Leipziger Forscher empfiehlt Spaziergänge

Der Leipziger Spaziergangforscher Bertram Weisshaar plädiert in der Corona-Krise für regelmäßige Fußmärsche im Freien. Das müsse nicht immer in Parks oder im Wald sein, auch ein Weg ins Gewerbegebiet könne interessant sein, sagte Weisshaar dem Berliner "Tagesspiegel".

Zwei Frauen gehen in großem Abstand voneinander spazieren
10.000 Schritte täglich empfiehlt die WHO. Bildrechte: MDR/Isabelle Fleck

"Ein guter Start ist es sicher, sich mal die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO vorzunehmen und täglich mindestens 8.000, besser 10.000 Schritte zurückzulegen", so der Buchautor weiter. Gerade Menschen, die ihre Wege permanent mit dem Auto und der Bahn zurücklegen, würden merken, dass man einiges im Alltag ändern muss, um 8.000 Schritte zu erreichen. "Wer öfter im Alltag zu Fuß unterwegs ist, wird merken, wie viel Spaß es macht und wie gut es tut, der geht dann auch gerne mal einen Spaziergang", sagte Weisshaar.

Der Forscher verwies darauf, dass das Spazierengehen ab Beginn des 19. Jahrhunderts dank zunehmender Arbeitsteilung und Industrialisierung entstanden ist, weil das städtische Bürgertum es sich leisten konnte, freie Zeit zu haben: "Man promenierte und demonstrierte damit einen Zeitreichtum."

Reich ist heute, derjenige, der es sich leisten kann, die Wege zu Fuß zu absolvieren.

Bertram Weisshaar
Der Leipziger Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar.
Der Leipziger Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar. Bildrechte: dpa

Ähnlich sei auch heute wieder, auch wenn es nicht bewusst wahrgenommen werde, so der Forscher: "Wenn ich mit jemanden darüber spreche, dass es schöner ist, Wege zu Fuß zu gehen, statt zu fahren, höre ich oft die Standardausrede: Das kann ich mir nicht leisten, so viel Zeit habe ich nicht." Die Zeit des Autos als Statussymbol sei vorbei. "Heute ist reich, wer es sich leisten kann, die Wege zu Fuß zu absolvieren", sagte Weisshaar.

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: MDR um 4 | 20.04.2020 | 16:00 Uhr