Palast der Republik öffnete vor 45 Jahren

Spiegelnde Fassaden, Marmorböden, Kunst an den Wänden, frische Blumenarrangements - als in Ost-Berlin der Palast der Republik vor 45 Jahren öffnet, strömen die DDR-Bürger nur so in den markanten Bau. Der Palast der Republik ist Geschichte. Die Einheit hat der DDR-Prunkbau nur wenige Jahre überlebt.

Demonstrierende, 1989 vor dem Palast der Republik
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Nach der offiziellen Eröffnung am 23. April 1976 mit einem Ball für die Erbauer werden zwei Tage später auch alle anderen eingelassen. Am 25. April sollen 105.000 Besucher im Palast der Republik gewesen sein. Er wird schnell zum beliebten Treffpunkt. Und als heimliches Andenken sei oft Besteck mit den Palast-Initialen mitgenommen worden, sagt Historiker Sören Marotz vom DDR-Museum.

Inzwischen steht auf dem Areal nahe dem Alexanderplatz das Humboldt Forum hinter der nachgebauten Fassade des Hohenzollern-Schlosses. Äußerlich erinnert nichts mehr an den "Palast des Volkes" mit 13 Restaurants, Bowlingbahn, Weinstube und kleinem Theater. Auch die Volkskammer, das DDR-Parlament, hatte in dem Gebäude ihren großen Sitzungssaal. Dort beschließt die DDR-Volkskammer den Beitritt zur Bundesrepublik zum 3. Oktober 1990. Am 19. September des Jahres wird der Palast wegen Asbests geschlossen und Jahre später nach heftigen Debatten abgerissen.

Der Palast sei dort gebaut worden, wo die DDR-Führung 1950 das Stadtschloss sprengen ließ, erinnert Historiker Marotz. Der Palast sei jedoch nicht nur Zentrum der DDR-Staatsmacht gewesen, sondern auch kultureller Mittelpunkt für viele. Udo Lindenberg und Carlos Santana traten dort auf, aber es gab auch Staatsempfänge, zudem wurden SED-Parteitage im Palast veranstaltet.

Um kein anderes Bauwerk sei die Debatte nach dem Mauerfall derart aufgeladen gewesen. Den einen sei der Palast als Symbol der untergegangenen DDR ein Dorn im Auge gewesen. Auch der Wiederaufbau des Stadtschlosses sei anfangs auf Widerspruch gestoßen, galt es manchen doch als Symbol des preußischen Militarismus.

Reinhold Beckmann 3 min
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MDR FERNSEHEN Fr 16.04.2021 22:00Uhr 03:06 min

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"Der Palast-Abriss ist ein historischer Vorgang, der abgeschlossen ist. Ich muss nicht da nicht trauern. Es ist ein zeitgeschichtliches Problem."

Wolf R. Eisentraut, Architekt dpa
Letzte vorbereitende Maßnahmen zur Montage der Laterne auf der Kuppel vom Berliner Stadtschloss im Humboldt
Das Berliner Stadtschloss Bildrechte: dpa

Einer der Palast-Architekten, Wolf R. Eisentraut, sagt im Gespräch der dpa, heute würde man wohl nicht eine ganze Epoche weglöschen nach dem Motto: "Die einen sind die Gewinner, die anderen die Doofen." Der Abriss sei politisch gewesen, ein Schlussstrich. Er nehme nun zur Kenntnis, dass man sich mit dem Schloss offensichtlich in den Hüllen der Vergangenheit wohler fühle. Der Palast sei pulsierendes Leben mit vielen Funktionen gewesen, ein Treff mitten in Ost-Berlin, sagt der Professor. Das könne der Neubau an selbiger Stelle nicht leisten. Das sehen die Verantwortlichen im Humboldt Forum anders. Genau so ein Treff - mitten im wiedervereinten Berlin - soll das Ausstellungs- und Kulturzentrum nach ihren Vorstellungen werden.

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtet MDR Umschau auch im Fernsehen: MDR | 24.11.2020 | 20:15 Uhr