Coronavirus Datensicherheit im Homeoffice oftmals unterschätzt

Die Corona-Krise lässt mehr Menschen von zu Hause aus im Homeoffice arbeiten. Das hat durchaus Vorteile, auch für die Arbeitgeber. Viele Wege und Dienstreisen fallen weg. Zugleich wachsen die Risiken, zum Beispiel für die Datensicherheit von Unternehmen. So registriert die Firma Eset in Jena einen höheren Beratungsbedarf.

Hand einer Person, die auf Laptop schreibt.
Viele Firmen unterschätze die Gefahr der Cyberkriminalität. Bildrechte: imago/Panthermedia

Thomas Uhlemann ist Mitarbeiter der Firma Eset, ein slowakisches Unternehmen für Sicherheitssoftware, das von Thüringen aus sein Geschäft im deutschsprachigen Raum steuert. Am Standort Jena gibt es mehr als 100 Mitarbeiter. "Und seit März haben wir deutlich mehr Anfragen zur Datensicherheit", sagt Uhlemann. 

100 Milliarden Euro Schaden durch Cyberkriminalität Der Branchenverband Bitkom bezifferte den jährlichen Schaden durch Spionage, Sabotage oder Erpressung mittels sogenannter Cyberkriminalität im Jahr 2019 auf über 100 Milliarden Euro allein in Deutschland. Viele Fälle bleiben dabei im Verborgenen, weil Betroffene Angriffe und Schäden nicht bekannt geben. Längst wird im Bereich Internetkriminalität mehr Geld verdient als mit Drogenhandel.

Private Rechner als Einfallstore ins Firmennetzwerk

Nicht alle Unternehmen waren oder sind in der Lage, ihren Mitarbeitern vorprogrammierte Firmen-Computer oder Laptops mit ins Home-Office zu geben. Stattdessen werden aktuell vermehrt private Rechner genutzt. Und die können sich zum Einfallstor für kriminelle Hacker entwickeln, sagt der Sicherheitsspezialist Uhlemann. "Es ist zum Beispiel ein Problem, wenn Leute ihre privaten Rechner für die Arbeit nutzen und auf diesen Geräten, anders als in der Firma, nötige Sicherheitsprogramme oder Updates fehlen".

Ein Junger Mann mit gepflegtem Kinnbart und blauem Pullover schaut in die Kamera, im Hintergrund die Kernberge von Jena.
Thomas Uhlemann Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Nach Angaben Uhlemanns können Unternehmen ihren Mitarbeitern keine Vorgaben machen, wie private Rechner ausgestattet sein sollen. Die Firmen könnten sich aber um eine Minimalausstattung bemühen, um Unternehmensdaten zu schützen. Eset beispielsweise empfiehlt Firmen die "Zwei-Faktor-Authentifizierung", mit der sich Nutzer von außen identifizieren müssen. Wer seine Bankgeschäfte im Internet abwickelt, ist mit diesen Verfahren vertraut. 

Viele Firmen haben die Digitalisierung "verpennt"

Nach Einschätzung Uhlemanns hat die Corona-Pandemie viele Firmen kalt erwischt. "Gerade jetzt zeigt sich auch, dass viele Firmen die Digitalisierung verpennt haben", sagt Uhlemann. Das kann für die Unternehmen sehr teuer werden, wenn Mitarbeiter auf kriminelle Hacker reinfallen. Und die machen sich offenbar aktuell das große Informationsbedürfnis zur Corona-Pandemie zunutze. 

So kursieren nach Uhlemanns Angaben im Netz gefälschte E-Mails mit Tipps der Weltgesundheitsorganisation WHO. Wer Links in solchen Mails anklickt, laufe Gefahr, Viren oder Schadenssoftware auf Firmennetzwerke zu holen. Beliebt sei auch, sich Login-Daten für Microsoft Office zu verschaffen, warnt  Uhlemann. Mitarbeiter wüssten häufig nicht, dass es unseriös ist, wenn solche Daten außerhalb des eigentlichen Programms abgefragten würden: "Mitarbeiter sind buchstäblich unterschult."

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Quelle: MDR THÜRINGEN

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