Online-Portale Wie aussagekräftig sind Praxis-Bewertungen?

Braucht man einen Facharzt oder eine Fachärztin, helfen diverse Online-Portale bei der Suche. Praxen in der Nähe lassen sich so leicht finden. Zwei Zahnärzte hatten gegen so ein Portal geklagt. Sie zahlten keinen Beitrag für ihr Profil und fühlen sich benachteiligt gegenüber zahlenden Ärzten. Der Bundesgerichtshof wies die Klagen zurück. Laut dem Urteil müssen sie das hinnehmen. Doch wie objektiv können Bewertungsportale wie Jameda sein? Und was sollten Patienten beachten?

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Jameda ist zugleich Suchmaschine und Bewertungsportal für Ärzte und andere im Gesundheitswesen tätige Personen. Bildrechte: jameda GmbH

Im Internet gibt es einige Portale, auf denen man Ärzte suchen kann und auf denen man auch Bewertungen findet. Eigentlich ziemlich praktisch, aber in der Praxis auch umstritten. Thorsten Krumwiede, Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland kann sich nur schwer vorstellen, dass kommerzielle Anbieter objektiv sein können.

"Wir wissen einfach, dass es in bestimmten Portalen bezahlte Profile gibt, die sich dann auch in der Suchfunktion anders widerspiegeln, das heißt es kann durchaus sein, dass sie dort Anzeigen früher finden als andere Ärzte." Das sehe man sehr kritisch. Der Ratsuchende oder der Nutzer müsse erkennen können, ob es sich um ein Suchergebnis oder eine Anzeige handele, für die ein Arzt Geld bezahlt habe, um dort zu erscheinen.

Ein Stethoskop hängt um den Hals einer Frau im Arztkittel
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Jameda: Darstellung ist Geschäftsmodell

Bei Jameda, einem der Ärzteportale im Netz sieht man das anders. Florian Weiß, Geschäftsführer des Unternehmens, weist darauf hin, das die ersten Plätze oft von nicht-zahlenden Kunden belegt werden. Er erläutert die Unterschiede zwischen bezahlten Profilen und unbezahlten: "Kunden bei uns haben immer ein Foto, Nicht-Kunden haben kein Foto." Wenn man Geld zahle, bekomme man eine umfassendere Darstellung, mehr Platz für Texte, Videos, Fotos und vor allem die Nutzung der Software. Explizit kaufe man sich eben aber keine Rankingposition, sagt Weiß. "Es ist für uns ein ganz wesentlicher Grundsatz alle Ärzte gleich zu behandeln."

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MDR JUMP Sa 04.01.2020 12:10Uhr 02:49 min

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Jede Bewertung wird laut Jameda geprüft

Das eine ist also die Sichtbarkeit in der Suche und das andere sind die Bewertungen. Wie will Jameda bei den Bewertungen objektiv bleiben? Was wird gelöscht, wer entscheidet darüber? Weiß sagt, wichtig sei, dass jede Bewertung, die abgegeben werde, vor der Veröffentlichung überprüft werde – und zwar nicht nur menschlich, sondern auch anhand eines Prüfalgorithmus. Da gehe es zum Beispiel darum, technische Auffälligkeiten zu identifizieren, aber auch bestimmte Wörter, die in einer Bewertung nicht stattfinden dürfen. Bewertungen, die veröffentlicht werden, müssten dem Grundsatz von Fairness, von Nützlichkeit und von Authentizität entsprechen. "Selbstverständlich haben Ärzte jederzeit die Möglichkeit, uns Probleme zu melden."

Dann wird eine Prüfung eingeleitet, bei der unter anderem überprüft werden soll, ob die Bewertung auch tatsächlich von einem Patienten stammt. So soll sichergestellt werden, dass Bewertungen weder gekauft, noch absichtlich irreführend sind.

Patientenberatung empfiehlt Nutzung unabhängiger Portale

Thorsten Krumwiede von der Patientenberatung empfiehlt, entweder bei den kommerziellen Anbietern genau zu hinterfragen, wer da gerade was bewertet, oder aber auf unabhängigen Portalen zu suchen. Hier fehlen jedoch die Bewertungen. Das können entweder die kassenärztlichen Vereinigungen sein, oder die Weisse Liste, ein nicht-kommerzielles Angebot der Bertelsmann Stiftung.

Bertelsmann Stiftung plant unabhängiges Bewertungsportal

Der Pressesprecher der Bertelsmann Stiftung, Josip Stjepanovic, erklärt, wie das Portal in Zukunft Qualität einschätzen will, ohne Nutzer bewerten zu lassen: "Es gibt durchaus Daten, die den Nutzern helfen können, ein Gefühl für die Qualität des Arztes zu bekommen. Da gibt es Routinedaten, die bei den Krankenkassen vorliegen."

Solche Daten seien jedoch in komplexen Datensätzen enthalten und für den Patienten nicht verständlich. Deshalb werde gerade in einem Projekt erarbeitet, wie man solche Daten leicht verständlich und zugänglich machen kann. Damit Patienten auf einen Blick sehen können, ob ein Arzt zu ihnen passt oder nicht, so Stjepanovic.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Oktober 2021 | 16:00 Uhr

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