Nach Vernehmungen zu NSU-Verbrechen Staatsanwaltschaft prüft ungeklärten Mord an Kind

Die Staatsanwaltschaft Gera beschäftigt sich weiter mit dem ungeklärten Mord an einem Kind. Der neun Jahre alte Junge war im Juli 1993 tot am Saale-Ufer in Jena entdeckt worden. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, war damals der mutmaßliche Rechtsterrorist Uwe Böhnhardt ins Visier der Ermittler geraten. Man habe ihm aber nichts nachweisen können. Inzwischen gebe es bessere Möglichkeiten, Spuren auszuwerten. Zum Zeitpunkt der Tat war Böhnhardt 15 Jahre alt.

Neue Ermittlungen nach NSU-Vernehmungen

Die Ermittlungen richten sich gegen Unbekannt. Gegen Böhnhardt kann nicht mehr ermittelt werden, weil er tot ist. Zwar seien Böhnhardt und ein späterer mutmaßlicher NSU-Unterstützer 1993 in den "erweiterten Kreis" der Tatverdächtigen geraten und als Zeugen vernommen worden. Es habe sich aber kein weiterer Tatverdacht ergeben. Die Staatsanwaltschaft prüft jedoch erneut, welche Rolle Enrico T. bei dem Mord an dem Kind spielt. T. gilt als mutmaßlicher Unterstützer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU). Er soll geholfen haben, die Mordwaffe vom Typ "Ceska" zu beschaffen, mit der das NSU-Trio zwischen den Jahren 2000 und 2009 neun Kleinunternehmer mit türkischen und griechischen Wurzeln getötet haben soll.

Der Mord an dem Jungen war unter anderem durch die zahlreichen Vernehmungen zu den NSU-Verbrechen wieder in den Fokus geraten. Ein Aussteiger aus der Jenaer Szene hatte dabei behauptet, dass Enrico T. "auf kleine Kinder stehe".

Enrico T. beschuldigt Böhnhardt

T. war schon kurz nach dem Tod des Kindes unter Verdacht geraten: Nur wenige Meter vom Toten entfernt lag ein weißer Außenbordmotor, der ihm gehörte. Doch der Mann bestritt stets vehement, etwas mit dem Mord an dem Jungen zu tun zu haben. Sein Boot samt Motor sei ihm gestohlen worden. Der einzige, der gewusst habe, wo es lag, sei sein damaliger Freund Uwe Böhnhardt gewesen. Er vermute, so T., Böhnhardt könnte den Jungen ermordet und versucht haben, ihm die Tat "in die Schuhe zu schieben". Böhnhardt und T. gehörten Anfang und Mitte der 1990-er Jahre derselben Jugendbande in Jena an. Beide galten als hoch kriminell.

Aktuelle Meldungen