Musikdoku Wie in Lugau DDR-Musikgeschichte geschrieben wurde

Alexander Kühne, der zu DDR-Zeiten Punk-Konzerte organisierte, zeigt im Haus der Brandenburgisch-Preuߟischen Geschichte in Potsdam eine Lederjacke, die er selbst aus einem alten Mantel schneiderte.
Autor Alexander Kühne, Gründer des Jugendklubs "Extrem" Bildrechte: dpa

Lugau im Süden Brandenburgs, an der Grenze zu Sachsen. Provinz, wie man sie sich vorstellt. Nach Dresden fährt man über eine Stunde, nach Berlin fast zwei. Wer in den 80ern seine Jugend in Lugau verbringt, muss sich etwas einfallen lassen. Und das tut Alexander Kühne auch. Nach der Lehre in einer Schraubenfabrik arbeitet er auf einem Kohleplatz, bei der Staatlichen Versicherung und verkauft Modelleisenbahnen. Gleichzeitig organisiert er mit Freunden in seinem Heimatdorf Konzerte mit Bands der DDR-Punk- und New-Wave-Szene. "In den 80ern war das hier ein absoluter Hotspot", erinnert sich Kühne. "Tausende Musikbegeisterte aus der ganzen DDR, aus Dresden, Berlin oder anderen Städten, pilgerten hier her, um sich angesagte Untergrund-Combos anzuschauen. Außerdem wurde exzessiv gefeiert."

In Berlin war alles überwacht und beobachtet. Auf dem Dorf konnten wir machen was wir wollten.

Christian "Flake" Lorenz, Musiker
Zwei Musiker der Gruppe "Rammstein" sitzen an einem Tisch 5 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Dorfkneipe im brandenburgischen Lugau.
Im einstigen Jugendklub "Extrem" ist heute eine Kneipe. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Feeling B", "Sandow" und "The Waltons", dazu etliche Szenebands, die heute nur noch echten Experten etwas sagen: Fast alle Musiker, die Kühne und seine Freunde anfragten, kamen nach Lugau. Schließlich hatte der Club "Extrem" schnell Kultstatus, was auch die Staatsgewalt auf den Plan rief. Seine Erinnerungen hat Alexander Kühne 2016 als Roman veröffentlicht. Das Buch "Düsterbusch City Lights" erzählt von einer ganzen Generation, nämlich von der proletarischen Jugend auf dem Land, die sich schon in den frühen 80er-Jahren emotional von der DDR verabschiedet hat und eine eigene Subkultur entwickelte. Es geht um junge Menschen wie Alexander Kühne, die weder aus der DDR flohen noch sie bekämpften - sondern sie einfach ignorierten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Lugau City Lights | 21. November 2019 | 23:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 10:06 Uhr

"Lugau City Lights" - die Doku zum Buch

Jugendclub + Video
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
MDR FERNSEHEN Do, 21.11.2019 23:35 00:28

Lugau City Lights

Lugau City Lights

Ein DDR Dorf schreibt Popgeschichte

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand