Westhalle
Bildrechte: MDR/Daniel Reiche

Der Leipziger Hauptbahnhof

Ob Abschied oder erster Kuss, mit Rosen oder Liebeskummer – der Leipziger Hauptbahnhof schreibt unglaubliche Geschichten, Tag für Tag, 24 Stunden. Der MDR-Film "Leipziger Hauptbahnhof - 24 Stunden" geht auf Entdeckungsreise an einen Ort, der ebenso geschichtsträchtig wie geheimnisvoll unser Leben spiegelt.

Westhalle
Bildrechte: MDR/Daniel Reiche

Seit über 100 Jahren ist der Leipziger Hauptbahnhof nicht nur einer der schönsten Kopfbahnhöfe Europas, sondern mit seinen mehr als 83.000 Quadratmetern Fläche. Seine Fassade, die zur Innenstadt ausgerichtet ist, misst beinahe 300 Meter. Eine Kathedrale des Verkehrs. Doch wer sind die Menschen, die an diesem besonderen Ort Weichen stellen, Sicherheit garantieren und abseits des Reiseverkehrs nahezu alles anbieten, was Leib und Seele zusammenhält?

Verkehrsknotenpunkt und Konsumtempel

Der Bahnhof ist das Herz der Stadt, und es schlägt rund um die Uhr. Nachts mit ruhigerem Puls - doch schon im Morgengrauen dafür gerüstet, mehr als 120.000 Reisende tagtäglich zu empfangen, zu versorgen und sicher weiterzubefördern. Aber der Bahnhof ist nicht nur Verkehrsknotenpunkt, sondern auch Konsumtempel. Seit der umfangreichen Sanierung des Bahnhofs in den 1990er-Jahren kam im Querbahnsteig ein Einkaufszentrum mit über 140 Shops und Restaurants hinzu.

Ein Doppelbahnhof als Kompromiss

Entwickelt hat sich der Leipziger Eisenbahnknoten ab 1839, als die Leipzig-Dresdener-Eisenbahn ihre Strecke eröffnet. Drei Bahnhöfe entstehen in unmittelbarer Nachbarschaft: der Dresdner, der Magdeburger und der Thüringer Bahnhof.

Straßenleben vor dem Magdeburger (links) und Dresdner Bahnhof in Leipzig um 1900. An dieser Stelle befindet sich heute der Hauptbahnhof.
Straßenleben vor dem Magdeburger (links) und Dresdner Bahnhof in Leipzig um 1900. Bildrechte: IMAGO

Da Leipzig wächst, entsteht ab Ende des 19. Jahrhunderts die Idee zu einem zentralen Bahnhof. Streitigkeiten zwischen der sächsischen und preußischen Staatsbahn enden in einem Kompromiss: ein Doppelbahnhof mit zwei getrennten Verwaltungen, zwei Eingangshallen und sogar getrennten Gleisen.

Errichtet in sumpfigem Gelände auf über 3.000 Gründungspfählen aus Stahlbeton, gilt der Bahnhof schon damals als architektonische Meisterleistung. Am 4. Dezember 1915 eingeweiht, ist er mit stolzen 31 Gleisen einer der größten Bahnhöfe der Welt. Im Zweiten Weltkrieg wird das Gebäude durch Bombenangriffe stark zerstört, und der Wiederaufbau des Bahnhofs nach Kriegsende ist mühsam. Über 30.000 Tonnen Schutt müssen weg, und die Bahnsteighalle bleibt noch lange ohne Dach.

Der Hauptbahnhof auf historischen Fotos

Historische Bilder Hauptbahnfof Leipzig
Am 4. Dezember 1915 wurde der Bahnhof nach dem Entwurf "Licht und Luft" der Architekten William Lossow und Max Heinz Kühne eingeweiht. Schon der Wartesaal 2. Klasse glich einem Festsaal. Bildrechte: Deutsche Bahn AG
Historische Bilder Hauptbahnfof Leipzig
Am 4. Dezember 1915 wurde der Bahnhof nach dem Entwurf "Licht und Luft" der Architekten William Lossow und Max Heinz Kühne eingeweiht. Schon der Wartesaal 2. Klasse glich einem Festsaal. Bildrechte: Deutsche Bahn AG
Leipzig Hauptbahnhof historisch
Blick in die Osthalle Bildrechte: IMAGO
Historische Bilder Hauptbahnfof Leipzig
Empfangsgebäude und Bahnhofsvorplatz des Leipziger Hauptbahnhofes ca. 1927: Straßenbahnen, Fuhrwerke und Automobile prägten das Straßenbild. Bildrechte: Deutsche Bahn AG
Historische Bilder Hauptbahnfof Leipzig
Die Expressgutabfertigung am Leipziger Hauptbahnhof 1931. Bildrechte: Deutsche Bahn AG
Historische Bilder Hauptbahnfof Leipzig
Zwischen 1943 und 1945 wurde das Bauwerk durch mehrfache Bombenangriffe in einen gigantischen Trümmerhaufen verwandelt. Der Wiederaufbau dauerte bis 1965. Im Jahr 1959 waren die Bauarbeiten, wie auf dem Bild zu sehen, voll im Gange. Bildrechte: Deutsche Bahn AG
Historische Bilder Hauptbahnhof Leipzig
Der morgendliche Berufsverkehr im Hauptbahnhof in den frühen 1960er-Jahren. Bildrechte: Deutsche Bahn AG
Historische Bilder Hauptbahnfof Leipzig
Nach langen Jahren des Verfalls in der DDR wurde der Hauptbahnhof nach der Wiedervereinigung saniert und umgestaltet. Der Blick in Ost-West-Richtung eröffnet dem Betrachter eine ungewöhnliche Perspektive der Bahnsteighallen. Bildrechte: Deutsche Bahn AG
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Von Anfang an dabei

Die Hanischs und ihre Blumen gehören seit sechs Generationen zum Leipziger Hauptbahnhof. Ihr Blumenladen ist das älteste Geschäft an diesem Ort und längst eine Institution. Schon der Blumenschmuck anlässlich der Einweihung des neuen Leipziger Hauptbahnhofs 1915 durch König Friedrich August III. von Sachsen stammt von den Hanischs.

Bereits 1912 eröffnen sie erst in der Westhalle, 1916 dann in der Osthalle je einen Blumenkiosk. 1943 werden die Verkaufsstellen durch Bombenangriffe zerstört, aber schon wenige Wochen später verkaufen die Hanischs wieder. Nach dem Krieg werden die Bedingungen, das Blumengeschäft weiterzuführen, immer schwieriger. Die Familie flüchtet Mitte der 1950er-Jahre in den Westen und eröffnet ein Geschäft auf dem Frankfurter Hauptbahnhof. Das Blumengeschäft im Leipziger Hauptbahnhof betreibt in der DDR eine Produktionsgenossenschaft, aber die Leipziger nennen es weiterhin "Blumen-Hanisch". 1993 zieht das Familienunternehmen wieder im Leipziger Hauptbahnhof ein.

Ich glaube schon, dass die Großmutter froh war, dass mein Vater das Geschäft mit großer Tatkraft übernahm. Und ich glaube schon, dass alles im Sinne der Generation so fortgeführt wurde.

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Zuletzt aktualisiert: 15. April 2019, 10:19 Uhr

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Leipzig Hauptbahnhof historisch
Am 4. Dezember 1943 ist es aus mit der neuen Leipziger Pracht. Just am 28. Geburtstag treffen erste Bomben den Bahnhof; im Juli 1944 versinkt er endgültig in Schutt und Asche und muss in den Nachkriegsjahren mühsam wieder aufgebaut werden. Bildrechte: IMAGO