "Felix" Besucher über den Geiseltalsee. Bildrechte: MDR/Angela Thieme
Ulrike Vogel wuchs in Mücheln auf.
Ulrike Vogel wuchs in Mücheln auf, ging 1999 zum Studium weg aus dem Geiseltal. Dass dort ein See entstehen sollte, konnte sie sich damals kaum vorstellen. Inzwischen lebt und arbeitet sie wieder in der Region und freut sich, was aus dem früheren Tagebau geworden ist. Bildrechte: MDR/Angela Thieme
Henry Daute fuhr in den 1980er-Jahren Kohle- und Abraumzüge aus dem Tagebau.
Henry Daute fuhr in den 1980er-Jahren Kohle- und Abraumzüge aus dem Tagebau. Bis heute arbeitet er als Lokführer – inzwischen bei der Anschlussbahn der Leuna-Werke. Bildrechte: MDR/Angela Thieme
Der Hafen in Braunsbedra
Der Hafen in Braunsbedra. Er ist nach der Marina Mücheln der zweite Hafen, der am Geiseltalsee entstanden ist. Der ehemalige Tagebau ist heute ein attraktives Erholungsgebiet.

Dieses Thema im Programm:
MDR FERNSEHEN | Der Osten – entdecke, wo Du lebst | 23. Juli 2019 | 21 Uhr

Quelle: MDR/jr
Bildrechte: MDR/Angela Thieme
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Heute trifft man dort einen Hydrologen aus dem Tagebau, der die Entstehung des Sees vorbereitete und jetzt als Kapitän Passagiere über den See schippert. Oder die Winzerfamilie Reifert, die vor fast 20 Jahren den Mut hatte, auf einer früheren Abraumhalde einen Weinberg anzulegen. Und selbst an die verschwundenen Dörfer des Geiseltales wird heute auf ganz besondere Weise erinnert ...

Von Menschen, ihrer Heimat und ihren Geschichten, von Kohle, Kumpeln und Kapitänen erzählt dieser Film von Sven Stephan und Holger Schmidt.

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Quelle: MDR/jr

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten – entdecke, wo Du lebst | 23. Juli 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2019, 08:31 Uhr

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