Meine Schlagerwelt Hausbesuch Ramon Roselly: „Ich hatte im Musikunterricht immer eine 6“

Reporter Peter Heller besucht für „Meine Schlagerwelt“ Stars in ihrer Heimat und zeigt die Sängerinnen und Sänger abseits des großen TV-Rummels. Sein aktueller „Schlagerwelt Hausbesuch“ führt ihn auf eine grüne Wiese mitten ins sächsische Delitzsch. Hier trifft er Deutschlands frisch gekürten Superstar Ramon Roselly und spricht mit ihm beim Fußballspielen über den rasanten Aufstieg vom Zirkusjungen zum Schlagerstar.

Meine Schlagerwelt Hausbesuch
Schlagerstar Ramon Roselly. Bildrechte: Alexander Friederici

Eins kann Ramon Roselly kaum – stillsitzen. Das merke ich schon bei meiner Ankunft auf dem Sportplatz des ESV Delitzsch. Es ist kurz nach Mittag, die Sonne scheint viel zu heftig für einen Frühlingstag. Das Auto-Thermometer zeigt 26 Grad Celsius Außentemperatur, seit Tagen hat es nicht geregnet. Die Bewässerungsanlage tastet sich kreisförmig über den Rasen in einem der Strafräume. Ich schwitze schon kurz nach dem Aussteigen. Statt im Schatten mit einem kalten Getränk auf meine Ankunft zu warten, ist Ramon schon auf dem Platz – und rennt. Eine Runde nach der anderen. „Es ist so gut sich mal wieder etwas zu bewegen“, ruft er von weitem. Und ich muss neidvoll anerkennen – man sieht ihm seine Begeisterung für die eigene Fitness an. Er ist gut in Form, trägt sein schwarz-rotes ESV-Trikot mit der Nummer 11.

Der Sportplatz in der sächsischen Kleinstadt eignet sich perfekt als Treffpunkt für unser Gespräch. Für Ramon ist er ein Stückchen Heimat. Unzählige Male ist er als Stürmer der 1. Mannschaft des ESV Delitzsch hier schon auf- und abgerannt, mit einer beeindruckenden Bilanz: allein in der Saison 2018/2019 trifft er in der Nordsachsenliga in 22 Spielen insgesamt 23 Mal zwischen die Pfosten. Ich sollte mich also warm anziehen – wollen wir doch heute zum Abschluss unseres gemeinsamen Trainings noch im Elfmeterschießen gegeneinander antreten.

Meine Schlagerwelt Hausbesuch Elfmeterduell mit Ramon Roselly

Beim Meine Schlagerwelt Hausebesuch ging es für Reporter Peter Heller zu Ramon Rosellys fußballerischer Heimat, dem ESV Delitzsch, um den neuen Stern am Schlagerhimmel zu treffen.

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Fußballer-Begrüßung in Coronazeiten zwischen Reporter Peter Heller und Schlagerstar Ramon Roselly. Bildrechte: Alexander Friederici
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Fußballer-Begrüßung in Coronazeiten zwischen Reporter Peter Heller und Schlagerstar Ramon Roselly. Bildrechte: Alexander Friederici
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Dribbeln will gelernt sein! Bildrechte: Alexander Friederici
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Von nichts kommt nichts: Auch Liegestütze gehören zum Fitnessprogramm von Ramon Roselly. Bildrechte: Alexander Friederici
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Training von oben. Bildrechte: Alexander Friederici
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Schusstraining vor dem großen Elfmeter-Krimi. Bildrechte: Alexander Friederici
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Rein damit: Ramon Roselly beim Elfmeter. Bildrechte: Alexander Friederici
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Und drin ist er, Peter Heller hat keine Chance gegen den Elfer von Ramon Roselly. Bildrechte: Alexander Friederici
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Sieger haben es leicht. Nach dem 5:4-Sieg im Elfmeterschießen kann Ramon Roselly entspannen. Bildrechte: Alexander Friederici
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Traumerfüllung mit Paukenschlag

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Ramon Roselly und Reporter Peter Heller beim Warmlaufen. Bildrechte: Alexander Friederici

Ramon Kaselowsky, so sein bürgerlicher Name, wirkt bei unserem Treffen von Anfang an entspannt. Irgendwie unüblich für einen, der gerade erst Deutschlands Superstar geworden ist. Dessen Traum am 4. April 2020 plötzlich mit einem Paukenschlag in Erfüllung gegangen war: Mehr als 80 Prozent der Anrufer bei der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ wählten seine Nummer. So ein eindeutiges Ergebnis gab es noch nie. Von heute auf morgen war er plötzlich in aller Munde und auf allen Titelblättern. Doch man darf nicht vergessen: Der 26-Jährige hatte auch mehr Bühnenerfahrung als alle anderen Kandidaten zusammen. Vielleicht nicht im Fernsehen – aber im Zirkuszelt. Vermutlich ist er deshalb kaum noch aufgeregt – schon gar nicht vor Interviews wie diesem hier.

Wir rennen ein paar Runden um den Platz. Dabei etwas Smalltalk über das grandiose Wetter. Dann zeigt Ramon mir ein paar typische Trainings-Übungen. Wir stellen bunte Hütchen auf die Platzmitte, um die wir erst ohne, dann mit Bällen herumlaufen. Ramon erzählt mir von seinem Leben auf Achse.

Das war ganz normal. Das versteht immer keiner.

Ramon Roselly

Zusammenleben mit Kamelen

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Fit wie ein Turnschuh: Ramon Roselly. Bildrechte: Alexander Friederici

Und tatsächlich ist das für mich eine völlig fremde Welt. Mir fehlt schon allein die Vorstellungskraft, wie es sein muss, mit 5 Schwestern, 49 Cousins und Cousinen und 17 Kamelen zusammenzuleben. Geschweige denn insgesamt 44 Schulen besucht zu haben. Ob es nicht schwierig ist, immer wieder neue Freundschaften schließen zu müssen, frage ich, während wir jeder mit einem Ball jonglieren. „Das ist überhaupt nicht schwierig. Ich bin ein Mensch, der sehr schnell Anschluss findet. Ich habe auch viele Freunde noch aus meiner Kindheit. Von daher ist für mich alles perfekt. Ein schöneres Aufwachsen, als mein eigenes, kann ich mir nicht vorstellen. Gibt’s auch nicht. Frag die Kelly Family, die sagen dir genau das gleiche.“

Schlagerstar in Wartezimmer

Irgendwie glaube ich ihm das. Und ich bin mir schon nach der ersten Stunde unseres Treffens sicher: Ramons offene und positive Art wird ihm auch in der ihm noch so unbekannten Welt des Schlagers helfen, ziemlich schnell Anschluss zu finden. Soweit die Theorie. In der Praxis sieht das derzeit allerdings etwas anders aus. Er wäre eigentlich gerade DER angesagte Newcomer auf unzähligen Bühnen dieses Landes und hätte viele große Schlagerbarden bereits getroffen. Doch das Corona-Virus hat ihm da einen Strich durch die Rechnung gemacht. Alle Veranstaltungen abgesagt. Ramon ist irgendwie zum Superstar im Wartezimmer der Schlagerszene geworden. Dort sitzt er mit den vielen anderen Newcomern und baut darauf, endlich auftreten zu dürfen. Endlich denen nachfolgen zu können, die ihn inspiriert haben: Julio Iglesias. Bernhard Brink. Howard Carpendale. Tom Jones. Ed Sheeran.  

Ich selbst höre viel alte Musik, Oldies. Das spiegelt sich auch wieder im Album ‚Herzenssache‘, was Dieter Bohlen für mich geschrieben hat. Da sind viele Elemente aus den 70ern und 80ern enthalten. Das ist nicht der reine Schlager, der heutzutage so läuft.

Ramon Roselly

Und damit fährt Ramon in diesem Frühling richtig gut. Seine Debüt-Single „Eine Nacht“ landet Anfang April auf Platz 1 der deutschen Singlecharts. 2013 schaffte das ein Schlagertitel zum letzten Mal. Eine Woche später dann Platz 2 fürs Album.

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Auch dribbeln will gelernt sein. Bildrechte: Alexander Friederici

Während wir uns beim Dehnen mit unseren Händen langsam der Grasnarbe nähern und uns so auf unser kleines Elfmeterschießen vorbereiten, für das ich übrigens noch immer keinen konkreten Erfolgsplan habe, sammeln sich ein paar Personen mit Abstand am Spielfeldrand. Da ist der Platzwart des ESV Delitzsch, daneben der Trainer der ersten Mannschaft und ein Mitspieler. In den vergangenen Wochen haben sie Deutschlands Superstar mehr im Fernsehen gesehen als hier auf dem Platz. Alle waren aber beruhigt, als Ramon ihnen mitteilte, auch weiterhin im Team zu spielen, wenn er denn mal Zeit hat. Zu wichtig ist er im Sturm des ESV. Dass er dann keine Sonderbehandlung kommt, sei ihm aber bewusst, sagt Trainer Tilo Ohlig.

Wenn er nicht so oft zum Training kommt, kann er auch nicht immer gleich von Anfang an spielen. Wir müssen alle gleich behandeln.

Tilo Ohlig, Fußballtrainer von Ramon Roselly

Sechs, setzen

Schon in der Schule war Ramons Lieblingsfach Sport. Keine Überraschung für mich, wenn ich sehe, wie er in jeder noch so kurzen Pause seinem Bewegungsdrang nachkommt. Und wie lief es im Musikunterricht? Das überrascht mich dann schon mehr. „Ich habe mir in Musik immer eine 6 geben lassen“, gesteht der Sänger. Was? Warum? „Weil ich mich immer geschämt habe zu singen. Da habe ich lieber eine 6 bekommen. Erst als ich 11 oder 12 Jahre alt war, da bin ich dann vorgegangen und hab eine 2 bekommen. Von da an habe ich mich nicht mehr geschämt.“ Immerhin. Da ist der Grundstein gelegt. 

Knapp aber verdient

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Die Angst des Tormanns beim Elfmeter: Ramon Roselly zieht ab! Bildrechte: Alexander Friederici

Beim Elfmeterschießen besiegt mich Ramon übrigens ganz knapp, aber verdient, mit 5 zu 4. Meinen allerletzten Schuss setze ich knapp über die Latte. Er muss sich als Torwart nicht mal groß bewegen. Nicht mein bester Moment, aber ich bin auch froh, dass wir uns nach Stunden in der prallen Sonne erstmal ausruhen können und weiter über Fußball fachsimpeln können. Über seinen Lieblingsverein FC Bayern München und seine Sympathien zu RB Leipzig. Über den frühen Bundesligastart und über alles, was für ihn in der nächsten Zeit musikalisch noch ansteht. Dank der Corona-Lockerungen können demnächst wieder TV-Sendungen stattfinden. Florian Silbereisen ist auf ihn aufmerksam geworden – widmet ihm nun eine ganze Show im MDR Fernsehen – den SchlagerXirkus in Leipzig.

Es klingt wie im Roman – das Leben von Ramon. Und während ich mich langsam auf dem Rückweg mache, steht er schon wieder einige Meter vor dem Tor und schießt. Eins kann er wirklich nicht – stillsitzen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Willkommen im SchlagerXirkus - Stars & Hits in Leipzig! | 29. Mai 2020 | 20:15 Uhr