Hohe Inzidenzen Corona-Fälle: Viele Mitarbeiter in Schulen, Kliniken und ÖPNV fallen aus

Die Corona-Zahlen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind nach wie vor hoch. Viele Mitarbeiter fallen krankheitsbedingt aus. Ein Überblick über die Situation in wichtigen Bereichen wie Schulen und Kliniken.

Collage aus drei Fotos
Bildrechte: dpa/IMAGO/Christian OhdeI/imagebroker

Die Corona-Fallzahlen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind weiterhin hoch. Angeordnete Quarantänen oder Betreuungen von Erkrankten sorgen für leere Büros, Bahnen, Läden und Co. So ist die aktuelle Situation in Bereichen, die für die Infrastruktur besonders wichtig sind:

Die Situation im ÖPNV

Im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) kann es nach wie vor zu krankheitsbedingten Zug-Ausfällen kommen. Der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA), zuständig für die Planung des Schienenverkehrs, sieht derzeit eine angespannte personelle Situation, aber keine ansteigende Tendenz. Die Situation sei für die Unternehmen beherrschbar, teilte die NASA mit. Es seien zwar Pläne für Fahrplanänderungen vorbereitet, sollte sich die Situation verschlimmern, aber derzeit müssten diese nicht ausgeführt werden.

An einem Bahnsteig am Bahnhof von Thale stellt ein Zug von Abellio.
Auch bei Abellio ist der Krankenstand "höher als im Regelfall". Fahrten fallen aber nur vereinzelt aus. Bildrechte: MDR/Michael Rosebrock

Beim Bahnunternehmen Abellio, das Strecken in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen befährt, "ist der Krankenstand höher als im Regelfall", so Sprecher Stefan Dietrich. Es sei aber nicht so dramatisch wie vor Weihnachten. Einen Notfallfahrplan gibt es laut Abellio derzeit nicht. Durch Bereitschaftsdienste und gute Planung könne Abellio die meisten Zug-Ausfälle abfangen. Nur ganz vereinzelt käme es zu kurzfristigen Ausfällen. "Wenn sich morgens um drei Uhr ein Kollege vor der Fahrt krankmeldet, dann finden Sie so schnell nicht immer einen Ersatz", so Dietrich.

Bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB) sind die corona- und quarantänebedingten Ausfälle nach Unternehmensangaben deutlich wahrnehmbar. Die Personalausfälle liegen demnach über dem üblichen Durchschnitt zu dieser Jahreszeit. Der Krankenstand stelle einen Maximalwert dar und sei seit einem längeren Zeitraum auf einem anhaltend hohen Plateau. Um das Angebot aufrecht erhalten zu können, würden deshalb auch verstärkt Aushilfsfahrer und -fahrerinnen eingesetzt.

Die Situation in den Schulen

Auch in vielen Schulen sind die Corona-Fallzahlen aktuell hoch. In Sachsen sind deswegen beispielsweise derzeit 36 Schulen geschlossen. Das geht aus Angaben des sächsischen Kultusministeriums hervor.

Allerdings sind die Kriterien, wann eine Schule schließen muss, unklar. Viele Betroffene wünschen sich feste Kriterien, Planbarkeit und ein verlässliches Regelwerk, anhand dessen der Schulbetrieb ausgerichtet werden kann. Eine Schule in Dresden wurde beispielsweise erst nach der dritten Anfrage durch die Schulleitung beim Ministerium geschlossen. Die Aufsichtspflicht war laut Schulleitung jedoch schon bei der ersten Anfrage nicht mehr gegeben.

Das setzt auch Eltern unter Druck. Sebastian Estel, Elternratsvorsitzender an einer Schule in Dresden, sagte, das sich verschärfende Infektionsgeschehen sei nichts, worauf man unvorbereitet zusteuern müsste. Sein Gefühl sei, dass keine klaren Rahmenbedingungen und Richtlinien geschaffen würden.

Die Situation in den Kitas

In den Kindertagesstätten ist die Situation ebenfalls angespannt. Wie der Kita Fachkräfteverband Thüringen mitteilte, können wegen der Personalausfälle die eigentlich möglichen Lockerungen, wie zum Beispiel gruppenübergreifendes Spielen oder längere Öffnungszeiten, in den Kitas oft nicht umgesetzt werden.

An eine geregelte Arbeit wie vor der Pandemie ist für die Pädagogen und Pädagoginnen noch lange nicht zu denken.

Sascha Köhler vom Kita Fachkräfteverband Thüringen

Bereits vor der Pandemie sei die Personaldecke dünn gewesen. Nun kämen die pandemiebedingten Ausfälle dazu. Sechs Kitas in Thüringen seien derzeit komplett geschlossen. "An eine geregelte Arbeit wie vor der Pandemie ist also für die Pädagogen und Pädagoginnen noch lange nicht zu denken", so Sascha Köhler vom Kita Fachkräfteverband Thüringen. Pädagogische Beratungen entfielen oft gänzlich, weil das Personal in den Gruppen benötigt werde.

Der Verband erwartet für die kommenden Wochen und Monate weitere Ausfälle der Fachkräfte durch Überarbeitung und Stress. Ausreichend darauf vorbereitet sieht der Verband die Kitas nicht. Es fehle an Hilfen und Unterstützungen der Politik. Durch "Rausgehen in den Garten" werde die Betreuung vielleicht funktionieren, der Bildungs- und Bindungsauftrag bliebe so aber auf der Strecke.

Auch in den Kindertagesstätten in Sachsen fallen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen krankheitsbedingt aus. So meldet der Sozialverband VdK Sachsen, dass in seinen Einrichtungen durch die Erkrankungen vereinzelt Betreuungszeiten verkürzt oder Gruppen geschlossen werden mussten, um den Betrieb sicherzustellen.

Die Situation sei herausfordernd, aber in den bisherigen zwei Jahren der Pandemie hätten sich viele Prozesse eingespielt und die Teams könnten sehr gut auf Erkrankungen reagieren. Dabei sei auch das Verständnis der Eltern hervorzuheben, die sich zum Teil schnell auf veränderte Situationen einstellen müssten.

Der VdK weißt im Zuge der Ausfälle auf die geforderte Verbesserung des Personalschlüssels in den Kindertageseinrichtungen hin. Bei einem besseren Personalschlüssel seien Ausfälle besser auffangbar und Überlastungen des verbliebenen Personals könnten vermieden werden.

Die Situation bei Hausärzten und in Kliniken

Ärzte und Ärztinnen, egal ob in Praxen oder Kliniken, sind laut Landesärztekammer Thüringen an ihrer Belastungsgrenze angekommen. "Nicht die institutsbezogene Impfpflicht, sondern die Quarantäne durch eigene Ansteckung oder Betreuung von Kindern und Angehörigen leert die Krankenhausflure und die Arztpraxen", teilte die Landesärztekammer mit. Dazu kämen angespannte Patienten, die den zusätzlichen Wartezeiten und Einschränkungen nicht offen gegenüberstünden. Deswegen appelliere man an die Empathie der Patienten. "Auch Helfer brauchen Hilfe und Unterstützung."

Auch die Landeskrankenhausgesellschaft in Thüringen meldet, dass die meisten Kliniken in Thüringen derzeit nur eingeschränkt arbeiten.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat am Dienstag ebenfalls auf den hohen Druck im Gesundheitswesen bei einem Gespräch mit Ärztevertreten hingewiesen. Zur Corona-Pandemie käme laut den Ärztevertretern im Moment auch der zusätzliche Aufwand, die Geflüchteten aus der Ukraine zu versorgen, sagte Haseloff.

Generell gibt es auch in Sachsen-Anhalt laut Präsident der Landeskrankenhausgesellschaft, Wolfgang Schütte, nach wie vor einen hohen Krankenstand bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. "Die Omikron-Infektiosität ist so hoch, dass wir jeden Tag zig Krankmeldungen haben", sagte Schütte. Alle Krankenhäuser seien betroffen. Schütte hoffe aber, "dass sich diese Extremlage bis Ostern bessert".

Die Situation in Apotheken

Die Apotheken in Sachsen-Anhalt verzeichnen laut der Apothekerkammer größere Personalausfälle durch Quarantänen sowie Corona-Erkrankungen. "Aber die Versorgungssicherheit ist gewährleistet", sagte Sprecherin Katrin Pohl. Die Lage sei sehr unterschiedlich in den einzelnen Apotheken, es käme aber nur selten zu Schließungen oder verkürzten Öffnungszeiten.

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MDR (Fabian Frenzel)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT | 23. März 2022 | 16:00 Uhr

7 Kommentare

Denkschnecke vor 14 Wochen

Ich finde auch, dass man den TÜV abschaffen sollte. Keine HU mehr, keine verkehrsunsicheren Autos mehr. Und bei wem doch mal die Bremse gar nicht mehr geht, der geht zu Fuß.
Fragen Sie bitte mal die Virologen, was sie zur aktuellen Situation wirklich sagen (oder lesen Sie es hier nach). Und zum Unterschied zwischen COVID und Grippe.
Dieser Post kann Spuren von Ironie enthalten.

Denkschnecke vor 14 Wochen

Ihnen ist offensichtlich entgangen, dass die letzten Virusmutanten weit ansteckender sind als die im Jahre 2020. (Dass man das immer noch erklären muss...) Mit den wenigen Beschränkungen, die wir aktuell noch haben, wären die Inzidenzen im Herbst 2020 sicher auch im Bereich einiger hundert gewesen.

Falo vor 14 Wochen

Einfache Formel: Testwahnsinn stoppen = Pandemieende (macht jedes Andere Land in Europa vor). Wer krank ist bleibt zuhause, wer nix hat geht arbeiten, war bei grippe nicht Anders. Jeder Virologe sagt wir sind im Stadium einer Grippe....die hohen Inzidenzzahlen sagen doch garnichts aus. Also den Wahnsinn endlich beenden und wieder mal mit Leben und Normalität anfangen. Es werden weiter Menschen sterben, das war bei jeder Grippe nicht Anders, ist schlimm aber gehört zum Leben dazu. Wer Angst hat bleibt Zuhause, läßt sich impfen (dann ist er ja geschützt) und/oder trägt Maske....ist ja nicht verboten. Der Irrsinn jetzt legt das Land lahm und nicht Corona.

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