Familienurlaub Corona-Auszeit für Familien: Unterkünfte in den Ferien nahezu ausgebucht

Seit Oktober vergangenen Jahres gibt es für Familien die Möglichkeit, einen Kurzurlaub - die "Corona-Auszeit" - vom Bund gefördert zu bekommen. Doch so gut wie alle teinehmenden Unterkünfte haben in den Ferien keine freien Plätzer mehr - auch zu anderen Zeiten sind sie schwer zu bekommen.

Spaziergänger und Radfahrer in einem Wald.
Die "Corona-Auszeit" soll Erholung für Familien möglich machen. Bildrechte: imago/CHROMORANGE

Das Ferienzentrum Oberhof im Thüringer Wald ist ausgebucht, alle 218 Betten in den 70 Zimmern sind belegt. "Der größte Teil der Gäste ist zur Corona-Auszeit da", sagt Liesa Eisner, die hier als Hausleiterin arbeitet. Das Ferienzentrum liegt mitten im Thüringer Wald, der Rennsteig ist nah. An diesem Vormittag ist es ruhig im Foyer, die meisten Familien machen wohl Ausflüge, bevor es Mittagessen gibt.

Blick in das Foyer eines Ferienzentrums
Das Foyer im Ferienzentrum Oberhof: Hier können sich die Familien über Ausflugsziele informieren. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

"Corona-Auszeit für Familien" - der Name des Bundesprogramms, das im Oktober vergangenen Jahres begonnen hat und noch bis Ende 2022 läuft, klingt vielversprechend. Tatsächlich ermöglicht sie Familien mit kleinerem und mittlerem Einkommen einen vergünstigten Urlaub in gemeinnützigen Ferienstätten und Erholungseinrichtungen mit bis zu sieben Übernachtungen. "Neben dem Aspekt der Erholung können Familien dort auch freizeit-pädagogische Angebote wahrnehmen", heißt es auf der Website der Bundesregierung.

Zehn Prozent Eigenanteil zur "Corona-Auszeit"

Zehn Prozent der Übernachtungs- und Verpflegungskosten müssen selbst getragen werden, hinzu kommen noch Kosten für An- und Abreise und Extras wie zum Beispiel Kurtaxe. Das kritisierte Verena Bentele, Präsidentin des Sozialverbands VdK, schon im Januar gegenüber dem MDR. "Zehn Prozent Hinzuzahlung plus An- und Abfahrtskosten selber tragen, ist für viele dann doch wieder eine Hürde. Gerade für Menschen, die Grundsicherung beantragen oder für Alleinerziehende."

Was müssen Familien selbst finanzieren?

Familien müssen einen Eigenanteil von zehn Prozent für die Übernachtungs- und Verpflegungskosten bezahlen. Auch die weiteren Kosten ihrer Reise übernehmen Familien selbst. Dazu zählen zum Beispiel: 

  • Fahrtkosten für An- und Abreise
  • Kurtaxe
  • gesonderte Getränkekosten (wenn nicht bereits in der Verpflegung enthalten)
  • gesonderte Kosten für Bettwäsche und Handtücher (wenn nicht in den regulären Unterkunftskosten enthalten)
  • zusätzliche Ausgaben für Freizeitprogramm und Wellnessbereich (wenn nicht in den regulären Unterkunftskosten enthalten)
  • Sonderausstattung 


(Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Doch das Angebot ist bei Familien extrem beliebt. 90 Prozent der Kosten, die der Bund übernimmt - das ist oftmals keine kleine Summe. Im Familienzentrum der Awo in Oberhof beträgt sie beispielsweise für eine Familie mit zwei Kindern im Alter von sieben und 13 Jahren 1171,80 Euro für sieben Übernachtungen mit Vollpension. Lediglich 130,20 Euro müsste die Familie selbst zahlen.

Eine Frau steht vor dem Eingang zu einem Ferienzentrum
Liesa Eisner, Hausleiterin des Familienzentrums in Oberhof: "Wir mussten ganz vielen absagen." Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Kein Wunder, dass der Andrang groß ist. Schon als das Prorgamm im Oktober 2021 anlief, waren deutschlandweit innerhalb kurzer Zeit die meisten Plätze ausgebucht. Auch in Oberhof: "Das hat hier eingeschlagen wie eine Bombe. Wir hatten auf einen Schlag 1.000 E-Mails", erzählt Liesa Eisner. "Wir mussten ganz vielen absagen." Das sei bis heute so.

Welche Familien können die Maßnahme in Anspruch nehmen?

Es gibt zwei Grundvoraussetzungen:

  1. Die Familie hat ihren Hauptwohnsitz in Deutschland.
  2. Die Eltern oder Elternteile haben für ihr Kind oder für ihre Kinder einen Anspruch auf Kindergeld.


Außerdem müssen die Familien eines der drei folgenden Kriterien erfüllen:

  1. Die Eltern oder Elternteile haben nur ein bestimmtes Einkommen oder beziehen Sozialleistungen. Die Familie muss mit mindestens einem minderjährigen Kind anreisen.
  2. Bei einem mitreisenden Kind liegt ein Grad der Behinderung von mindestens 50 vor. Das Kind muss nicht minderjährig sein. Das Einkommen spielt keine Rolle.
  3. Bei einem Elternteil liegt ein Grad der Behinderung von mindestens 50 vor. Die Familie muss mit mindestens einem minderjährigen Kind anreisen. Das Einkommen spielt keine Rolle.


(Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Familien können deutschlandweit theoretisch unter 125 Einrichtungen wählen, wie das Bundesfamilienministerium auf Anfrage mitteilte. In Sachsen bieten zehn Unterkünfte Plätze im Rahmen der "Corona-Auszeit" an, in Sachsen-Anhalt zwei und in Thüringen neun.

Beispiele für Einkommensgrenzen

1. Beispiel: Paar mit zwei Kindern (drei und acht Jahre alt): Die Einkommensgrenze des monatlichen Haushaltseinkommens beträgt 5.616 Euro brutto im Monat, um eine "Corona-Auszeit" in Anspruch nehmen zu können.

2. Beispiel: Paar mit einem Kind (drei Jahre): Die Einkommensgrenze des monatlichen Haushaltseinkommens beträgt 4.372 Euro brutto im Monat.

3. Beispiel: Alleinerziehende mit zwei Kindern (sechs und 14 Jahre): Die Einkommensgrenze beträgt 4.993 Euro brutto im Monat.

4. Beispiel: Alleinerziehender mit einem Kind (sechs Jahre): Die Einkommensgrenze beträgt 3.489 Euro brutto im Monat.

Konkrete Berechnungen sind über den Online-Check möglich.

(Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Allerdings muss man viel Glück haben, wenn man noch einen freien Platz finden will. So heißt es auf der Website des Bundesfamilienministeriums: "Wir bitten um Verständnis, dass die Unterkünfte in den Ferienzeiten mittlerweile so gut wie ausgebucht sind." Außerhalb der Ferienzeiten seien "in einigen Unterkünften noch Plätze frei".

Habe man eine Ferienstätte gewählt, die noch Plätze anbiete, müsse man nur anfragen, ob der Platz noch frei sei, erklärt Liesa Eisner aus Oberhof. "Wir erstellen dann ein Angebot und schicken den Gästen unser Buchungsformular und das Formular für die 'Corona-Auszeit'. Wir prüfen, ob die Familien dazu berechtigt sind, die Maßnahme in Anspruch zu nehmen und dann bekommen die Gäste die Buchungsbestätigung."

Ein Ferienzentrum in Oberhof
Das Ferienzentrum in Oberhof Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Tausende E-Mails bearbeiten, Formulare verschicken und prüfen: Das alles macht viel zusätzliche Arbeit. Das können manche Einrichtungen, die eigentlich für das Angebot infrage kämen, personell nicht leisten. So auch Sylvia Eckart, die im Service-Center der Thüringer Jugendherbergen arbeitet.

"Die 'Corona-Auszeit' ist mit einem sehr großen Aufwand verbunden. Anträge müssen überprüft werden, Familien müssen nachweisen, dass sie bedürftig sind. Ich kann das alleine nicht stemmen", sagt sie. Deshalb biete nur eine Jugendherberge in Thüringen für drei Wochen im Sommer eine "Corona-Auszeit" für Familien an: die Jugendherberge "Am Ettersberg" in Weimar.

Wir hängen nach wie vor mit der Bearbeitung hinterher.

Liesa Eisner Hausleiterin im Ferienzentrum Oberhof

Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Oberhof müssen neben dem normalen Ferienbetrieb diesen Mehraufwand leisten. "Wir hängen nach wie vor mit der Bearbeitung hinterher. Wir versuchen, vier Wochen vor Anreise die Bestätigung zu schicken, und das schaffen wir auch", sagt Liesa Eisner.

Blick auf den Thüringer Wald bei Oberhof
Das Ferienzentrum Oberhof liegt mitten im Thüringer Wald. Bildrechte: MDR/Carmen Fiedler

Übers Jahr kämen 40 bis 50 Prozent der Gäste über die "Corona-Auszeit für Familien". "Das nutzen viele Familien, weil das für fast jede Familie greift. Sie kommen aus ganz Deutschland zu uns", sagt Liesa Eisner. "Das ist für Familien eine schöne Sache. Sie kommen mal raus, viele Familien haben es nicht so gut wie wir auf dem Land. Man merkt, dass sie hier glücklich sind."

Allein im vergangenen Jahr hätten seit dem Start im Oktober 4.000 Familien von dem Angebot profitiert, heißt es vom Bundesfamilienministerium auf Anfrage. Auch wenn viele Familien "die Corona-Auszeit leider aufgrund des Pandemiegeschehens nicht wie geplant in Anspruch nehmen konnten".

Ein Großteil der Fördermittel bereits ausgeschöpft

Auch ein großer Teil der für 2022 für die Auszeit zur Verfügung stehenden 40 Millionen Euro sei bereits ausgeschöpft, so das Bundesfamilienministerium.

Ein Urlaub, selbst ein kurzer, ist für viele Familien nicht zu stemmen.

Liesa Eisner Hausleiterin Ferienzentrum Oberhof

Liesa Eisner wünscht sich, dass es weiterhin Aktionen wie die "Corona-Auszeit für Familien" gibt. "Ein Urlaub, selbst ein kurzer, ist für viele Familien nicht zu stemmen", sagt sie. "Es wäre schön, wenn da wieder etwas auf die Beine gestellt werden könnte, egal, ob vom Land oder vom Bund."

Eine Verlängerung ist nicht vorgesehen.

Bundesministerium für Familie

Die "Corona-Auszeit" läuft jedenfalls aus. Als Teil des Aktionsprogramms der Bundesregierung "Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche für die Jahre 2021 und 2022" sei sie befristet bis zum 31. Dezember 2022, so das Bundesfamilienministerium. "Eine Verlängerung ist nicht vorgesehen."

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