Vor 1.000 Jahren wurde der Merseburger Dom geweiht

"Ben zibena, bluot zibluoda, lid zigeliden, sosegelimida sin". So lauten die Schlussworte der Merseburger Zaubersprüche auf Althochdeutsch. Übersetzt heißt das: "Knochen zu Knochen, Blut zu Blut, Glied zu Glied! So seien sie zusammengefügt!" Die Fußverletzung eines Pferdes sollte mit diesen Worten geheilt werden. Die Sprüche, die im 19. Jahrhundert im Merseburger Domkapitel gefunden wurden, gelten als die einzigen in Deutschland erhaltenen heidnischen Beschwörungsformeln. Sie wurden vor mehr als 1.000 Jahren von einem Mönch aufgeschrieben und erst vor 180 Jahren im Domstiftsarchiv wiederentdeckt. Zum 1.000-jährigen Jubiläum der Merseburger Dom-Weihe am 1. Oktober können die auf Pergament verewigten Verse ausnahmsweise im Original in der Marienkapelle der Kathedrale besichtigt werden.

Stadtansicht Merseburg - Merseburger Dom St. Johannes und St. Laurentius Straße der Romanik einstige Pfalz- und Bischofsstadt Merseburg
Stadtansicht von Merseburg - Merseburger Dom St. Johannes und St. Laurentius Bildrechte: imago images / Steffen Schellhorn

Merseburg wurde zum Lieblingsort des Kaisers

Der Grundstein für die Kirche wurde 1015 durch Bischof Thietmar von Merseburg gelegt, einen der berühmtesten Chronisten des Mittelalters. Nach nur sechs Jahren Bauzeit erfolgte 1021 die Weihe. Den Aufstieg zu einem der bedeutendsten Kathedralstandorte ist Kaiser Heinrich II. zu verdanken. Er erklärte ihn der Überlieferung nach zu seinem Lieblingsort und hielt sich mit seiner Gemahlin Kunigunde häufig dort auf.

Innenansicht des Merseburger Doms.
Blick in den Merseburger Dom Bildrechte: MDR/Christiane Fritsch

Zur romantischen Neigung gesellte sich allerdings auch politisches Kalkül: Mit einem starken Merseburg festigte Heinrich seine Macht im Osten des Reiches. Damit einher ging die Errichtung eines geistlichen Zentrums. Entsprechend stellte Heinrich zunächst 1006 das alte Bistum Merseburg wieder her, gab den Auftrag zum Bau eines repräsentativen Doms und förderte ihn mit reichen Schenkungen. Der später heilig gesprochene Kaiser stattete Domschatz und Dom mit prächtigen Kunstwerken aus. Seit 1002 war er 29 Mal in Merseburg und ließ es sich auch nicht nehmen, zur Weihe des Doms am 1. Oktober 1021 persönlich zu erscheinen.

Impressionen vom Merseburger Dom

Lassen Sie sich vom Merseburger Dom verzaubern! Hier finden sie einige Ansichten vom Gotteshaus.

Merseburger Dom
Vor 1000 Jahren wurden die Grundsteine zum Merseburger Dom gelegt, der heute zu den bedeutendsten Kathedralbauten Deutschlands zählt. Bildrechte: Saskia Barthel
Merseburger Dom
Vor 1000 Jahren wurden die Grundsteine zum Merseburger Dom gelegt, der heute zu den bedeutendsten Kathedralbauten Deutschlands zählt. Bildrechte: Saskia Barthel
Merseburger Dom
Der Kreuzgang des Merseburger Doms ist bereits um 1150 entstanden. Urkundlich erwähnt wurde er erstmals im ausgehenden 12. Jahrhundert, als Dompropst Berthold eine hier befindliche liturgische Lampe mit einer Stiftung bedachte. Bildrechte: Saskia Barthel
Details aus dem Merseburger Dom
Ein Detail aus dem Kreuzgang. Bildrechte: Saskia Barthel
Details aus dem Merseburger Dom
Der Marienaltar im Dom.... Bildrechte: Saskia Barthel
Details aus dem Merseburger Dom
...und der heilige Laurentius, ein Namensgeber des Gotteshauses. Bildrechte: Saskia Barthel
Details aus dem Merseburger Dom
Das Laurentius Chorgestühl im Inneren des Doms. Bildrechte: Saskia Barthel
Details aus dem Merseburger Dom
Die Vorhalle stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und war ursprünglich eine Verlängerung des Langhauses. Noch heute erkennt man den Charakter der Basilika des alten Doms.  Bildrechte: Saskia Barthel
Merseburger Dom
Der Merseburger Dom war vor 1000 Jahren Lieblingsort des einzigen heiliggesprochenen Kaiserpaars, Heinrich II. und Kunigunde. Kein geringerer als Bischof Thietmar von Merseburg, einer der berühmtesten Chronisten des Mittelalters, legte am 18. Mai 1015 den Grundstein zum Bau des Doms.  Bildrechte: Saskia Barthel
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Service

Der Dom ist montags bis samstags von 10.00 bis 18.00 Uhr für Besichtigungen geöffnet, sonntags und an kirchlichen Feiertagen von 11.00 bis 18.00 Uhr.

Quelle: KNA

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Domschatz von Merseburg | 28. September 2021 | 21:00 Uhr