Arbeitsstätten-Verordnung Gibt es ein Recht auf Hitzefrei am Arbeitsplatz?

BRISANT | 26.07.2018 | 18:10 Uhr

In Deutschland wird gerade richtig geschwitzt: Eine Hitzewelle mit Temperaturen von mehr als 30 Grad rollt über uns hinweg. Wir klären, welche Rechte Arbeitnehmer bei diesen Bedingungen haben.

Ein Ventilator macht die Hitze etwas erträglicher
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Das Wichtigste zuerst: Als Arbeitnehmer muss man extreme Temperaturen nicht einfach hinnehmen. Die sogenannte Arbeitsstätten-Verordnung regelt, welche Schritte Vorgesetzte bei großer Hitze unternehmen müssen. Hier können sie die Verordnung nachlesen.

Heiß, heißer, am heißesten

Der Arbeitgeber muss - je nach Höhe der Temperatur - verschiedene Maßnahmen ergreifen:

  • ab 26°C oder mehr müssen die Büroräume vor Sonneneinstrahlung abgeschirmt werden, zum Beispiel mit Markisen oder Jalousien
  • ab 30°C oder mehr muss der Arbeitgeber seine Mitarbeiter entlasten, zum Beispiel mit Getränken und einem lockeren Dresscode. Zudem kann die Arbeitszeit in die Morgenstunden verlegt werden
  • ab 35°C oder mehr muss ein Vorgesetzter seine Arbeitnehmer freistellen, wenn er sie nicht vor der Wärme schützen kann

Überschreitet das Thermometer die 35°C-Marke, dürfen Arbeitnehmer aber nicht einfach gehen. Sie müssen den Chef vielmehr auf die zu hohen Temperaturen hinweisen und dass sie deshalb den Arbeitsplatz verlassen.

"Heiße" Arbeitsplätze

Für Bauarbeiter, Pizzabäcker oder Arbeiter am Hochofen gelten ähnliche Vorgaben: Der Chef muss seine Arbeiter vor der Hitze schützen. Dazu gehört Gratis-Wasser, Arbeitszeiten anpassen, regelmäßige Pausen und so weiter. Wenn das alles nicht hilft, kann der Arbeitgeber auch Hitzefrei geben. Präzise Regeln fehlen dazu aber im Gesetz. Die Gewerkschaft IG Bau rät zum Beispiel, oberhalb von 35 Grad grundsätzlich alle Arbeiten im Freien einzustellen. In Österreich regelt das Schlechtwetter-Entschädigungsgesetz, dass Arbeiten im Freien bei 35 Grad Hitze eingestellt werden.

Sonderregelungen für Schwangere, Alte und Kranke

Für bestimmte Personengruppen gibt es in der Arbeitsstätten-Verordnung noch zusätzliche Regeln. Schwangere und stillende Frauen, kranke oder ältere Mitarbeiter können auf bestimmte Temperaturen im Büro bestehen. Das gilt allerdings nur dann, wenn ein entsprechendes ärztliches Attest vorliegt. Kann der Chef eine bestimmte Arbeitszimmer-Temperatur nicht sicherstellen, muss er diese Mitarbeiter entweder in einem anderen Raum unterbringen oder sogar freistellen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | BRISANT | 26. Juli 2018 | 18:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2018, 15:31 Uhr

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