Ost-Rockband Pankow wird 40

Ob es Frauenfiguren wie "Inge Pawelczik" oder Arbeiterjungs wie "Paule Panke" immer noch genau so gibt oder "Rock 'n' Roll im Stadtpark" getanzt wird, kann nicht so ganz festgemacht werden. Dass die gleichnamigen Songs der Band Pankow ihre Zuhörer finden, ist dagegen sicher. Die Musiker touren zum 40-jährigen Jubiläum wieder durch Ostdeutschland.

Fünf Männer der Band Pankow stehen in schwarzen Anzügen vor einem schwarzen Hintergrund.
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"Die Stones des Ostens" nennen Pankow manche - zu erzählen ist aber eher, dass die Musiker in der DDR in keine Schablone passten. Die Band schaffte es, eine der einflussreichsten im Osten zu werden und dennoch anders zu sein. Vielleicht hat das auch mit dem Beginn der wechselvollen Geschichte der Band zu tun, die sich aus Musikern der in den Westen gegangenen Veronika Fischer formte. Jürgen Ehle, Frank Hille, Jäcki Reznicek und Rainer Kirchmann holten 1981 den charismatischen Sänger André Herzberg mit ins Boot.

André Herzberg und seine Gruppe Pankow, 1988
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Vielleicht lag es aber auch daran, dass die Band mit ihrem authentischen, deutschsprachigen Rock den miefig gewordenen ostdeutschen Kulturbetrieb Anfang der 80er Jahre ordentlich aufwirbelte und den Befindlichkeiten der häufig zur wortlosen Masse Gewordenen eine Stimme gab. Das allerdings war oft nicht einfach, erinnert sich Gitarrist Jürgen Ehle. "Die Glaubwürdigkeit nahm ab, je mehr sich Musiker vereinnahmen ließen."

Als die Texte kritischer und die Beschreibungen des DDR-Alltags genauer wurden, kamen auch die Repressalien. Die bereits fertig produzierte LP "Paule Panke" wanderte Jahre in den "Giftschrank", obwohl die zugehörige Rockoper live aufgeführt wurde und großen Zuspruch fand. Für Herzberg war die Figur Paule Panke damals "der Gegenentwurf zur Ideologie des kommunistischen Überhelden, der uns propagiert wurde", wie er in seinem Buch schreibt.

Rockmusik in der DDR

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Von der Gitarre bis zum Verstärker – Profi-Musiker in der DDR brauchten Westinstrumente - und kauften sie zu horrenden Preisen über Schieber oder Westverwandte.

MDR FERNSEHEN Di 15.02.2005 22:00Uhr 03:43 min

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Tamara Danz
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1983 trat "Silly" mit "Ein Lied für den Frieden" bei "Rock für den Frieden" auf. Im Nachhinein hinterließ dieser Auftritt bei Tamara Danz ein unbehagliches Gefühl.

Sa 30.10.1999 22:05Uhr 00:51 min

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Dieter Hertrampf
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"Renft wollte die Welt verändern, wir wollten einfach nur Musik machen. Musik machen hat funktioniert in der DDR", erklärt "Puhdy" Dieter Hertrampf die Zwänge der Musiker.

MDR FERNSEHEN Di 08.02.2005 22:00Uhr 04:32 min

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Alle anzeigen (7)

Aus dem Song "Langweile" von Pankow Den alten Krimi so oft gelesen
Rohe Spaghetti zu viel gekaut
Zu lange geschlafen, zu oft gebadet
Und vor allem zu viel Fernsehen geschaut

Ich bin rumgerannt
Zu viel rumgerannt
Zu viel rumgerannt
Ist doch nichts passiert

Andere Titel der Band bekamen Radio-Verbot. Bei Auftritten kam es mitunter zu absurden Szenen. So durfte 1982 die Geschichte des einvernehmlichen One-Night-Stands mit "Inge Pawelczik" einmal nicht öffentlich gesungen werden, weil eine Direktorin gleichen Nachnamens für ein Spielverbot gesorgt hatte. Auch die Staatssicherheit hörte bei Auftritten genau hin. Trotzdem durfte die Band im Westen auftreten, 1985 tourte die Band sogar durch Westdeutschland. Nach der Tour blieb Schlagzeuger Hille im Westen, Stefan Dohanetz kam für ihn.

Bis 1985 konnte die Band drei LPs veröffentlichen,"Aufruhr in den Augen" wurde dann zur Chronik der sterbenden DDR. Gemeinsame Konzerte mit der Big Band der sowjetischen Streitkräfte wurden ein Publikumserfolg und läuteten 1989 gleichzeitig den Abgesang des Landes ein. Mit dem Fall der Mauer sank dann zunächst das Interesse an der ostdeutschen Musikszene. Auch Pankow bekam das zu spüren. Um die Zuhörer musste plötzlich gekämpft werden, erinnert sich der Gitarrist. "Erstmal ist eine bestimmte Funktion weggefallen, eine Art Sprachrohr auch für andere zu sein. Das ist komplett weggefallen, weil die Leute ja auch plötzlich in der Lage waren sich zu äußern. Man brauchte nicht mehr zwischen den Zeilen zu lesen."

Wir sind mit den Leuten gemeinsam älter geworden, da ist eine Identifikation immer noch da.

Pankow-Gitarrist Jürgen Ehle
Der Sänger André Herzberg von der Band Pankow bei einem Konzert in Berlin.
Sänger André Herzberg Bildrechte: imago/BRIGANI-ART

Umbesetzungen kamen hinzu, Pausen und Brüche folgten. Zeitweilig verließ Sänger Herzberg die Band, Andreas Dziuk kam als Keyboarder. Die Nachricht, dass Ehle inoffizieller Mitarbeiter für die Stasi war, schlug zu dieser Zeit eine Kerbe in die Vertrautheit der Musiker untereinander und sorgte für Unverständnis. Doch es ging weiter, die Band feilte an ihrem künstlerischen Ausdruck und blieb sich treu. Mit ihren Texten blieben sie weiter Chronisten von gesellschaftlichen Auf- und Umbrüchen.

Inzwischen feiert Pankow ein Jubiläum nach dem anderen, frotzelt mal über das Alter. Auch wenn die Tour zum 40. Geburtstag coronabedingt kleiner ausfällt - jeder zieht sich ein Stück Energie raus. Und was hat sich nach 40 Jahren außer Falten im Gesicht noch verändert bei der Band? "Wir waren früher deutlich näher an den Fans dran", sagt Gitarrist Jürgen Ehle und schiebt noch lachend hinterher: "Natürlich auch wegen der Mädels."

Quelle: dpa

Pankow LIVE in Mitteldeutschland 11.11.2021 - Objekt 5 - Halle/Saale

10.12.2021 - Alter Schlachthof - Dresden