NSU-Prozess in München Brandt schließt Geldübergabe an NSU-Waffenbeschaffer nicht aus

Wurde die NSU-Mordwaffe "Ceska" etwa mit dem Geld der Steuerzahler bezahlt? Er habe "sehr viel Geld" des Staates an die rechtsextreme Szene weitergegeben, sagte der ehemalige Neonazi-Anführer und V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes Brandt im Münchner NSU-Prozess. Wofür es verwendet wurde, wisse er allerdings nicht mehr. Eine bewusste Geldbeschaffung zum Kauf einer Waffe stritt Brandt vehement ab.

Die Finanzierung der NSU-Mordwaffe "Ceska" bleibt auch nach der Zeugenaussage des früheren Thüringer Neonazi-Anführers und Verfassungsschutz-V-Mannes Tino Brandt unklar. Brandt sagte am Dienstag im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München, er könne "nicht ausschließen", dass er dem Mitangeklagten Carsten S. Geld des Thüringer Verfassungsschutzes gegeben habe.

Brandt bestreitet bewusste Geldbeschaffung

Allerdings bestritt Brandt, bewusst Geld für die Pistole vom Typ "Ceska" besorgt zu haben. Auch an eine konkrete Geldübergabe an S. könne er sich nicht erinnern. Er habe auch nie mit S. oder anderen über Waffen für das Jenaer Terror-Trio gesprochen, gab der 41-Jährige zu Protokoll. Es sei immer nur um einen Pass und Geld für das Leben im Untergrund gegangen.

Brandt sagte, es sei "sehr viel Geld" des Verfassungsschutzes an die Szene geflossen. Meist habe er "Kameraden" für Aktionen oder die Organisation von "Jugendarbeit" Geld zugesteckt. Seine Kontaktleute beim Verfassungsschutz hätten ihm Bargeld zur Verfügung gestellt, das er auch bar weitergereicht habe. Per Banküberweisung habe er grundsätzlich nie Geld transferiert, weil dies bei einer Rasterfahndung problematisch gewesen wäre.

Mutmaßlicher Waffenbeschaffer gesteht "Ceska"-Kauf

Der mutmaßliche Waffenbeschaffer des NSU, Carsten S., hatte gestanden, die "Ceska" gekauft zu haben und dafür Geld von dem ebenfalls mitangeklagten Ralf Wohlleben erhalten zu haben. Wohlleben bestreitet dies jedoch. Wohllebens Verteidiger hatten ihrerseits den Verdacht geäußert, das Geld stamme von Brandt. Mit der "Ceska" sollen die beiden mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt neun von zehn Mordopfern aus fremdenfeindlichen Motiven erschossen haben.

Streit von Bundesanwaltschaft und Nebenklage

Nach Brandts Vernehmung flammte der Streit zwischen Bundesanwaltschaft und Nebenklägern über die Aufklärung von Geheimdienstverwicklungen im Prozess erneut auf. Bundesanwalt Herbert Diemer warf den Nebenklägern "groben Unfug" und "despektierliches" Verhalten gegenüber dem Gericht vor. Er antwortete damit auf Vorwürfe von Nebenklägern, die sich vergangene Woche in scharfen Worten gegen die Ablehnung von Beweisanträgen gewandt hatten. Dabei geht es um den Verdacht, staatliche Stellen könnten bei der Fahndung nach den untergetauchten NSU-Terroristen versagt und die Serie von Morden und Sprengstoffanschlägen damit ermöglicht haben.

In seiner Stellungnahme stellte sich Diemer hinter die Entscheidung des OLG-Senats, der die Zeugenladung des früheren Zwickauer V-Mannes "Primus" ablehnte. "Primus" soll nach Medieninformationen die Hauptangeklagte im NSU-Prozess Beate Zschäpe und Uwe Mundlos in seinen Unternehmen beschäftigt haben. Zschäpe lebte fast 13 Jahre gemeinsam mit Mundlos und Böhnhardt im Untergrund. Sie ist als einzige Überlebende des NSU-Trios wegen Mittäterschaft angeklagt.

Zuletzt aktualisiert: 07. Juni 2016, 21:44 Uhr

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15 Kommentare

08.06.2016 19:02 Pfingstrose 15

Die braunen Stiefel kommen immer wieder durch, durch ihre rechten Anwälte.

08.06.2016 16:12 Hubert 14

@11 Ichich 08.06.2016 14:59 - Du brauchst Tino Brandt nicht gut zu reden. Tino Brandt hat nicht nur verkuppelt, er selbst hat Kinder und Jugendliche mißbraucht. - Der VS ist auf dem rechten Auge blind. Das kommt dir doch wohl sehr gelegen.