Testkapazitäten in der Corona-Pandemie Zunahme der Corona-Tests setzt mitteldeutsche Labore unter Druck

MDR-Volontär Lukas Paul Meya
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Seit Herbsteinbruch steigt die Anzahl der durchgeführten Corona-Tests stark an. Immer mehr Labore kommen nicht mehr mit der Auswertung hinterher. Das liegt an Personal- und Materialengpässen. Aber auch daran, dass teils zu viel getestet wird. Eine neue Teststrategie soll das ändern.

Im Labor "Ostsachsen" in Dresden laufen die Arbeiten auf Hochtouren. Immer mehr Proben für Corona-Tests kommen herein. Zunehmende Materialengpässe bereiten Thomas Kirchner und seinem Team Sorgen. Im September hatte das Labor den "Panther", ein Gerät zur vollautomatischen Auswertung von PCR-Tests, geliefert bekommen. Nun fehlen immer wieder sogenannte Messzellen, einfache Plastikbehältnisse, die die Maschine zur Auswertung benötigt.

Den Großteil der Proben werten die pharmazeutisch-technischen Assistentinnen daher per Hand aus. Im Zwei-Schicht-System, von Montag bis Samstag, mit täglichen Überstunden. "Sehr angespannt" sei die Stimmung im Labor, so Kirchner.

Laborleiter Thomas Kirchner steht vor einer Maschine, die PCR-Tests automatisiert auswertet.
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Wir haben derzeit bei uns im Labor circa 1.500 bis 2.000 Proben pro Tag. Das ist deutlich mehr als unsere Kapazität, die wir gemeldet haben. Die liegt bei circa 700 pro Tag. Das ist quasi die Kapazität, die wir langfristig aufrechterhalten können, wir liegen derzeit eben deutlich drüber. 

Thomas Kirchner Laborleiter "Ostsachsen", Dresden

Doch nicht nur die Auswertung der Proben bindet die Arbeitskraft der Mitarbeiter, so Kirchner. Zu viel Zeit verbringe das Labor damit, von Zulieferern die nötigen Testmaterialien zu bestellen. Auch der bürokratische Aufwand, den die Auswertung der Proben mit sich bringe, sei immens. Dazu komme, dass er jeden Tag weitere Anfragen für Proben ablehnen müsse.

Ähnliche Herausforderungen beschreiben auch andere Testlabore in Mitteldeutschland dem MDR, etwa das Diagnosticum in Plauen. Mit Ungewissheit schaut Thomas Kirchner auf die nächsten Monate: "Die spannende Frage ist: Wie geht es weiter? Werden die Anforderungen (an das Labor, Anm. d. Red.) wieder sinken, werden sie schlimmstenfalls noch weiter zunehmen? Denn dann wird es schwierig mit der täglichen Abarbeitung."

Testflut führt zu Probenrückstau

Es wird immer mehr getestet in Deutschland. In den vergangenen Wochen ist die Anzahl der PCR-Proben, die nicht rechtzeitig ausgewertet wurden, explodiert.

Das Robert Koch-Institut meldete zuletzt bundesweit fast 100.000 (Stand Sonntag, 1.11.2020) sich stauende Proben. "Die rote Ampel haben wir jetzt schon überfahren", kritisiert Michael Müller, Vorstandsvorsitzender der Labore in der Medizin.

Röhrchen mit Speichelproben werden im Labor der Bioscientia Healthcare GmbH auf einem Wagen gezeigt.
Röhrchen mit Speichelproben in einem medizinischen Labor. Bildrechte: dpa

Weniger alarmierend äußern sich die Ministerien in Mitteldeutschland. So teilte das Sozialministerium Thüringen am Montag auf Anfrage des MDR mit, derzeit liege die Auslastung der Thüringer Labore bei 69 Prozent. Demnach wurden allein in Thüringer Laboren seit Mitte März die Testkapazitäten fast verachtfacht.

Die Auslastung der Labore unterscheidet sich allerdings regional innerhalb des Landes stark: Während von den insgesamt 16 Thüringer Laboren fast alle ihre Testergebnisse innerhalb von 24 Stunden lieferten, betrage die Laufzeit bei zwei Laboren fünf, bzw. sieben Tage, so das Sozialministerium. Ähnlich ist das Bild in Sachsen: Das sächsische Sozialministerium teilte vergangene Woche mit, dass im Bereich Dresden und Südwestsachsen die Kapazitäten teils ausgeschöpft seien, während im Raum Leipzig noch zusätzliche Kapazitäten frei seien.

Eine neue Teststrategie

Die Materialengpässe seien ein bundesweites Problem, so Sachsens Sozialministerin Petra Köpping. Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vorgestellte neue Teststrategie soll daher künftig die Labore entlasten, auch in Sachsen.

Wir müssen gezielt testen. Es macht keinen Sinn, die Bevölkerung querbeet durchzutesten, sondern diejenigen zu testen, die direkte Symptome haben. Und wenn diese dann direkte Kontaktpartner hatten, dann kann ich denjenigen in Quarantäne schicken.

Petra Köpping Sozialministerin Sachsen

Die Tests sollen künftig sparsamer eingesetzt werden. Priorität sollen symptomatische und stationäre Patienten sowie bestimmte Berufsgruppen haben, etwa Krankenhaus- und Pflegepersonal. Und alle anderen? Köpping appelliert an die Bürgerinnen und Bürger: Nur diejenigen, die Symptome haben, sollen sich auch testen lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Aktuell | 10. November 2020 | 21:45 Uhr

9 Kommentare

kleinerfrontkaempfer vor 44 Wochen

Testen ist schön und wichtig.
Wenn allerdings auch schon offiziell eingeräumt wird das 3/4 der potentiellen Kontaktpersonen nicht mehr "nachverfolgt" werden können, so ist die Schwachstelle des behördlichen Bemühens schon ausgemacht. Dann nutzen auch solche Spielchen wie die CoronaApp nix.

Critica vor 44 Wochen

Anni, können Tests verhindern, dass sich das Virus ausbreitet? Eher Nein! Das Virus ist da, inzwischen bei allen angekommen. Es macht keinen Bogen um Städte und Dörfer, um Schulen und Altenheime etc. pp. Wenn nicht getestet würde, wüssten viele nichts von ihren "positiven Tests" und würden ruhiger leben...

Peter vor 44 Wochen

Anni22: Wie kommen Sie auf den Gedanken, dass nicht getestet wird?
Während ab dem 17.08. die wöchentliche Anzahl der PCR-Tests konstant bei knapp über einer Million lag, wurde die Tests ab dem 12.10. kontinuierlich hochgefahren. in der Woche zwischen dem 26.10. und dem 01.11. auf 1,57 Mio Tests pro Woche.

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