Wendegeschichten mit Wolfgang Stumph

Wolfgang Stumph besucht Menschen, die vor 30 Jahren die DDR verließen. Für die Zeitreise mit vielen berührenden Begegnungen ist der Schauspieler 3.000 Kilometer quer durch Deutschland gefahren.

Die Bilder aus dem bewegten Sommer und Herbst '89 sind unvergessen. Diese Momente wurden zur Zeitgeschichte: in Sopron und Budapest, in Prag, Hof, an der innerdeutschen Grenze oder der Mauer am Brandenburger Tor. Wolfgang Stumph sucht einige der Menschen auf, die damals mitten im Geschehen gewesen sind.

Was ist aus den Menschen geworden, die vor 30 Jahren aus der DDR in ein grenzenloses Leben aufbrachen? Wie hat sich ihr Leben seit damals verändert? Haben sich ihre Träume erfüllt? Was hat die fünfköpfige Familie, deren jüngste Tochter bei der Flucht über Ungarn aus dem fahrenden Zug gestürzt war, erlebt? Wie hat es sich angefühlt, am ersten grenzoffenen Wochenende in eine neue Welt einzutauchen?

Steffi Seifert und ihre Tochter: Im Trabant nach Budapest

Im August 1989 nutzt die junge Mutter Steffi Seifert gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Tochter Kati den Sommerurlaub am Plattensee in Ungarn zur Flucht in den Westen. Als sie von der kurzzeitigen Grenzöffnung bei Sopron hört, setzt sie alles auf eine Karte und fährt mit ihrem Trabi los. Nach strapaziösen Tagen in einem Lager der Malteser in Budapest, wo das historische Foto im Trabi entsteht, nimmt ein Reporterteam Mutter und Tochter mit, schmuggelt sie nach Österreich. Von hier geht es nach Bayern, wo sich die gelernte LKW-Fahrerin eine neue Existenz aufbaut und einen Traum verwirklicht: Fernfahrerin. Mit ihrem eigenen 40-Tonner in die weite Welt, über viele Grenzen hinweg.

Thomas Haase: Flucht über die Prager Botschaft

v.l.: Dirk Bräuer, Wolfgang Stumph und Thomas Haase am Kegelspielradweg in Burghaun
Dirk Bräuer, Wolfgang Stumph und Thomas Haase am Kegelspielradweg in Burghaun Bildrechte: MDR/Dokfilm/Thomas Koppehele

Im Herbst '89 nutzt der junge Sachse Thomas Haase die Gelegenheit zur Flucht. Zahlreiche Ausreiseanträge waren in der Vergangenheit gescheitert. Wenn er aus dem Land raus will, dann jetzt. Ihm gelingt die Flucht über die Prager Botschaft, wo die Menschen ausharren bis die historischen Worte von Hans-Dietrich Genscher fallen. Mit ihm reist Freund Dirk. Getrennt auf den Weg gemacht, treffen sich beide unerwartet in der Botschaft wieder und treten die Reise gemeinsam gen Westen an. Von Hof über Gießen nach Hünfeld in Hessen. Dank einer westdeutschen Urlaubsbekanntschaft haben beide bereits nach vier Tagen Arbeit und westdeutsche Freunde, die beim Einstieg im Westen helfen. Eine grenzenlose Freundschaft, die im Osten begann und bis heute hält. Beruflich wagt Thomas Haase nach fast 30 Jahren einen Neuanfang: Der gelernte Maschinenschlosser arbeitet künftig mit körperlich und geistig schwer behinderten Menschen.

Wolfgang Stumph auf Spurensuche

In der Dokumentation "GrenzenLos" spürt Wolfgang Stumph Menschen nach, die in ein grenzenloses Leben aufbrachen, und fragt nach, ob, wie und wo sie heute angekommen sind. Seine Spurensuche macht die Turbulenz dieser Zeit wieder spürbar. Nichts war von Dauer, die Ereignisse überschlugen sich, das Leben war, als hätte man auf eine Schnelllauf-Taste gedrückt.

Zu sehen ist die Doku am Donnerstag, 31.10.2019 um 13:10 Uhr im MDR Fernsehen oder online vorab hier:

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | GrenzenLos | 31. Oktober 2019 | 13:10 Uhr