Runder Geburtstag Skisprung-Weltmeister Manfred Deckert feiert 60. Geburtstag

Vom Mittelfinger an die DDR-Führung bis zum Olympiatreppchen - Manfred Deckert wird am Mittwoch (31.3.) 60 Jahre alt. Das frühere Skiprung-Flagschiff der DDR ist inzwischen Oberbürgermeister von Auerbach, seine Siege tun aber heute immer noch Gutes.

Manfred Deckert, Oberbürgermeister Auerbach
Bildrechte: MDR/HagenHartwig

Manfred Deckert segelte früher über die Schanzen der Republik, mittlerweile regiert er seit 2008 als Oberbürgermeister das Städtchen Auerbach im Vogtland. Um für so einen Job fit zu sein hat Deckert schon früh trainiert: Ausdauer, Disziplin und ein breites Kreuz habe ihn der Sport gelehrt.  

Unbequemer Sportler

Das breite Kreuz sollte nicht erst als Politiker nützlich werden: Als seine Leistungen zwischenzeitlich durchwachsen waren, legte die DDR-Sportführung ihm den sofortigen Rücktritt nahe. "Ich habe es nicht gemacht und musste danach immer besser sein als die anderen. Gleich 16 Inoffizielle Mitarbeiter der Staatssicherheit hatten ein Auge auf mich" berichtet Deckert. Zwei Jahre später wurde er aber trotz neuem Schanzenrekord und einigen Siegen nicht mehr für die Olympischen Spiele in Sarajevo nominiert. Das hat ihn so geärgert, dass ihm auf den DDR-Meisterschaften neben einem breiten Kreuz auch der Mittelfinger in Richtung Sportführung aus der Faust wuchs.

Manfred Deckert 1985 beim Skisprung
Manfred Deckert bei der WM 1985 Bildrechte: imago images / WEREK

Sein Vater, ein Sportlehrer,  hat den jungen Manfred früh auf den Trimm-dich-Pfad gebracht. Der führte dann auch bald auf eine Kinder- und Jugendsportschule, die in der DDR so einige erstklassige Athlet:innen hervorgebracht haben. Das schulische Sportprogramm in Klingenthal hat sich gelohnt: Olympisches Silber in den USA, Weltcupsieg in Österreich und Gewinner der Vierschanzentournee - da kommt einiges an Edelmetall zusammen.

Manfred Deckert (mitte) / Gewinner Vierschanzentournee 1982
Manfred Deckert (mitte), Gewinner der Vierschanzentournee 1982 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Fast alles Gold, was glänzt

Die ganzen Auszeichnungen können mehr tun als einfach schön aussehen - zum Beispiel helfen: 10.000 Euro für Kindereinrichtungen in Auerbach gab es 2008 für seine olympische Silbermedaille.“Ich habe viel bekommen und will deshalb auch etwas geben“ begründet er seinen Entschluss, seine Auszeichnungen zu verkaufen.

Manfred Deckert
Manfred Deckert mit seinem "Goldenen Adler" von der Vierschanzentournee Bildrechte: MDR/Bernd Schädlich

Aus Gold Geld zu machen war auch das Credo im Januar 2021 als er den "Goldenen Adler" – die Siegertrophäe der Vierschanzentournee - versteigert hat. Mit zusätzlichen Spenden kamen so sage und schreibe 65.000 Euro zusammen. Mit dem Erlös hat Deckert durch die Corona-Krise besonders Betroffene unterstützt.

Der Deck ist Oberbürgermeister geworden, weil er bei uns gelernt hat. Er ist ein liebenswerter Chaot, der mit einer gewissen Leichtigkeit und Unbekümmertheit zu jeder Schandtat bereit ist und sein Ziel mit aller Konsequenz verfolgt.

Alexander Ziron, Geschäftsführer VSC Klingenthal dpa

Zum Geburtstag wünscht Deckert sich zu allererst natürlich Gesundheit für seine Familie: "Meine Eltern sind bald 88 und 89, da schaut man gerade in diesen Wochen genau hin", aber die sportlichen Ambitionen kommen auch nicht zu kurz: Er hoffe, dass bald ein Mitglied seines Vereins, des VSC Klingenthal, der ihn damals groß gemacht hat, mal wieder den Weg ganz nach oben schafft.

Quellen: dpa/MDR