Retter alter Obstsorten: Oberlausitzer kümmern sich um "Garten der vergessenen Köstlichkeiten"

Die Oberlausitz-Stiftung hat im Lauf der Jahre eine der größten Sammlungen historischer Obstsorten zusammengetragen - von Apfel bis Quitte. Die Sorten sollen für die Nachwelt erhalten bleiben. 220 alte Apfel- und über 100 Birnensorten wachsen auf den Ländereien der Stiftung schon. Doch damit soll noch lange nicht Schluss sein.

An einem Apfelbaum hängen reife Äpfel der Sorte Alkmene
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Michael Schlitt stellt einen Korb bunter Äpfel auf die Wiese. "Die Gelbe Bellefleur ist unscheinbar, aber gut. Der purpurrote Cousinot ist ein richtiger Weihnachtsapfel", schwärmt der Gründer der Oberlausitz-Stiftung. Über die Leidenschaft für alte Sorten kamen er, seine Frau und ein Freund 2006 auf die Idee, zuerst einmal die ursprünglichen Baumfrüchte aus der Oberlausitz an einem Standort zusammenzutragen. "Unser Interesse ist es, die alten Sorten für die Nachwelt zu erhalten. Biodiversität - die biologische Vielfalt - ist zudem auch ein Teil des Klimaschutzes", sagt der 62-Jährige. Auf sechs Streuobstwiesen mit rund neun Hektar sowie einer neuangepflanzten Baumallee wachsen rund um Ostritz nun alte Sorten von Apfel bis Quitte. Die Flächen hat die Stiftung unter anderem vom Kloster St. Marienthal sowie von Landwirten gepachtet.

Michael Schlitt, Gründer der Oberlausitz-Stiftung, trägt einen Korb voller reifer Äpfel seltener Sorten.
Michael Schlitt, Gründer der Oberlausitz-Stiftung Bildrechte: dpa

Die Macher der Oberlausitz-Stiftung planen derweil schon einen neuen Coup. Die Sammlung alter Oberlausitzer Sorten wie der Aufbau des "Pomorium Saxonicum"- die Sammlung historischer sächsischer Obstsorten - ist so gut wie abgeschlossen. Nun, wollen sie sich auf die Suche nach alten Haselnuss-Sorten machen. "Fünfzehn, die es in deutschen Baumschulen gibt, stehen davon schon hier. Im kommenden Jahr wollen wir europaweit die Fühler ausstrecken", sagt Schlitt. Einst gab es in Deutschland wohl noch 30 weitere Haselnusssorten.

Über 220 alte Apfel- und über 100 Birnensorten schon gesammelt

Bei der Ernte helfen der Stiftung Mädchen und Jungen aus umliegenden Schulen. Die alten Sorten sind Teil ihres Unterrichts, sogar in Mathematik mit Kalkulation und Kosten-Nutzen-Rechnung. "Diesen Teil unser Stiftungsarbeit - junge Menschen zu fördern, unternehmerisch tätig zu sein - wollen wir ausbauen", sagt der gebürtige Görlitzer, der mit seinen Mitstreitern im Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt deutschlandweit organisiert ist. Deutschlandweit würden sich ihrer Ansicht nach immer mehr junge Leute mit alten Sorten beschäftigen. Ziel des Erhalternetzwerks sei es zudem, alte Obstsorten dezentral an vier verschiedenen Standorten zu erhalten, sagt Striese. So wolle man verhindern, dass diese Sorten durch einen Schädlingsbefall oder einen stürmischen Herbst gleich wieder auf der Liste der verlorenen Naturschätze landen. In Ostritz stehen allein über 220 alte Apfel- und über 100 Birnensorten.

Quelle: dpa

Über dieses Thema berichtet der MDR auch im Fernsehen: MDR Garten| 20.09.2020 | 08:30 Uhr