In Zeiten von Corona mit Oma und Opa in Kontakt bleiben

25.03.2020 | 02:10 Uhr

Zwei ältere Menschen bedienen gemeinsam ein Smartphone 1 min
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MDR JUMP Mi 25.03.2020 02:10Uhr 01:13 min

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Darum ist der Abstand wichtig

Unsere Großeltern zählen zu den vom Corona-Virus besonders gefährdeten Gruppen. Noch ernster wird es, wenn zum hohen Alter eine Vorerkrankung kommt. Immunsysteme älterer Menschen haben viel länger und schwerer gegen Viren und Krankheiten allgemein zu kämpfen. Darum müssen sich Menschen ab dem 60. Lebensjahr besonders streng an die Regeln des Social Distancing halten. Ausnahmen, auch wenn sie noch so lieb gemeint sind, gefährden tatsächlich das Leben unserer Großeltern.

Wen Einsamkeit besonders trifft

Ältere Menschen leben, besonders wenn sie wenig zu tun und viel Zeit haben, von sozialen Kontakten. Ganz wichtig ist dabei auch der Körperkontakt. Das gilt umso mehr, wenn sie allein sind. Dazu Beziehungscoach Theresa Lenkeit:

Es ist das entgegengesetzte Empfinden zu unserem Alltag. Wir sind froh, wenn wir Arbeit und Stress hinter uns haben. Vielen alten Menschen fehlt eine Aufgabe. Da ist der Input von Kindern und besonders Enkeln enorm wichtig fürs seelische Gleichgewicht.

Das geht online

Ruf doch mal an - das ist natürlich die einfachste Variante. Am besten täglich und wenn es geht, mit vielen Familienmitgliedern. So haben Oma oder/und Opa das Gefühl, da sind viele andere, die sich für mich interessieren.

Natürlich ist auch so ein richtig langes, intensives Telefonat zwischen Erwachsenen Balsam für die Seele.

Theresa Lenkeit

Sind die Großeltern mit Computer, Smartphone und Tablet ausgestattet, sind Skype, Whats App oder Face Time ideal für ein virtuelles Treffen der Familie. Sind die Großeltern darin nicht so fit, ist das genau die Aufgabe für die nächsten Tage, es gemeinsam zu lernen und sich dann zu sehen. Zocke online mit den Großeltern oder fordere sie zu einer Partie Fernschach heraus. Wichtig: Auch eine kleine schnell eingesprochene Nachricht oder ein Witz vom Enkel erzählt, können kleine Lichtblicke für die Großeltern sein.

Briefe Päckchen und Co.

Wir Menschen benutzen viele Sinne, die Haptik, also etwas anzufassen, gehört ganz elementar dazu. Die Enkel können etwas malen, die Großen etwas scheiben und dann bekommen Oma und Opa einen Brief. Wichtig:

Du brauchst keine Angst vor Viren auf dem Briefpapier zu haben. Die überleben dort nämlich nicht lange. Außerdem sollte man auch mit gewaschenen Händen schreiben und malen. Oma und Opa können den Brief zur Sicherheit noch einen Tag liegen lassen. Das erwähnte Fernschach geht übrigens auch per Post, dauert nur ein wenig länger.

Riechen und Fühlen sind genau so wichtig. Deshalb spricht nichts gegen ein paar gebackene Kekse oder ein Knetmännchen vom Enkel. Am besten lässt du ein Päckchen vor dem Verschicken ein zwei Tage liegen.

Und schließlich kann auch ein Blumenstrauß vom Lieferdienst , einfach mal so zwischendurch für riesen Freude sorgen. Die meisten Lieferdienste arbeiten aktuell, wenn auch mitunter mit eingeschränktem Sortiment.

Aufgaben geben

Sie sollten die Großeltern auch aktiv ins Leben einbinden, sie fordern. Das kann zum Beispiel der Wunsch nach ein paar selbstgestrickten Socken sein. Oder Opa soll einen Drachen basteln.

Theresa Lenkeit

So können sich die Großeltern gebraucht fühlen. Das aktiviert auch ganz praktisch Körper, Geist und das Immunsystem. Frage nach, was die Großeltern erlebt haben, was sie am nächsten Tag vorhaben, wie weit sie mit den Socken sind. So kommt ein gewisser positiver Stress auf. Auch das Aufschreiben der Lebensgeschichte kann so eine Aufgabe sein.

Streit schlichten-gerade jetzt?

Dazu hat unsere Expertin eine ganz klare Meinung:

Ja, ja und ja! Wenn es nicht der absolute Erbstreit oder ähnliches ist, sollten Sie gerade jetzt versuchen, lange geschlossen gehaltene Kanäle zu öffnen..

Oftmals fehlt ja nach einem Streit nur jemand, der den ersten Schritt macht.

So ein schwelender Konflikt kann einsamen alten Menschen auch körperlich richtig zusetzen. Die blühen dann mitunter richtig auf, wenn wieder Kontakt da ist.  

So hältst du richtig Kontakt

Egal auf welchem Weg du Kontakt hältst, denke dabei immer an die Gefühle und die Würde der älteren Generation.

Menschen merken es ganz schnell, wenn so ein Anruf oder eine Einkaufshilfe eher als lästige Pflicht von den anderen angesehen wird.

Wichtig ist deshalb, dass man sich für Gespräche wirklich Zeit nimmt, nachfragt und zuhört. Nochmal Theresa Lenkeit:

Es ist nicht wichtig, dass Sie immer zur gleichen Zeit Kontakt haben. Im Moment kommt es eher auf die Häufigkeit an. Jeden Tag gibt es neue Informationen, da kann man schon mal früh und abends anrufen und sowas besprechen. Wenn es geht, sollte man sich fürs nächste Telefonat verabreden, dann haben die Großeltern etwas, worauf sie sich freuen können.

Auf Wünsche eingehen

Wer für Oma und Opa einkaufen geht, sollte vorher ausführlich klären, was die beiden haben wollen. Jeder hat seinen Geschmack und Vorlieben und möchte auch mal wählen können - gerade jetzt, wo vieles eingeschränkt ist. Stellt man einfach ohne Absprache Brot, Butter und Wasser vor die Tür, fühlt sich das wir Pflichterfüllung an.

Wenn Kontakt nicht mehr ausreicht

Sollte die Isolation deinen Großeltern mehr als gedacht zusetzen, rät unsere Expertin:

Holen Sie sich Hilfe. Das geht zum einen für die Großeltern über Telefondienste, wo man einfach mal nur reden kann. Zum anderen aber sollten Sie Hausarzt oder Psychologen kontaktieren, wenn es zu heftig wird.

Übrigens

Kontakt kannst du auch mit Nachbarn oder anderen älteren Menschen in deiner Umgebung pflegen. Es müssen ja nicht immer deine eigenen Großeltern sein.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 25. März 2020 | 11:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2020, 02:10 Uhr

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