Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Jeder Fünfte bekam die erste Impfung

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/David Muschenich

Immer mehr Menschen in Deutschland sind geimpft und die Inzidenz ist in der vergangenen Woche kaum gestiegen. Doch gerade bei den jüngeren Menschen sieht es aktuell noch anders aus: wenige geimpft und die Inzidenz steigt. Das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Ein Hausarzt verabreicht dem 85-jährigen Hans-Joachim Nettelbeck in einem Behandlungszimmer die erste Impfung. Nettelebeck hat sein Hemd zu Hälfte ausgezogen. Beide tragen Maske.
Die Impfung gegen das Coronavirus gibt es jetzt auch beim Hausarzt. Für Astrazeneca ist die Priorisierung in Sachsen bereits aufgehoben — alle die wollen können sich den Pikser abholen. Bildrechte: dpa

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. Seit vergangenem Freitag blieb die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland einigermaßen konstant bei etwas mehr als 160. Im direkten Vergleich zu letzter Woche ist sie leicht gestiegen, von 160,1 auf 164. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ging die Inzidenz zurück. Sachsen-Anhalt ist nun nicht mehr unter den drei Bundesländern mit der höchsten Inzidenz. Sachsen und Thüringen bleiben aber weiterhin in der Spitzengruppe bei mehr als 200 Fällen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Das ist aktuell in keinem anderen Bundesland der Fall.

Dass die Inzidenz im Moment nicht mehr so schnell steige wie in der Woche davor, sei positiv, aber die Zahlen seien immer noch auf hohem Niveau, sagte der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, am Freitagmorgen in der Bundespressekonferenz. Zudem starben in der vergangenen Woche deutschlandweit mehr als tausend Menschen im Zusammenhang mit Covid-19.

Was bedeutet 7-Tage-Inzidenz überhaupt?

Der Inzidenz-Wert gibt an, wie viele nachgewiesene Corona-Fälle es in einem bestimmten Gebiet – etwa in einem Landkreis oder in einem Bundesland – in den jeweils vergangenen sieben Tagen gab. Die errechnete Summe der neuen Fälle wird auf 100.000 Einwohner umgerechnet. Warum das Umrechnen? Damit Regionen besser vergleichbar sind.

Ein fiktives Beispiel zur 7-Tage-Inzidenz

300 neue Fälle innerhalb von 7 Tagen klingen grundsätzlich sehr ernst. Jedoch ist es ein Unterschied, ob diese Fälle in einer Stadt wie Magdeburg (rund 239.000 Menschen wohnen dort) oder in München (rund 1.484.000) festgestellt werden. In Magdeburg würde sich basierend auf der Fallzahl 300 und der Bevölkerungszahl eine 7-Tage-Inzidenz von 125,5 ergeben, in München läge der Wert hingegen nur bei 20,2.

So sehen die Impfquoten aus

Bei den Erstimpfungen ist in Deutschland ein erster Meilenstein vollbracht: Seit dieser Woche haben mehr als 20 Prozent der Bevölkerung ihre erste Spritze bekommen. Sieben Prozent bekamen auch die zweite Impfung. Insgesamt wurden nach Angaben des RKI rund 18 Millionen Dosen verimpft. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist zuversichtlich, dass im Mai jeder Dritte in Deutschland geimpft sein könnte. Dann könne auch die Priorisierung für Impfstoffe, bei der zum Beispiel ältere Menschen ein Vorrecht auf Impfungen haben, gelockert werden. Im Juni kann es laut Spahn soweit sein.

Einzelne Bundesländer haben jedoch bereits die Priorisierung für den Astrazeneca-Impfstoff aufgehoben. Unter anderem in Sachsen können sich alle in der Hausarztpraxis damit impfen lassen, wenn sie wollen. Allerdings erhielten die Praxen nur wenige Dosen — maximal 50, wie Friedemann Schmidt, Präsident der sächsischen Landesapothekenkammer, dem MDR erläuterte.

In Sachsen bekamen bisher 21,6 Prozent der Bevölkerung die erste Impfspritze. In Sachsen-Anhalt liegt die Impfquote der ersten Spritze wieder höher: 23,2 Prozent. Bei den Zweitimpfungen ist Sachsen-Anhalt allerdings das vorletzte Bundesland mit 6 Prozent geimpfter Bevölkerung. Wobei das Land davon ausgeht, dass alle in Sachsen-Anhalt geimpften Personen auch zur Bevölkerung von Sachsen-Anhalt gehören. Das Ministerium für Soziales antwortete auf eine Nachfrage des MDR, dass keine Statistik über "Impftouristen" geführt würden.

Doch obwohl nun jede fünfte Person geimpft ist: Den Jüngeren steht aktuell noch kein Impfstoff zu Verfügung und gerade bei ihnen steige die Inzidenz, gab Lars Schaade vom RKI zu bedenken. Zwar sterben weniger junge Menschen im Zusammenhang mit Covid-19, aber auch für sie gehe eine bisher eher unklare Gefahr von Long-Covid aus.

Was ist mit Long-Covid gemeint?

Aktuell sprechen Mediziner von "Long-Covid", also langem Covid, wenn Symptome vier Wochen oder noch länger nach Beginn der Covid-19-Erkrankung anhalten. Im Deutschen ist auch die etwas sperrige Bezeichnung "Post-Covid-Syndrom" gebräuchlich.

Ein erhöhtes Risiko für Langzeitfolgen besteht laut RKI für Menschen in einem höheren Alter und mit einem höheren Body-Mass-Index, sowie für Frauen. Besonders oft treten Langzeitfolgen bei Personen mit einem schweren Krankheitsverlauf auf. Aber auch milde Krankheitsverläufe können Langzeitfolgen nach sich ziehen.

Zu den Symptomen von Long Covid zählen unter anderem chronische Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Depressionen, Kopfschmerzen, Atemnot, Konzentrationsstörungen oder der Verlust des Geschmackssinns.

Inzidenz nach Altersgruppen

In dem Datensatz, den das RKI täglich aktualisiert, steht das Alter der betroffenen Personen, eingeteilt in sechs Gruppen. Mit den entsprechenden Bevölkerungszahlen pro Altersgruppe lässt sich daraus die jeweilige die Inzidenz berechnen. In den hier dargestellten Grafiken sind die so errechneten 7-Tage-Inzidenzen pro Sonntag abgebildet.

In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigt sich, dass die Inzidenz der Menschen über 80 in der zweiten Welle mit Abstand am höchsten war. Spätestens Mitte Januar gehen die Inzidenzen altersübergreifend zurück. Doch während sie bei den Jüngeren im März wieder steigen, bleibt die Inzidenz bei der höchsten Altersgruppe auffallend niedrig. Aber selbst bei den Personen über 80 Jahren liegt die Inzidenz in allen drei Ländern bei mehr als hundert.

Seit dem 26. Dezember 2020 werden in Deutschland Menschen gegen das Coronavirus geimpft. Die erste Spritze bekam eine 101-Jährige in Sachsen-Anhalt. Da die Älteren zuerst geimpft wurden, liegt die Impfquote bei ihnen vermutlich auch höher. Allerdings lassen die hier dargestellten Daten keine Rückschlüsse darauf zu, inwiefern die Impfungen wirken oder nicht.

In allen drei Ländern ist die Inzidenz unter den 5- bis 14-Jährigen aktuell höher als sie im Dezember war. Da waren Schulen und Kindergärten geschlossen. Ende Februar öffneten diese wieder. Nach der Darstellung des zuständigen Amtsarztes in Magdeburg sind die Schulen derzeit ein Treiber des Infektionsgeschehens.

Auffällig ist außerdem: In allen drei Ländern ist die Altersgruppe der 15- bis 34-Jährigen zurzeit am stärksten betroffen.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags bis freitags um 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

MDR, David Muschenich

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23. April 2021 | 19:00 Uhr

22 Kommentare

Uwe G vor 14 Wochen

Und auch hier noch ein kleiner Nachtrag: Mir fällt nicht zum Ersten Mal auf, dass Menschen die hier am deutlichsten ihre "Kritik "zum Ausdruck bringen sich dann in irgendeinem Kommentar als Leute aus dem Ländle outen.

Uwe G vor 14 Wochen

Das ist sehr interessant! Sie sind also mit dem Impfen genauso weit wie ich. Dennoch schreiben Sie hier im Forum einen Kommentar nach dem anderen und lassen kein gutes Stückchen an unserem Land und unserer Kanzlerin.

H.E. vor 14 Wochen

@Uwe G

Sehr schön, daß es in Sachsen-Anhalt so gut klappt. Das spricht für ihr Bundesland.
Von Baden-Württ. kann man das nicht sagen. Ich habe versucht, auch über diesen Weg eine Impfung zu erhalten, es war aussichtslos . Ich falle unter die Gruppe der 70 - 80 jährigen. Da ich mich gleichzeitig bei meiner Hausärztin sofort angemeldet habe, als es bekannt wurde, daß Hausärzte auch impfen dürfen und auf der Liste bei ihr ziemlich weit vorne stand, wurde ich bei ihr dann mit Biontec geimpft und der 2. Termin findet dann im Mai statt.

Mehr aus Deutschland