NSU-Prozess Wortkarge Zeugin verhindert Befragung von Böhnhardt-Mutter

Eine wortkarge Zeugin hat am Dienstag im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht die geplante Vernehmung von Brigitte Böhnhardt verhindert und zugleich für Wirbel gesorgt. Die Befragung der Mutter des toten mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt  war ursprünglich mit Spannung erwartet worden.

Friseurin verkaufte Krankenkassenkarte und sagt wenig

Stattdessen zog sich die Vernehmung einer 33 Jahre alte Friseurin aus Hannover hin, deren Namen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe zeitweise als falsche Identität genutzt hatte. Die Zeugin räumte zwar ein, dem als Unterstützer des NSU-Trios angeklagten Holger G. einst ihre Krankenkassenkarte für 300 Euro verkauft zu haben. Zugleich bestritt sie aber gewusst zu haben, wofür G. die Karte gebraucht habe. Auch "diese Beate" habe sie nicht gekannt. In ihrer Vernehmung berief sie sich immer wieder auf Gedächtnislücken, einen "Blackout" oder ihre große Aufregung. Eine Vertreterin der Nebenklage nannte das "Aussageverweigerung".

Wirbel um Treffen mit dem unter Zeugenschutz stehenden Holger G.

Für Wirbel aber sorgte ihre Aussage, G. habe "sich tausendmal dafür entschuldigt, dass er mich in so eine Situation gebracht hat." Dabei bekannte sie, G. auch noch nach Beginn der Verhandlung getroffen zu haben. Nebenkläger wollten daraufhin wissen, warum der Angeklagte G. im Zeugenschutzprogramm und in Begleitung von Polizeibeamten Zeugen getroffen habe, die ihn in der Verhandlung eigentlich überführen sollen. Rechtsanwalt Thomas Bliwier forderte in einem Antrag, den Vorgang aufzuklären. Zahlreiche andere Nebenklagevertreter schlossen sich an. Die Bundesanwaltschaft betonte, ein Angeklagter in Freiheit dürfe sich treffen, mit wem er wolle.

Wohnmobilbesitzer: Eisenacher Fahrzeug nicht bezahlt

In einer  weiteren Zeugenbefragung ging es am Dienstag um das von den mutmaßlichen NSU-Terroristen im November 2011 für einen Banküberfall in Eisenach benutzte Wohnmobil. Der Vermieter erklärte, das Fahrzeug sei noch immer nicht bezahlt. Böhnhardt und sein mutmaßlicher Komplize Uwe Mundlos waren am 4. November 2011 in dem im Eisenacher Ortsteil Stregda geparkten und ausgebrannten Wohnmobil tot aufgefunden worden. Der Vermieter des Campers erinnerte sich in seiner Befragung vor Gericht kaum an Details der Vermietungen. Er sagte aber, dass der Mann, der das Wohnmobil mietete, freundlich und in Urlaubsstimmung gewesen sei. Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden handelte es sich um Uwe Böhnhardt, der unter dem Pseudonym Holger G. aufgetreten war.

Böhnhardts Mutter wird nun am 19. November befragt

Böhnhards Mutter soll nun am 19. November aussagen. Sie hatte bereits vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages ausgesagt. In einem Fernsehinterview hatte sie zudem erklärt, sie und ihr Mann hätten das Trio nach dessen Untertauchen im Jahr 1998 bis Anfang Frühjahr 2002 mehrfach getroffen. Von den NSU-Verbrechen hätten sie aber nichts gewusst. Die Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag, Dorothea Marx (SPD), sagte am Dienstag bei MDR INFO, Frau Böhnhardt habe ein größeres Päckchen zu tragen, denn sie habe mehrfach Kontakt zu dem Trio gehabt. Die Mutter suche gerne die Schuld woanders. Das sei verständlich.

Auch Mundlos-Eltern und Zschäpe-Mutter als Zeugen geladen

Nach Böhnhardt sollen in diesem Monat auch noch die Eltern von Uwe Mundlos sowie die Mutter von Beate Zschäpe befragt werden. Mundlos' Vater hatte am Montag vor dem Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss schwere Vorwürfe gegen die Sicherheitsbehörden erhoben. Seiner Ansicht nach hätte man das Trio in den ersten Wochen nach ihrem Untertauchen fassen können. Das LKA habe eindeutige Hinweise gehabt, wo sein Sohn gemeinsam mit Böhnhardt und Zschäpe untergetaucht sei. Zudem habe der Verfassungsschutz damals so viele Spitzel im Umfeld seines Sohnes gehabt, dass es unmöglich sei, dass er nichts vom Aufenthaltsort der drei in Chemnitz gewusst habe.

Aktuelle Meldungen