Kleintierhaltung in Corona-Zeiten Vermittlungsboom in mehreren Thüringer Tierheimen

Während der Corona-Krise sind in zahlreichen Thüringer Tierheimen ungewöhnliche viele Anfragen eingegangen. Dabei interessierten sich die Menschen für Meerscheinchen genauso wie für Katzen und Hunde. Obwohl die Tierheime die neuen Besitzer ihrer Schützlinge sorgfältig auswählen, könnte die Rückgabequote nach dem Ende der Corona-Pandemie höher liegen als gewöhnlich.

Hund im Tierheim Weimar
Ein Hund im Tierheim Weimar. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Mehrere Thüringer Tierheime können der großen Nachfrage im Moment gar nicht mehr gerecht werden. Das Tierheim in Nordhausen spricht von einem regelrechten "Boom". Auf 20 junge Kätzchen kamen in den letzten Wochen gleich 50 Bewerber. Alle pflegeleichten Katzen und Hunde seien weg. Im Tierheim Weimar waren Meerschweinchen und Kaninchen besonders begehrt. Auch Hunde wurden in den letzten Wochen häufiger adoptiert als gewöhnlich.

Familien momentan oft zuhause

Zwei Ratten im Tierheim Weimar
Zwei Ratten im Tierheim Weimar. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Spontanentscheidungen aus Einsamkeit? Meistens nicht! Es werden eher lang gehegte Träume verwirklicht. Wer gerade viel zuhause ist, hat ausreichend Zeit für die Eingewöhnung des neuen Mitbewohners. Außerdem hätten Familien zum Beispiel eine im Herbst geplante Anschaffung vorgezogen, berichtet das Tierheim Mühlhausen aus seiner Erfahrung der letzten Wochen. Der Sommerurlaub muss nicht mehr abgewartet werden, er fällt aus.

Tierbesitzer genau unter die Lupe nehmen

Um Hygieneregeln einzuhalten wird in vielen Tierheimen nur mit Terminabsprache vermittelt. So ist es auch im Tierheim Weimar. Ausführliche Gespräche würden dabei Schnellschüsse verhindern, sagt Matthias Zauche. Der Leiter des Heims berichtet, Interessenten würden mit "einer ganzen Menge kalten Wassers" überschüttet. So könnten sich die Mitarbeiter des Tierheims sicher sein, dass die Vermittlung am Ende wirklich klappt. Auch das "Tierheim am Wald" Hildburghausen berichtet, die zukünftigen Tierbesitzer ganz genau unter die Lupe genommen zu haben.

Sabrina Reinecke mit Kater Woody
Sabrina Reinecke vom Tierheim Weimar mit Kater Woody. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Alltag nach Corona könnte Rückgaben zur Folge haben

Schief gehen kann natürlich trotzdem immer etwas. Matthias Zauche rechnet damit, dass nach dem Ende der Corona-Beschränkungen einige Tiere wieder abgegeben werden. Wenn der Alltag einkehrt, tauchen oft erste Schwierigkeiten auf. So können etwa nicht alle Hunde allein zuhause bleiben, ohne die Nachbarn durch Gebell und Gewinsel in die Verzweiflung zu treiben. Deswegen heißt es zum Beispiel aus dem Tierheim in Eisenach: "Passt auf!". Wenn die Arbeit wieder ruft und die Schule beginnt ist das Zeitbudget plötzlich wieder knapp. Auch beim Tierheim Wächtler in Kranichfeld wird deswegen mit einer höheren Rückgabequote als gewöhnlich gerechnet.

Nachfrage nicht flächendeckend erhöht

Aber nicht überall wächst die Nachfrage nach Tierheim-Tieren. In Eisenach, Meiningen und Ilmenau halten sich die Vermittlungszahlen in Grenzen. Auch der Thüringer Landesverband für das Deutsche Hundewesen vermittelte in den letzten Wochen nicht überdurchschnittlich viele Tiere. Die Corona-Auflagen hätte die Arbeit schwierig gemacht, sagte der Vorsitzende des Verbands, Rainer Jacobs. Von den Corona-Kontaktbeschränkungen seien schließlich auch die Züchter betroffen gewesen. Das habe die Welpenabgabe schwierig gemacht. Auch Ausstellungen und Zuchtveranstaltungen mussten seit März ausfallen. Auf diesem Weg konnten deswegen keine Käufer angeworben werden.

Weitere Informationen zum Coronavirus in Thüringen:

Quelle: MDR THÜRINGEN,ls

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 26. Mai 2020 | 17:00 Uhr

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