Hintergrund Kleine Camperkunde

Der erste Besuch auf dem Campingplatz kann verwirren - so viele Menschen auf engstem Raum in den verschiedensten Behausungen. Wir bringen etwas Ordnung ins Durcheinander.

Wer das erste Mal einen gut besuchten Campingplatz betritt, sieht sich umgeben von den verschiedensten Dingen: Da gibt es Wohnwagen, kleine Zelte, große Zelte, noch größere Zelte, einzelne Menschen unter einer schrägen Plane, Familien mit Hund, Boot, Opa und Satellitenfernsehen und möglicherweise eine kleine Einkaufsstraße. Unter dem Begriff Camping haben sich längst unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche entwickelt - hier die Typologie.

Der Purist...

hätte am liebsten gar keine Ausrüstung. Schlafen in der unberührten Natur, unter freiem Himmel, höchstens unter einer einfachen Plane - das ist das Höchste. Wildes Campen aber ist in Deutschland nicht erlaubt; wenn er sein Zelt also nicht im dichten Wald verstecken kann, bleibt dem Puristen nur der Campingplatz. Eingezäunte Natur ist ihm zwar zuwider, aber er bleibt auch nur über Nacht. Denn er ist immer unterwegs, selbstbestimmt und auf der Suche nach dem letzten Flecken Wildnis - wahlweise zu Fuß, im Faltboot oder mit dem Fahrrad.

Der Pragmatiker...

zeltet, weil es a) am billigsten ist, weil es b) am einfachsten ist oder weil es c) keine andere Möglichkeit gibt, um zu übernachten. Sein Hauptaugenmerk liegt eigentlich auf etwas anderem als auf dem Camping an sich: einem Freiluftkonzert etwa. Daher hat der Pragmatiker auch keine perfekte Campingausrüstung. Zelt und Schlafsack gibt es inzwischen in fast jedem Supermarkt und ein Platz auf einer deutschen Zeltwiese ist für wenige Euro pro Tag zu haben - das ist entscheidend. Der Rest ist Improvisation.

Der Ewige...

Dauercamping
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ist Grundstock eines jeden deutschen Campingplatzes. Seine Behausung ist ein nahezu vollständig umbauter Wohnwagen, der durch seine Anbauten kaum noch von einem Haus zu unterscheiden ist. Stellgebühren zahlt der Ewige für die nächsten fünf Jahre im Voraus. Hier wohnt er, seit er den Platz vor vierzig Jahren mit aufgebaut hat. Die meisten Campingplätze in Deutschland sind nach dem Zweiten Weltkrieg durch private Initiativen von Campingbegeisterten entstanden. Einen Großteil seiner Zeit verbringt der Ewige inzwischen mit der Einhaltung, Überwachung und Interpretation der Platzregeln.

Der Neue...

Dauercamping
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ist begeistert von Berichten und Bildern übers Camping. Er hat sich vor seinem ersten Ausflug schlau gemacht in Internetforen, Büchern und Camping-Zeitschriften. Seine hochmoderne Ausrüstung ist sorgsam im Fachgeschäft und im Internet zusammengekauft. Der Neue bringt Dinge mit wie GPS-Gerät, solarbetriebene Anti-Mücken-Lampe und selbstanzündende Grillkohle. Nach den ersten zwei Tagen muss er sich allerdings die wirklich nötigen Dinge von erfahrenen Campern zusammenleihen.

Der Attraktionscamper...

kommt selten allein: die ganze Familie sitzt mit im Auto und sein Urlaub erscheint ihm viel zu kurz. Der Attraktionscamper will viel erleben und sucht Campingplätze mit Zusatzangeboten: Bootsverleih, Hüpfburg, Biergarten, Kletterwald, Vergnügungspark, Animationsprogramm und Kinderbetreuung sollten schon dabei sein. Camping selbst ist natürlich auch Attraktion - der Wohnwagen nebst Zubehör ist extra für den Erlebnisurlaub gemietet.

Der Hausversetzer

Wohnwagen mit Vorzelt
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fühlt sich prinzipiell zuhause am wohlsten. Nur ab und an braucht er einen Tapetenwechsel. Da kommt der Campingplatz gerade Recht, wohin der Hausversetzer mit allen Annehmlichkeiten einer modernen Wohnung zieht. Im Vorzelt steht der Kühlschrank, auf der Wiese die mobile Satellitenschüssel fürs Fernsehen. Für Strom sorgt ein Anschluss auf der Campingwiese - die auch schon einmal danach ausgesucht wird, ob sie einen WLAN-Hotspot bietet, oder wenigstens im Empfangsbereich des UMTS-Netzes liegt.


Ganz gleich welcher Typ - sie alle kommen auf ihre Kosten. Kaum ein Urlaub lässt sich eben individueller ausleben als Camping.

Kurzer Camping-Ratgeber Das Wichtigste am Camping ist das Zelt. Soll der Spaß dauerhaft sein, lohnt ein genauer Blick beim Neukauf: Ein Innenzelt im eigentlichen Zelt sorgt dafür, dass Feuchtigkeit nicht ins Zeltinnere gelangt. Ein wasser- und reißfester Zeltboden hält Feuchtigkeit von unten fern, eine regensichere Belüftung bringt frische Luft ins Zelt. Und wer einmal die Vorzüge einer so genannten Apsis, eines verschließbaren Vorzeltes, kennen gelernt hat, der wird nicht mehr darauf verzichten wollen - hier kann man Gepäck oder dreckige Schuhe wettersicher abstellen, ohne Platz im Zelt opfern zu müssen.

Wer im Urlaub keine unliebsamen Überraschungen erleben will, baut sein Zelt testweise schon zuhause auf. Auch beim Schlafsack sollte man nicht sparen und ihn zuhause ausgiebig testen, am besten im Freien.

Unter den Schlafsack gehört eine Isomatte, sie hält Kälte fern. Dem Puristen genügt Stroh oder eine einfache Folien- oder Kunstoffbahn. Wer es bequemer mag, kann zur luftgefüllten Matte greifen oder gleich eine Luftmatratze mitnehmen.

Das weitere Campingzubehör hängt ganz vom persönlichen Anspruch und Komfortbedürfnis ab.

In Deutschland ist wildes Campen verboten, daher sollte man sein Zelt nur mit Erlaubnis auf Privatgrundstücken aufschlagen oder gleich einen Campingplatz aufsuchen. Hier ist es durchaus üblich, sich den Platz zunächst einmal auf einem Rundgang genau anzusehen, inklusive den sanitären Anlagen, bevor man beim Platzwart auch tatsächlich einen Stellplatz bezahlt.

Der Wohnwagen Der Wohnwagen ist älter als das moderne Camping. Schon Marco Polo erzählte im 13. Jahrhundert von einem tatarischen Häuptlingszelt auf Rädern, das 22 Ochsen zogen.

Den ersten neuzeitlichen und voll eingerichteten Wohnwagen dürfte aber Napoleon besessen haben. Dessen Biograf Friedrich Sieburg schreibt von einem Wagen, der mit Schlaf- und Sitzgelegenheit ausgestattet war, sowie Bücherregalen und Schreibtisch.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entdeckten dann englische Dandys die Vorzüge von Wohn- und Reisewagen. Britische Firmen spezialisierten sich auf den Bau luxuriös ausgestatteter Wohnkutschen, die bald den Namen Caravans bekamen. 1907 gründeten begeisterte Caravaning-Anhänger den ersten britischen Caravan-Club.

Mit dem Aufkommen des Automobils vergrößerte sich auch die Nachfrage nach Wohnwagen - schließlich konnte man sie jetzt einfach an ein Auto hängen, statt ein Pferdegespann verpflegen zu müssen.

1930 existierte bereits eine ausgeprägte Caravan-Kultur in Großbritannien und in den USA, inklusive einem ausgebauten Netz von Wohnwagen-Stellplätzen. 1931 baute Arist Dethleffs den ersten deutschen Wohnwagen - auf Wunsch seiner Verlobten. Schnell fanden sich so viele Interessenten bei ihm ein, dass Dethleffs eine Firma gründete und seinen Wohnwagen in Serie baute.

Andere deutsche Bastler und Tüftler zogen nach. Mit dem Wirtschaftswunder kam dann der endgültige Durchbruch - der Wohnwagen wurde für viele zum Inbegriff von Freiheit und Selbstbestimmung.

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2018, 11:07 Uhr