Der Osten - Entdecke wo du lebst | MDR FERNSEHEN | 06.11.2018 | 20:45 Uhr Mythos Glashütte – Die Uhrenstadt in Sachsen

Ein Film von Anne Flemming

Uhren aus Glashütte sind mehr als bloße Zeitmesser, es sind Wunderwerke der Feinmechanik. Die sächsische Kleinstadt ist seit mehr als 170 Jahren ein bedeutendes Zentrum deutscher Uhrmacherkunst. Der Film "Mythos Glashütte – Die Uhrenstadt in Sachsen" taucht ein in die wechselvolle Geschichte dieses Ortes.

In Glashütte feierte man in diesem Jahr ein ganz besonderes Jubiläum: das 125-jährige Bestehen der Uhrenfabrik Union. Doch Glashütter Uhren werden hier schon länger hergestellt, die Tradition reicht zurück ins Jahr 1845. Heute sind es Firmen wie NOMOS, Lange & Söhne, Union, Glashütte Original oder die Firma Mühle, die Luxusuhren mit allen Finessen der Uhrmacherkunst in die Welt liefern. Doch was ist das Geheimnis für diesen Erfolg?

Denkmal F. Adolph Lange
Denkmal des Gründungsvaters in der Glashütter Innenstadt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es ist Ferdinand Adolph Lange – ein Mann mit Visionen, der in Glashütte die Zeit in kleinen, mechanischen Kunstwerken einfangen will. Dem begnadeten Uhrmacher gelingt das Unvorstellbare: Der Name Glashütte wird weltweit zum Synonym für Uhren, die richtig und vor allem in schönster Vollendung ticken. 1845 lässt er sich hier - mit großzügiger Hilfe der königlich-sächsischen Regierung - nieder. Das penible Handwerk bringt dem bettelarmen Ort Wohlstand. 1900 gibt es hier bereits an die fünfzig Uhrenbetriebe. 1912 bekommt Glashütte ein neues Stadtwappen: Hammer und Schlegel, die Zeichen des Bergbaus, machen Platz für ein großes Zifferblatt. Und so entwickelt sich Glashütte nach und nach zu einem wichtigen Zentrum der Uhrenindustrie weltweit. Die schlichte Eleganz der Zeitmesser - schon an den ersten Exemplaren sichtbar - ist bis heute ihr Markenzeichen.

Das Glashütter Uhren-Gen

Und vielleicht ist ja auch was dran am so genannten "Uhren-Gen". Denn so manchem Glashütter wird die Uhrmachkunst quasi in die Wiege gelegt. Zum Beispiel Uwe Bahr: Er erzählt, wie er in Glashütte aufgewuchs und wie für ihn von Anfang an klar war, dass er einmal Uhrmacher wird.

Taschenuhr
Ein besonderes Erbstück: Die Taschenuhr des Onkels Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ich wollte schon mit sechs Jahren Uhrmacher werden. Mein Onkel war Uhrmacher und ich durfte schon immer an Uhren herumschrauben. Nur an ein wertvolles Stück ließ er mich nie heran: Eine Taschenuhr. Ich musste also Uhrmacher werden, um dort mal reinschauen zu dürfen und das habe ich dann auch gemacht. Die Uhr habe ich nach seinem Tod geerbt.

Uwe Bahr

Schwieriger Neuanfang

Zwar werden in DDR-Zeiten in Glashütte auch preisgünstige Quarzuhren gefertigt, aber die Tradition mechanischer Uhren hat man hier nie ganz aufgegeben. Der ehemalige Bürgermeister Frank Reichel kann sich noch gut an die Wendezeit erinnern, da die Glashütter Uhren-Produktion von Massenware auf Exklusivität "umgestellt" werden sollte. Diese Umstellung erwies sich jedoch problematischer, als gedacht.

1990 versuchen westliche Investoren, an die glanzvolle Geschichte der Glashütter Uhrenmanufakturen anzuknüpfen. Doch bei der Besichtigung der Produktionsanlagen kommen Zweifel: Kann man den maroden Betrieb wieder auf Vordermann bringen? Ein erster Privatisierungsversuch mit der Firma France Ebauches scheitert. Nach einem halben Jahr geht der Betrieb zurück an die Treuhand. Von 2.400 Beschäftigten sind da gerade mal 78 übriggeblieben.

Die Treuhand beschäftigte den kleinen Rest weiter, aber ohne Absatz. Investoren sollen den maroden Betrieb kaufen und wiederbeleben. Ich war zunächst als ABM beschäftigt im Treuhandbetrieb und sollte Uhren verkaufen.

Reinhard Reichel, Geschäftsführer des Uhrenmuseums Glashütte
Ein Mann sitzt auf einem Stuhl.
Der Unternehmer Heinz W. Pfeifer kaufte die Glashütter Uhrenbetriebe Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Letztlich erweist sich der Unternehmer Heinz W. Pfeifer - der studierte Feinwerktechniker und Betriebswirt als Glücksfall für Glashütte. Er kauft 1994 mit einem Nürnberger Juwelier die Glashütter Uhrenbetriebe, die Marke heißt nun Glashütte Original. Und es sind auch die besonderen handwerklichen Fähigkeiten der Konstrukteure und Uhrmacher aus Glashütte, die den Unterschied zu anderen Standorten ausmachen.

Die "besondere" Uhr

Heute beherbergt der Ort namhafte Manufakturen und eine Uhrmacherschule. An jeder Ecke wird gefräst, gefeilt, geschraubt, poliert. Mit viel Herzblut und Liebe werden hier besondere Uhren hergestellt. Von Menschen wie Simone Rauchfuß, die winzige Unruhkloben graviert, oder Konstrukteur Theodor Prenzel, der ein ganz besonderes Uhrwerk austüftelt.

Der Film "Mythos Glashütte – Die Uhrenstadt in Sachsen" taucht ein in die wechselvolle Geschichte dieses Ortes. Ob prominente Uhrenliebhaber wie Gunther Emmerlich oder die Mitarbeiter der Uhrenmanufakturen, ob der ehemalige Bürgermeister oder der Chef des Uhrenmuseums, sie alle erzählen sehr persönliche Geschichten über ihre "Uhrenstadt".

Glashütte
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Der Osten - entdecke, wo Du lebst | 06. November 2018 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 19:24 Uhr