Schulpflicht Kinder- und Jugendärzte wollen Attestpflicht nicht mehr durchsetzen

Manche Eltern schicken ihr Kind gerne eigenmächtig einige Tage zu früh in die Sommerferien, um in den Urlaub zu fahren. Das Phänomen ist bekannt. Einige Schulen haben deshalb eine Attestpflicht einberufen. Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte erklärt nun, nicht mehr bereit zu sein, diese Atteste auszustellen. In Sachsen-Anhalt und Sachsen ist die Situation weniger dramatisch als in Nordrhein-Westfalen. Doch auch in Mitteldeutschland kritisieren Mediziner die Attestpflicht.

Eine Lehrerin des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium schreibt das Wort «Ferien» an die Klassentafel.
Der Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert die Attestpflicht mancher Schulen vor Ferienbeginn scharf. Bildrechte: dpa

Ist das Kind wirklich krank oder schwänzt es für den Familienurlaub? So berechtigt die Frage aus Sicht der Schule auch sein möge, so wenig seien Mediziner bereit, ihr nachzugehen, sagt Jakob Maske, Sprecher des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte. Man sei schlicht nicht zuständig.

Maske sagt: "Das ist natürlich eine Kontrollfunktion, die wir als Ärzte gar nicht wahrnehmen wollen. Wir wollen auch keine unnötigen Arztbesuche erzeugen, nur weil Schulen Atteste brauchen. Normalerweise haben Kinder zum Beispiel eine Durchfallerkrankung. Damit brauchen sie in der Regel ja nicht zum Arzt zu gehen."

Bundesverband: Sind dazu nicht mehr bereit

Ein Attest sei in der Regel auch nicht nötig. Kinder kurierten solche Krankheiten zu Hause gemeinsam mit den Eltern aus. "Wenn die Schulen solche Kontrollen installieren wollen, dann müssen sie sich des öffentlichen Gesundheitsdienstes bedienen. Wir, als Kinder- und Jugendärzte, sind hierzu nicht mehr bereit."

Sachsen-Anhalt: Attest-Flut nicht der Rede wert

Ganz so strikt sieht das aber nicht jeder im Verband. Denn offenbar ist nicht überall die Situation so wie in Nordrhein-Westfalen. In Sachsen-Anhalt etwa, wo die Schulleitungen ebenfalls ein ärztliches Attest verlangen dürfen, spricht man beim Landesverband zwar insgesamt von einer Attest-Flut, die die Mediziner zu bewältigen hätten, solche vor und nach den Schulferien seien aber nicht der Rede wert.

Kinderärztin: Bin nicht dafür da, Schulpflicht durchzusetzen

Und auch in Sachsen gebe es in diesem Zusammenhang kein Problem, sagt Landesverbandssprecherin Melanie Ahaus. Sie ist selbst Kinderärztin in Leipzig. Im Freistaat können die Schulen nur in Ausnahmefällen ein Attest verlangen. Im Grundsatz ist Ahaus aber auf Linie des Verbandes.

"Die Schulpflicht besteht natürlich bis zum letzten Tag. Aber ich sehe das genauso wie meine Kollegen in Nordrhein-Westfalen. Ich bin natürlich als Ärztin nicht dafür da, die Schulpflicht durchzusetzen. Wenn ein Kind zu mir in die Praxis kommt und sagt, ich habe heute Kopfschmerzen, mit ist übel, ich kann nicht in die Schule gehen. Was soll ich da sagen? Natürlich schreibe ich das Kind krank."

Kinderärztin: Keine Zeit für Atteste, die nicht notwendig sind

Schließlich könne sie nicht überprüfen, ob das Kind tatsächlich Schmerzen habe. Sie und ihre Kollegen müssten ihre ganze Arbeitskraft aufwenden, um für die Patienten da zu sein, die sie wirklich brauchten, sagt Ahaus. Da hätten sie keine Zeit für Atteste, die gar nicht notwendig seien.

"Ich meine, das Problem vor den Ferien ist natürlich allen bekannt. Ich kann auch die Eltern verstehen, die sagen, in der letzten Schulwoche passiert sowieso nichts mehr."

Aber das sei nicht das Problem der Kinderärzte, so Ahaus. Da müssten sich die Schulen etwas einfallen lassen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 08. Juni 2023 | 06:00 Uhr

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