Militär Bundeswehr startet Ausbildung von Wehrdienstleistenden im Heimatschutz

Porträt Autor Dirk Reinhardt
Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

"Dein Jahr für Deutschland." Mit diesem Motto wirbt die Bundeswehr seit Monaten bundesweit auf großflächigen Plakaten, in Zeitungsanzeigen und Internet-Videos für ihr neuestes Pilotprojekt: den „Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz“. Ziel dieses - nennen wir es "Wehrdienstes light" - ist es, Nachwuchs für die Truppe zu finden. Am 1. April ist offizieller Auftakt des Pilotprojekts, am 6. April rücken die ersten Rekruten in die Kasernen ein.

Bundeswehrsoldaten beim feierlichen Gelöbnis
Bundeswehr-Soldaten beim feierlichen Gelöbnis (Archivbild) Bildrechte: imago images / auslöser-photogr

"Ich hoffe, dass ich viele neue Erfahrungen sammle und eine gute Ausbildung bei der Bundeswehr erhalte." Mit diesem Satz präsentiert die Bundeswehr auf ihrer Website eine junge Frau aus dem ostthüringischen Greiz, die am 6. April im bayerischen Volkach eine Grundausbildung als Wehrdientleistende beginnen wird. Das Besondere dabei: Die Thüringerin ist eine von rund 300 Frauen und Männern, die den neuen "Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz“ beginnen werden. In den folgenden Monaten werden weitere folgen, insgesamt will die Bundeswehr bundesweit rund 1.000 dieser Heimatschützer einstellen.

Bundeswehr-Anzeige für Wehrdienst im Heimatschutz in einer Thüringer Zeitung
Bundeswehr-Anzeige für Wehrdienst im Heimatschutz in einer Thüringer Zeitung Bildrechte: MDR/Dirk Reinhardt

"Heimatnahe" Verwendung im Wach- oder Feldjägerdienst

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte das Pilotprojekt im Sommer 2020 ins Leben gerufen. Der Heimatschutz-Wehrdienst ist so etwas wie eine abgespeckte Version des üblichen Freiwilligen Wehrdienstes, der mit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 2011 eingeführt worden war. Die "Heimatschutz"-Wehrdienstleistenden erhalten zwar eine normale militärische Grundausbildung inklusive Ausbildung an der Waffe. Sie sollen aber nicht an Auslandseinsätzen teilnehmen, sondern ausschließlich in Deutschland und zudem "heimatnah" eingesetzt werden. In sogenannten Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien (RSU) sollen sie dann beispielsweise Wachdienst leisten oder den Feldjägern (Militärpolizei) helfen.

Das Kalkül hinter dem Heimatschutz-Pilotprojekt ist offenbar, ein im Vergleich zum Freiwilligen Wehrdienst oder dem mehrjährigen Dienst als Soldat auf Zeit (SaZ) niederschwelligeres Angebot für den Eintritt in die Bundeswehr zu machen. Und so weiteres Personal zu finden. Denn seit der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht im Jahr 2011 ist die Zahl der Wehrdienstleistenden drastisch zurückgegangen.

Bei Gewerkschaften, Sozialverbänden und Kirchen wurde schon nach den ersten Ankündigungen des Heimatschutz-Wehrdienstes durch das Verteidigungsministerium Kritik laut. Vom "Werbetrick, um minderjährige Soldaten anzuwerben", war die Rede, und von der fraglichen Sinnhaftigkeit des neuen Angebots. Für Katastrophenhilfe seien Technisches Hilfswerk und Co. zuständig, hieß es etwa bei Grünen, FDP und Linken im Bundestag.

Drei Viertel der Bewerber zwischen 17 und 27

Bei der Bundeswehr verweist man auf die aktuellen Zahlen: "Das Interesse an dem Angebot ist sehr hoch", sagt eine Sprecherin der Bundeswehr in Köln auf Anfrage von MDR THÜRINGEN. In Köln hat das Personalamt der Bundeswehr seinen Sitz, das für die Rekrutierung zuständig ist. Es habe über 8.000 Interessenbekundungen gegeben, so die Sprecherin. Letztlich hätten rund 1.200 Bewerber "überzeugen" können. Und vor allem junge Menschen interessieren sich dafür: Drei Viertel der Interessenten seien zwischen 17 und 27 Jahren alt, so die Sprecherin. Frauenanteil: 16 Prozent.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gibt eine Pressekonferenz in der Henne-Kaserne in Erfurt
Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer bei einem Besuch in der Henne-Kaserne in Erfurt im Oktober 2019. Hier hat das Landeskommando Thüringen der Bundeswehr seinen Sitz. Bildrechte: MDR/Falk Fleischer

Die ersten 326 neuen Rekrutinnen und Rekruten beginnen in der Woche nach Ostern in verschiedenen Einheiten ihre Grundausbildung - unter anderem im Logistikbataillon 171 in Burg in Sachsen-Anhalt. Die Ausbildung sei dieselbe wie für andere Rekruten, Unterschiede würden nicht gemacht, so die Bundeswehr-Sprecherin. Nach den sieben Monaten Ausbildung leisten die Heimatschützer dann noch fünf Monate lang Dienst in den RSU, allerdings verteilt auf mehrere Jahre. Sie werden also jeweils für mehrere Wochen zum Dienst einberufen - je nach Bedarf. Die RSU sind den Landeskommandos unterstellt, welche wiederum für die zivil-militärische Zusammenarbeit etwa im Katastrophenfall zuständig sind. Somit können Heimatschutz-Wehrdienstleistende also auch bei der Unterstützung ziviler Stellen - wie derzeit in der Corona-Hilfe - eingesetzt werden.

Neuer Wehrdienst als "Dauerbrenner"?

Wie viele von ihnen künftig in Thüringen Dienst tun werden, kann das Landeskommando Thüringen derzeit nicht beziffern. Das hänge davon ab, wie viele die Ausbildung durchhalten und dann den Wunsch haben, auch im Freistaat Dienst zu tun, sagte ein Sprecher des Landeskommandos in Erfurt dem MDR. Denn, so das Personalamt in Köln, "der regionale Wunsch der Bewerberinnen und Bewerber steht bei der Einplanung im Vordergrund". Man sei aber zuversichtlich, dass die offenen Stellen bei allen 30 RSU bald besetzt werden könnten. Das Pilotprojekt habe "alle Chancen, zum Dauerbrenner zu werden".

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. April 2021 | 07:00 Uhr

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