40 Jahre "Solo Sunny" - MDR zeigt Doku über Renate Krößner

"Ich heiße Sunny", sagt Renate Krößner 1980 im DEFA-Film "Solo Sunny" - und die blieb sie in den Köpfen der Menschen bis zum Schluss. Am 19. November erinnert der MDR an die Künstlerin, die im Mai dieses Jahres starb. Die Dokumentation "Lebensläufe: Sunny - Solo für Renate Krößner" ist bereits ab 16. November in der ARD Mediathek abrufbar.

Renate Krößner spielt die Rolle der Ingrid Sommer alias "Sunny" in dem Spielfilm "Solo Sunny".
Renate Krößner spielt die Rolle der Ingrid Sommer alias "Sunny" in dem Spielfilm "Solo Sunny". Bildrechte: rbb/DEFA-Stiftung/Dieter Lück

Es ist die Rolle ihres Lebens. Unangepasst, aufreizend, kontrovers erscheint die bis dato relativ unbekannte Schauspielerin in ihrer Rolle "Sunny" auf der Leinwand. Dank der Ausdrucksstärke Renate Krößners und ihres unterschwelligen Trotzes wird der Film "Solo Sunny" zu einer Sensation in der späten DDR. Renate Krößner, die Regisseur Konrad Wolf für die Hauptrolle ausgewählt hat, wird mit "Sunny" zur Identifikationsfigur für eine ganze Generation. Gleichzeitig soll diese Rolle ihr ganzes Leben beeinflussen. "Die Unbequeme" betitelte die Ost-Presse schon bei zwei früheren Filmen Renate Krößners.

Ich habe privat Punkte der Figur verteidigt, dass man nicht einer Masse hinter her rennen soll, sondern seinen eigenen Weg gehen soll, weil ich heute noch nicht glaube, dass alles recht sein soll, bloß weil es die Masse sagt.

Renate Krößner (1995)
„Solo Sunny“ – MDR-Reihe „Lebensläufe“ schaut auf das Leben von Renate Krößner
"Ich heiße Sunny“, sagt Renate Krößner 1980 im Film „Solo Sunny“ Bildrechte: MDR/Hermann Beyer

Einen Monat nach der Filmpremiere 1980 in Ostberlin wird "Solo Sunny" überraschend bei den Berliner Filmfestspielen in Westberlin mit einem "Silbernen Bären" ausgezeichnet. Renate Krößner ist die erste DDR-Schauspielerin, der diese Ehre zuteil wird. Für sie ist es auch die erste "Westreise". Doch die internationale Anerkennung bringt der Schauspielerin in der DDR kein Glück: Sie bekommt plötzlich keine Rollen mehr und weiß nicht warum.

Bildergalerie: Sunny - Solo für Renate Krößner

Renate Krößner als Ingrid Sommer alias "Sunny", in dem Spielfilm "Solo Sunny"
Vor 40 Jahren erscheint auf den DDR-Leinwänden eine Frau, die frech und selbstbewusst auf der Suche nach ihrem individuellen Glück ist. Es ist die Sängerin Ingrid Sommer (Renate Krößner, Bild), genannt Sunny. Sie ist die Protagonistin des Spielfilms "Solo Sunny". Sunny ist eine junge Frau, die ihren Job als Fabrikarbeiterin hinschmeißt, um Schlagersängerin zu werden. Sie will sich nicht vom DDR-System einengen lassen. Bildrechte: rbb/DEFA-Stiftung/Dieter Lück
Renate Krößner als Ingrid Sommer alias "Sunny", in dem Spielfilm "Solo Sunny"
Vor 40 Jahren erscheint auf den DDR-Leinwänden eine Frau, die frech und selbstbewusst auf der Suche nach ihrem individuellen Glück ist. Es ist die Sängerin Ingrid Sommer (Renate Krößner, Bild), genannt Sunny. Sie ist die Protagonistin des Spielfilms "Solo Sunny". Sunny ist eine junge Frau, die ihren Job als Fabrikarbeiterin hinschmeißt, um Schlagersängerin zu werden. Sie will sich nicht vom DDR-System einengen lassen. Bildrechte: rbb/DEFA-Stiftung/Dieter Lück
Renate Krößner in den 1980er Jahren
Gespielt wird Sunny von Renate Krößner, die Regisseur Konrad Wolf für die Hauptrolle ausgewählt hat. Renate Krößner wird mit Sunny zur Identifikationsfigur für eine Generation. Gleichzeitig wird diese Rolle ihr ganzes Leben beeinflussen. Bildrechte: MDR/Hermann Beyer
Renate Krößner (Ingrid Sommer alias "Sunny") blickt in einen Spiegel.
Einen Monat nach der Filmpremiere 1980 in Ostberlin wird "Solo Sunny" überraschend bei den Berliner Filmfestspielen in Westberlin mit einem "Silbernen Bären" ausgezeichnet. Renate Krößner ist die erste DDR-Schauspielerin, der diese Ehre zuteil wird. Für sie ist es auch die erste "Westreise". Doch die internationale Anerkennung bringt der Schauspielerin in der DDR gar nichts. Im Gegenteil. Sie bekommt plötzlich keine Rollen mehr. Bildrechte: rbb/MDR
Renate Krößner im Tatort "Rendezvous mit dem Tod", links: Martin Wuttke
1985 verlässt Renate Krößner die DDR gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler Bernd Stegemann und Sohn Eugen. Bald kommen Angebote aus Film- und Fernsehen, ob die Anwaltsserie "Liebling Kreuzberg" oder ein "Tatort" mit Götz George: Renate Krößner ist zurück auf der Leinwand und etabliert sich in den nächsten Jahrzehnten bundesweit als Charaktermimin in oft preisgekrönten Filmen. Hier ist sie als Birgit Hahn mit Martin Wuttke, der den Hauptkommissar Andreas Keppler spielt, im Spielfilm "Tatort: Rendezvous mit dem Tod" zu sehen. Bildrechte: MDR/Saxonia Media/Junghans,
Renate Krößner
Im Mai 2020 kurz nach ihrem 75. Geburtstag hat Renate Krößner den Kampf gegen den Krebs, den sie schon einmal erfolgreich besiegt hatte, verloren. Im Film kommen Ehemann Bernd Stegemann, Schauspieler Hermann Beyer und Winfried Glatzeder, Kameramann Eberhard Geick (Solo Sunny), Wolfgang Kohlhaase, Regisseur Hermann Zschoche, Hajo Gieß und die Journalistin Regine Sylvester zu Wort. Bildrechte: imago images / Michael Handelmann
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1983, nach quälenden Jahren des Stillstands, stellt Renate Krößner einen Ausreiseantrag. 1985 verlässt sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Schauspieler Bernd Stegemann und Sohn Eugen die DDR. Bald kommen Angebote aus Film und Fernsehen. Ob die Anwaltsserie "Liebling Kreuzberg" oder ein "Tatort" mit Götz George - Renate Krößner ist zurück im Filmgeschäft und etabliert sich in den nächsten Jahrzehnten bundesweit als Charaktermimin in oft preisgekrönten Filmen.

Im Mai 2020 kurz nach ihrem 75. Geburtstag hat Renate Krößner den Kampf gegen den Krebs, den sie schon einmal erfolgreich besiegt hatte, verloren.

Die Dokumentation "Lebensläufe: Sunny - Solo für Renate Krößner" zeichnet am 19. November um 23.10 Uhr im MDR den Lebensweg der unvergessenen Künstlerin nach - von der frechen Halbwüchsigen "Kessi", wie sie in der Schule gerufen wird, über die Licht- und Schattenseiten des Ruhmes bis hin zu ihren letzten Arbeiten und dem Krebs, der sie auffrisst. Der Film steht ab 16. November in der ARD Mediathek.