Infektionszahlen steigen Jetzt doch harter Lockdown?

Angesichts schnell steigender Corona-Infektionszahlen werden die Forderungen nach einer vorgezogenen Bund-Länder-Runde und einem härteren Lockdown lauter. Selbst die Wirtschaft ist offen für eine Verschärfung der Maßnahmen. Doch Bayerns Ministerpräsident Söder sieht das anders. Es reiche, die vereinbarte Notbremse konsequent anzuwenden.

 Michael Müller (SPD, l-r), Regierender Bürgermeister von Berlin, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern und Vorsitzender der CSU, kommen zu ihrer Pressekonferenz.
Kommt jetzt doch der harte Lockdown, und wenn ja, schon zu Ostern? Bildrechte: dpa

Bayerns Regierungschef Markus Söder hat Forderungen nach vorgezogenen Bund-Länder-Beratungen und einem härteren Lockdown zurückgewiesen. Der CSU-Chef sagte der "Augsburger Allgemeinen": "Es braucht nicht ständig neue Gespräche, sondern die konsequente Umsetzung der Notbremse." Ab regionalen Inzidenzen über 100 sollen demnach automatisch Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen gelten. Viele Bundesländer haben den Grenzwert hochgesetzt und lassen Ausnahmen zu.

Auch der Linksfraktionschef im Bundestag, Dietmar Bartsch, lehnt ein Vorziehen der für den 12. April geplanten Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ab. Er sagte der Funke-Mediengruppe, eine neue "MPK" klinge für viele Menschen wie eine Bedrohung. Stattdessen forderte er mehr Tempo von der Bundesregierung etwa bei der Zulassung des russischen Sputnik-V-Impfstoffs.  

Kretschmann für Krisen-Runde

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte für Anfang der Woche weitere Gespräche zwischen Bund und Ländern über einen harten Lockdown vorgeschlagen. Man müsse reagieren, wenn die Infektionszahlen hochrasten. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach verlangte sofort einen bundesweiten strengen Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen ab 20 Uhr für zwei Wochen. Das wirke, wie man in Frankreich, Großbritannien und Portugal gesehen habe.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte, angesichts der Fallzahlen sollten "wir eigentlich noch mal zehn, 14 Tage die Kontakte und Mobilität richtig runterfahren".

Wirtschaft offen für härtere Maßnahmen

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall zeigte sich offen für einen harten Lockdown. Verbandschef Stefan Wolf sagte der "Bild"-Zeitung: "Es wäre mir lieber, wenn wir noch mal zehn Tage bundesweit in einen harten Lockdown gehen und danach überall öffnen können, anstatt über Monate keine klaren Strukturen zu haben." Bund und Länder gingen mit ihren Beschlüssen seit Monaten völlig an den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen und Betriebe vorbei. Wolf verlangte, die Wirtschaft müsse künftig bei den Verhandlungen mit am Tisch sitzen.

Länder ziehen Regeln bereits an

In vielen Bundesländern greifen bereits schärfere Regeln angesichts von Inzidenzen über 100. Der Berliner Senat ordnete eine Kontaktreduzierung an. In Büros dürften demnach nur noch bis zu maximal 50 Prozent der Arbeitsplätze besetzt sein. Außerdem müssen in Berlin ab Mittwoch im öffentlichen Nahverkehr, in Arztpraxen, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, im Einzelhandel und in kulturellen Einrichtungen FFP2-Masken getragen werden. Auch in Mitteldeutschland wurden wegen hoher Inzidenzen in vielen Landkreisen bereits Schulen und Kitas wieder geschlossen. Allerdings sind in mehreren Bundesländern nach Ostern auch Öffnungen im Handel und für Kultureinrichtungen im Rahmen von Modellprojekten geplant.

Währenddessen steigt die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland weiter. Am Sonntag lag der Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche nach Daten des Risklayer-Projekts der am Karlsruher Institut für Technologie bei 134.

Quelle: dpa

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. März 2021 | 15:00 Uhr

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