Datenanalyse zur Coronavirus-Pandemie Tests in Schulen und steigende Inzidenzen: Deutschlands Corona-Situation im Frühherbst 2021

Ein junger Mann blickt in die Kamera.
Bildrechte: MDR/David Muschenich

Während die Sommerferien in den Bundesländern nach und nach enden, steigt die Zahl der Neuinfektionen. Da in den Schulen mehr getestet wird, bleiben weniger symptomfreie Verläufe unentdeckt. Doch auch in Ländern, die noch Ferien haben, steigt die Inzidenz und auf den Intensivstationen liegen wieder mehr Patientinnen und Patienten mit Covid-19. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sieht es aktuell ruhiger aus als im Rest von Deutschland. Das und mehr im aktuellen Corona-Daten-Update.

Schüler einer Grundschule warten an einer Tür.
Bildrechte: dpa

Die aktuelle Lage

Guten Abend zur aktuellen Ausgabe des Corona-Daten-Updates. In Sachsen-Anhalt haben am vergangenen Donnerstag die Schulen wieder geöffnet und in der kommenden Woche geht auch der Unterricht in Sachsen und Thüringen wieder los. Er findet wieder vor Ort statt. Mit Hilfe regelmäßiger Corona-Tests sollen die Infektionen beobachtet werden. Denn in anderen Bundesländern sind die Ferien schon länger vorbei und die Inzidenz steigt dort besonders bei Jüngeren.

In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel, das nicht nur die höchste Inzidenz unter den Bundesländern aufweist, sondern wo die Inzidenz den 6- bis 10-Jährigen mittlerweile bei mehr als 370 liegt. Allerdings ist der Zusammenhang zwischen Schulstart und mehr Infektionen nicht belegt. Die steigenden Zahlen könnten auch damit zusammenhängen, dass mehr getestet wird und daher weniger Infektionen unentdeckt bleiben, wie der Virologe Rolf Kaiser vom Universitätklinikum Köln dem WDR erklärt. Außerdem: Die Inzidenz stieg schon bevor die Schulen wieder öffneten, wie eine Datenanalyse des WDR zeigt. Ähnlich ist es offenbar in Baden-Württemberg und Bayern. Da stieg die Inzidenz zuletzt am stärksten an und in diesen Bundesländern enden die Ferien erst in der kommenden Woche.

Insgesamt hat sich die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland im August verfünffacht. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) stieg sie von rund 15 am Anfang des Monats bis auf rund 75 zum Ende. Mittlerweile liegt sie in der Bundesrepublik bei 80,2 Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Doch zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede: Während die Inzidenzwerte in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Bremen derzeit über 100 liegen, haben sie in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen noch nicht mal die 30 überschritten.

In der gesamten Pandemie wurden dem RKI bisher bundesweit rund 3,9 Millionen Covid-19-Fälle gemeldet. Seit vergangener Woche berichtete das RKI von insgesamt 70.525 nachgewiesen Neuinfektionen. In der Woche davor waren es noch 60.773 und vor zwei Wochen 42.414 Neuinfektionen in einer Woche.

Mehr Corona-Fälle auf den Intensivstationen

Und auch auf den Intensivstationen in Deutschland steigt die Zahl der Covid-19-Fälle wieder. Waren Ende Juli noch rund 350 Menschen dort, brauchen mittlerweile wieder mehr als 1.000 Menschen eine intensivmedizinische Behandlung. Und auch in dieser Sache sieht die Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ruhiger aus. In allen drei Ländern liegen die Zahlen aktuell niedriger als noch vor wenigen Monaten: In Sachsen sind 27 Intensivpatienten gemeldet, in Sachsen-Anhalt 6 und in Thüringen 14.

Seit dem 1. September veröffentlicht die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensivmedizin (DIVI) auch, wie sich die Altersstruktur der Patienten in den vergangenen Monaten entwickelt hat. Dabei fällt auf, dass der Anteil der 70- bis 79-Jährigen seit April von 27 Prozent auf 15 Prozent verringert hat, während die 40- bis 49-Jährigen um 10 Prozent gestiegen sind und nun 17 Prozent ausmachen.

Etwa 61 Prozent in Deutschland voll geimpft

92.301 Menschen sind im Zusammenhang mit Corona gestorben. Das sind etwa 200 Todesfälle mehr als am vergangenen Freitag. Mittlerweile gelten etwa 61 Prozent der Menschen in Deutschland als vollständig geimpft. Zusammen mit den Genesenen geht der Virologe Alexander Kekulé deshalb davon aus, dass etwa 70 Prozent der Erwachsenen vollständig immunisiert sind. "Das ist nicht schlecht", bewertet er im aktuellen MDR AKTUELL Podcast die Lage. Auch wenn die Zahlen aktuell steigen, würde das voraussichtlich die Intensivstationen entlasten. Selbst wenn Geimpfte erkranken, brauchen sie seltener intensivmedizinische Hilfe.

Kekulé habe erst Mitte September mit so vielen Immunisierten gerechnet, aber eine Herdenimmunität sei das noch nicht. Das Hauptproblem werde im Herbst daher eher, "dass in den Schulen und bei den Jüngeren alles gut läuft." Dort liegt die Impfquote nämlich noch deutlich niedriger und Kinder die jünger als 12 sind dürfen gar nicht geimpft werden.

Das Problem ist auch der Politik bekannt. In Sachsen-Anhalt soll daher nach den Ferien erst mal mehr getestet werden, um mögliche Infektionen bei „Reiserückkehrern zu identifizieren“, wie das Bildungsministerium schreibt. Dadurch könnte auch die Dunkelziffer sinken und ein klareres Bild davon entstehen, wo sich das Virus verbreitet. Zunächst ist es aber sehr wahrscheinlich, dass in den kommenden Wochen die Inzidenzen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wieder stärker steigen.

Mehr Informationen zur Corona-Situation in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und Deutschland finden Sie hier:

Generelle Einschätzung der Daten

Es handelt sich sowohl regional als auch international um eine sehr dynamische Datenlage. Beinahe stündlich liefern einzelnen Kommunen, Landesbehörden oder internationale Stellen neue Zahlen. Dazu kommt ein teils erheblicher Meldeverzug, weshalb sich Angaben verschiedener Quellen unterscheiden können. Grundsätzlich stellt eine Daten-Übersicht wie diese deshalb immer nur eine Momentaufnahme dar.

Newsletter: Das Corona-Daten-Update

Zum Schluss empfehlen wir Ihnen noch unseren Newsletter zum Thema: In unserem Update zur Corona-Lage in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen fassen wir für Sie zusammen, was am Tag wichtig war und was für Sie morgen wichtig wird – montags, mittwochs und freitags bis 20 Uhr per Mail in Ihr Postfach. Hier geht es zur Anmeldung.

Grafik: Der Corona-Daten-Update Newsletter
Bildrechte: MDR | Grafik Florian Leue/Martin Paul

MDR/David Muschenich

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 03. September 2021 | 07:00 Uhr

9 Kommentare

ElBuffo vor 7 Wochen

Da braucht nicht, auf die Grippezeit gewartet werden. Die fällt wegen Kontaktreduzierungen, Hygienemaßnahmen und Grippeimpfungen vielleicht auch wieder aus. Dann kommen gegen Hepatitis Geimpfte und nicht Geimpfte gleichgut mit dieser Zeit aus. Wie gut gegen Corona Geimpfte und Nichtgeimpfte mit einer Infektion klarkommen, ist dagegen schon jetzt zu beobachten.
Eine Krankenhausbehandlung von Coronaerkrankten kostet im Durchschnitt 10.700€, schwere Verläufe mehr als das Dreifache. Für eine Dosis Biontech bekommt die Firma nicht mal 25€. Ganz sicher ist das nicht der Gewinn. Da verdienen also andere deutlich mehr daran, wenn nicht geimpft wird.

ElBuffo vor 7 Wochen

Man erfährt das schon. Genauso wie man erfährt, ob und welche bzw. wieviele Vorerkrankungen die haben. Passt bloß meist nicht in die aufgeregte Schlagzeile. Muss man selber suchen. Und dann auf mal die Grundgesantheit zur Prozentzahl. Wenn z. B. der Anteil der Ü60jährigen jetzt doppelt so hoch ist, heißt das eben noch lange nicht, dass doppelt soviele auf ITS liegen, wie im letzten Winter. Aber es klingt halt so schön dramatisch. So richtig weiß eben die Presse, inkl. der ör, noch nicht, auf welchen Zug sie aufspringen soll.

ElBuffo vor 7 Wochen

Unser Immunsystem ist permanent damit beschäftigt Infektionen abzuwehren. Die Masse davon erfolgt unbemerkt, weil nicht explizit darauf getestet wird. Fieber oder Atemnot sind nunmal nicht die einzigen anerkannten Symptome. Würde man halt bestenfalls merken, wenn man ständig auf alles mögliche testen würde. Insofern sind wir alle ständig krank.
Und selbstverständlich kann sowas weitergegeben werden. Da besteht nun gar kein Zweifel.
Wie Sie ganz richtig bemerken, werden gar nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichmäßig getestet. Insofern gibt es auch kaum zu denken, dass die tollsten Korrelation ermittelt werden können. Mancher Experte hat schon eine zu Wahlergebnissen hergestellt. Aber auch solche zum Fichtenbestand sind möglich.

Mehr aus Deutschland